Eine präventive Maßnahme zum Schutz vor Essstörungen
Gerade bei jungen Mädchen treten immer häufiger Essstörungen auf, die bis zu nur schwer therapierbaren Krankheiten und im Extremfall sogar zum Tod führen können. Eine im Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine publizierte Langzeitstudie konnte jetzt einige interessante Ergebnisse präsentieren.
von Bert Pfahl
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Krankhafte Essstörungen
Eine übertriebene Sorge um das eigene Gewicht treibt vor allem junge Mädchen immer wieder in „Hungerkuren“ und in einen Hass auf ihren eigenen Körper. Sie wollen ihren idealisierten Models nacheifern und finden sich im Vergleich dazu meist viel zu dick, dem Schönheitsideal nicht entsprechend. Folgen sind Verweigerung der Nahrungsaufnahme, Erbrechen nach dem Essen, Einnahme von Appetitzüglern oder Abführmitteln, rapide Gewichtsabnahme, krankhafte Fixierung auf den eigenen Körper etc. Schreitet diese Entwicklung fort, muss unbedingt ärztlicher Rat eingeholt werden, um evtl. eine Therapie einzuleiten.
Forschungsergebnisse bestätigen den „gesunden Menschenverstand“
Eine Forschergruppe um Dianne Neumark-Sztainer von der Universität von Minnesota hat in einer 5 Jahre dauernden Langzeitstudie herausgefunden, dass weibliche Teenager, die sich zu fünf oder mehr Mahlzeiten pro Woche gemeinsam mit der Familie getroffen hatten, signifikant seltener zu extremen Maßnahmen zur Gewichtskontrolle griffen.
Eine Studie im Rahmen des Forschungsprojekts EAT (Eating Among Teens), bei der 2.516 Jugendliche im Jahr 1999 Angaben über ihren Body Mass Index (BMI) machten, über ihre Essgewohnheiten, den Familienzusammenhalt und wie oft gemeinsame Mahlzeiten in der Familie eingenommen werden, hatte ergeben, dass extreme Gewichtskontrollen bei Mädchen von 14,5 % zu Beginn der Pubertät auf 24 % in der mittleren und späten Teenagerzeit anstiegen.
Im Jahre 2004 wurden Essgewohnheiten und BMI erneut untersucht. Es zeigte sich, dass bei jungen Mädchen die Familie das Essverhalten zu stabilisieren half. Bei Jungen hingegen wurde kein signifikanter Einfluss von gemeinsamen Mahlzeiten auf die Entstehung von gestörtem Essverhalten festgestellt.
Über die Gründe für diesen Geschlechtsunterschied wird derzeit noch spekuliert: z.B. dass für Mädchen der familiäre Zusammenhalt wichtiger als für Jungen ist; oder dass Mädchen häufiger in die Vorbereitung von Mahlzeiten in der Familie eingebunden werden. Klarheit besteht aber über diesen offensichtlichen Geschlechterunterschied bisher nicht.
Auch beim Essen: Präventive Rolle der Familie
Für die Forschergruppe ergibt sich aus den Ergebnissen eindeutig die positive Rolle der Familie. Sie empfiehlt daher mit einer gewissen Flexibilität, aber möglichst regelmäßig Mahlzeiten gemeinsam in der Familie einzunehmen.
Für Eltern lohnt sich also, wenn sie ihre Kinder vor Schaden bewahren wollen, der oft mühsame Kampf um das gemeinsame Essen. Wird dies im Kindesalter nicht eingeübt, entstehen die Fast-food-Gewohnheiten mit unregelmäßigen und unausgewogenen Mahlzeiten, mit einseitiger Ernährung durch Süßigkeiten etc. Der Familientisch ist also kein nostalgisches Relikt, sondern eine präventive Maßnahme für ein gesundes Wachstum.
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