Können Kinder zweisprachig aufwachsen?
Inzwischen ist in Deutschland für fast ein Drittel der Kita-Kinder deutsch nicht ihre Muttersprache. Auch viele deutsche Eltern, die mit ihren Kindern im Ausland leben, oder Familien, in denen ein Elternteil nicht deutsch ist, stehen vor der Frage, ob sie ihre Kinder zweisprachig aufwachsen lassen sollen.
von Bert Pfahl
---
Große Bedeutung der Muttersprache
Gila Hoppenstedt, Autorin der Reihe „Meine Sprache als Chance – Förderung von Mehrsprachigkeit für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache", weist auf die große Bedeutung der Muttersprache hin, ohne deren gute Beherrschung es schwer sei, sich in anderen Sprachen zurecht zu finden.
Vor allem bei der großen Zahl ausländischer Kinder, die unsere Kitas und Schulen besuchen, muss dieser Aspekt stärker als bisher berücksichtigt werden, um die großen Sprachprobleme ausländischer Kinder, deren Überwindung für den weiteren Schulerfolg ausschlaggebend ist, in den Griff zu bekommen.
So mahnt Frau Hoppenstedt vom German Institute for Immersive Learning (GIFIL), Kiel: „Die Muttersprache ist der Schlüssel für die zweite Sprache, und die Kinder greifen lange darauf zurück. Die Muttersprache ist Teil ihrer Identität, nur in ihr können sie anspruchsvolle Inhalte verstehen und sich vollständig altersgemäß ausdrücken. Sie ist so lange Motor ihrer kognitiven Entwicklung, bis die deutsche Sprache diese Rolle übernehmen kann. Das wissen wir schon lange, und das wird immer wieder von der Forschung bestätigt. Inzwischen wird es endlich auch von der Politik angemahnt.“
In der Tat zeitigen die Sprachförder-Programme, denen lange Zeit nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt wurde, ihre ersten Früchte auf dem Weg der Integration ausländischer Kinder.
Die Rolle der Eltern
Die wichtigste Rolle spielen die Eltern beim Spracherwerb der Kinder. Denn sie sind die ersten, die ihren Kindern den sprachlichen Zugang zur Welt erschließen. In Familien mit verschiedensprachigen Elternteilen erweist sich das Vorgehen als erfolgreich, wenn die Eltern in ihrer jeweiligen Muttersprache mit ihren Kindern sprechen. Dies führt, wenn es konsequent durchgehalten wird, meist zu einer echten Zweisprachigkeit bei den Kindern, deren Lernfähigkeit bekanntermaßen in den ersten Lebensjahren besonders groß ist.
Für Eltern mit Migrationshintergrund, die selbst meist die deutsche Sprache nicht oder wenig beherrschen, ist es sehr hilfreich, wenn ihre Kinder in der Kita oder in der Grundschule auch in ihrer Muttersprache gefördert werden. Frau Hoppenstedt weiß zu berichten, dass die Eltern darüber sehr glücklich sind: „Dadurch wird ihre Muttersprache ernst genommen, sie werden als kompetente Partner angesprochen, und sie werden motiviert und interessiert sein, sich mit den Kindern über die Inhalte zu unterhalten. Die Einbeziehung der Eltern ist Sprachförderung im besten Sinne.“
Quelle des Interviews: Die Muttersprache ist der Schlüssel für die zweite Sprache
Anmelden oder registrieren um Kommentare einzutragen | E-Mail mit Artikel-Link versenden | Druckversion

