Schule, Unterricht, Bildung, Freie Schulen, Organisation, Schulpolitik, Ausland
Klassenzimmer Wildwest
von Markus Rüther am 26/06/2008 - 11:12.
Buben springen über Tische, Stühle, Mädchen kreischen, Bücher fliegen – nur der Lehrer blicket stumm im Gewühl herum. Wilhelm Busch? Oder eine Zustandsbeschreibung, die aus der Zukunft kommt? Immerhin soll es in Amerika Skeptiker geben, die vor Entwicklungen warnen, die ganz neue Fragen aufwerfen – zum Beispiel: Benötigen Lehrer einen Waffenschein? Vom symbolischen Duktus dieser Frage abgesehen, befinden wir uns hierzulande zum Glück noch unterhalb der Schwelle einer Eskalation, die zum körperlichen Einsatz auffordert. Aber ganz so harmlos ist die Situation auch in Deutschland nicht. Thema: Unterrichtsstörungen. Leidgeplagte Pädagogen finden im Netz eine Unzahl von Webseiten, die sich dem Problem widmen: Maßnahmen, Empfehlungen, Ursachen – «Disziplinmanagement». Uff! Selbst der philosophische Standpunkt wird inzwischen nicht mehr ausgeklammert: «Wer stört hier eigentlich wen?» Schwierig.
Ehrenrunde und Styropor
von Markus Rüther am 23/06/2008 - 08:36.
Magdeburg, Ehrenrunde, Akustikschreiner – was haben diese Worte gemeinsam? Und Styropor? Auflösung: 230.000 Schüler blieben im letzten Schuljahr sitzen, dies entspricht der Einwohnerzahl Magdeburgs, und jeder Schüler, der eine Ehrenrunde dreht, verursacht jährlich soviel Personalkosten wie zwei Akustikschreiner im Monat zusammen, also 4000 Euro. Wenn dieser von der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft genannte Wert stimmt, belasten die Wiederholungsschüler die Staatskasse insgesamt mit 920 Millionen Euro pro Jahr. Und dies ist dann in etwa der Überschuss, den der Chemieriese BASF im Jahre 2006 erzielen konnte. Ach ja … und der Dämmstoff Styropor ist eine Erfindung von BASF.
Basis-Droge Fährnsehen – «Legasthenie als Talentsignal»?
von Markus Rüther am 16/06/2008 - 08:08.
Was ist Legasthenie? Die Kurzdefinition, die das Internetportal WeltOnline kürzlich verwendete, lautet: «Lese-Reschtschreib-Schwäche mit Zuhörproblemen und sprachlichen Auffälligkeiten». Die Brockhaus-Autoren sprechen ebenfalls von einer «Schwäche im Erlernen des Lesens und orthographischen Schreibens», fügen aber hinzu, dass diese Schwäche mit «vergleichsweise durchschnittlicher oder sogar guter Allgemeinbegabung des Kindes» einhergeht. Legasthenie äußert sich vor allem «in der Umstellung und Verwechslung einzelner Buchstaben oder ganzer Wortteile». Über die Ursachen der Schwäche ist die Fachwelt uneins. Neben genetischer Disposition werden psychologische und vor allem soziale Faktoren genannt: «erhöhter Fernsehkonsum und Sprachverarmung in den Familien».
Kopfnoten-Diskussion geht weiter
von Bert Pfahl am 31/05/2008 - 11:15.
Nordrhein-Westfalen ist bisher das einzige Bundesland, in dem seit vergangenem Jahr wieder verpflichtend die Kopfnoten auf den Zeugnissen eingeführt worden sind. Nach langer Diskussion konnten die Schulen selbst entscheiden, in welcher Form (kurze Beschreibung oder Noten) sie das Verhalten der Schüler in 6 Kategorien wie schulische Mitarbeit, Betragen, Sozialverhalten etc. beurteilen wollen. Diese Einzelnoten werden auch auf den Abschlusszeugnissen (z.B. Abitur) vermerkt.
Gemeinsam kämpfen, gemeinsam siegen
von Markus Rüther am 27/05/2008 - 08:19.
Als wir kürzlich mit unserem Sohn, der noch in den Kindergarten geht, die heilige Messe besuchten, bemerkte ich, wie er das Austeilen der Hostien mit neugierigem Ernst beobachtete; unsere Blicke trafen sich, und mein Sohn stellte eine von diesen Fragen, wie sie nur Kinder stellen können und die man nie vergisst – er fragte: «Darf ich auch Chips haben?» Auf dem Nachhauseweg habe ich versucht, die Dinge richtig zu stellen; doch wie erklärt man seinem Kind, worum es bei der Hl. Kommunion geht? Wie begründet man die lange Zeit, die noch vergehen muss, bevor er eine Hostie in Empfang nehmen darf?
PC, Laptop und DSL – vom Computerkabinett ins Klassenzimmer
von Markus Rüther am 20/05/2008 - 08:04.
Auch die jüngste, diesmal vom Bundesbildungsministerium in Auftrag gegebene Studie zum Einsatz von PCs im Unterricht bestätigt, was etliche andere Studien der letzten Jahre belegen: Der Computer wird im Unterricht kaum genutzt, nur jeder fünfte Lehrer bricht diese Regel; und viele nutzen ihn weniger als zwei Schulstunden pro Woche. Die Frage nach den Gründen für diesen Zustand verlangt zuvor eine Antwort auf die Frage, welche Vorteile die «digitale Schule» bringen würde; auch hier liegen zahlreiche Studien vor.
Fluchtpunkt Parallelschule
von Markus Rüther am 08/05/2008 - 07:59.
Deutschland erlebt einen Nachhilfe-Boom; bereits jeder dritte bis vierte Schüler kommt nicht ohne Nachhilfe durch seine Schulzeit, und es sieht so aus, als habe sich «neben dem öffentlichen Schulwesen ein privates etabliert, das Eltern mit dem entsprechenden Einkommen zusätzlich in Anspruch nehmen» (bildungsklick.de). Zwar gehört der Nachhilfeunterricht schon seit dem 19.Jahrhundert zur Schulrealität, doch das Thema wirft gerade angesichts stetig sich ändernder Umstände viele Fragen auf, die in der erziehungswissenschaftlichen Forschung bisher kaum beachtet wurden.
Von Ketschup bis Teeei
von Mark Rinasky am 07/05/2008 - 08:32.
Spätestens seit Erfindung des Satzes «Hier werden Sie geholfen.» besteht unter deutschen Schülern Einigkeit: nichts ist uncooler als schlechtes Deutsch. Abgesehen von fettigen Haaren. Deshalb fragen wir: aufgehängt oder aufgehangen? Gewöhnt oder gewohnt? Was ist der Unterschied zwischen komplett und Komplet? Schreibt man Anekdote mit einem oder mit zwei n? Wer buchstabiert: Tohuwabohu?
Plan B: Gute Bildung muss nicht teuer sein
von Mark Rinasky am 28/04/2008 - 15:49.
Wie finde ich die richtige Schule für mein Kind? Was muß ich zahlen? Wie kann Bildung finanziert werden? Und: Muss es eine Privatschule sein? Solche Fragen, vor einigen Jahren noch kein Thema für Journalisten, folgen keinem Modetrend, sondern der Logik der Stunde. In einem von Defiziten geplagten Bildungssystem suchen immer mehr Eltern nach Orientierung.
Schwedischer Baum der Erkenntnis?
von Markus Rüther am 23/04/2008 - 08:32.
Die Ergebnisse der Pisa- und Iglu-Studien haben eine lebhafte Diskussion über den Zustand des deutschen Bildungswesens ausgelöst. Dabei richten sich die Blicke natürlich auch auf neue Bildungskonzepte. Seit nunmehr fünf Jahren reisen zwei ehemalige Lehrer aus Bremen – Marianne und Lasse Berger – durch Deutschland, um für ein schwedisches, von einer kleinen Gemeinde entwickeltes Schulkonzept zu werben, das kennzeichnend für das schwedische Bildungswesen ist, in dem die frühkindliche Förderung im Zentrum steht: «Der Baum der Erkenntnis» – ein gemeinsamer Bildungsplan für Vorschule und Schule.
