Serie Tugenden: Tapferkeit (2)

Serie Tugenden: Tapferkeit (2)

Die hl. Theresia von Ávila schreibt in ihrer Lebensbeschreibung: „Ich behaupte, ein unvollkommener Mensch habe dazu, den Weg der Vollkommenheit zu gehen, mehr Tapferkeit nötig als dazu, plötzlich Märtyrer zu werden“ (Vida, 31,18). Für gewöhnlich werden wir unserem täglichen Kreuz in kleinen Widerwärtigkeiten begegnen, wie
sie bei der Arbeit oder im Zusammenleben auftreten.

In unvorhergesehenen Ereignissen, im schwierigen Charakter eines Mitarbeiters, in der Hektik einer kurzfristigen Änderung unserer Pläne, in Unannehmlichkeiten wie Hitze, Kälte oder Lärm, im mangelnden Verständnis für unsere Absichten, in einer Unpäßlichkeit. „Wir können solche alltäglichen Beschwerlichkeiten großherzig und mutig ertragen, gleichsam als Gegengabe für den Herrn – und ohne Klagen; denn wer klagt, gibt zu erkennen, daß er eigentlich das Kreuz zurückweist.

Durch die bereitwillige Annahme der Widerwärtigkeiten werden Bußfertigkeiten, Geduld, Nächstenliebe, Verständnis und andere Tugenden gefördert, wir kommen Gott näher. Nehmen wir sie aber nur widerwillig an, dann werden sie zum Anlaß für Empörung, Ungeduld und Mutlosigkeit. Für viele Menschen endet der Tag dann freudlos“ (Francisco F. Carjaval, Meditationen I, S. 15 f.).

Dies ist leicht gesagt, denn sowohl innere wie äußere Schwierigkeiten stellen sich dem Tun des Guten entgegen. Die inneren sind unsere eigenen Unvollkommenheiten. Der Mensch, der sich auf dem Weg zur Tugend befindet, erfährt in sich die Tatsache, daß die Neigungen seines Willens und seiner Sinne vielmals gegen die Vernunft rebellieren. „Äußere Schwierigkeiten sind oft andere Menschen oder Strukturen der Ungerechtigkeit in der Gesellschaft.

Um die sokratische Maxime ,Lieber Unrecht erleiden als Unrecht tun’ in die Tat umzusetzen, bedarf es des Starkmutes. Ohne Starkmut gibt es keine Gerechtigkeit“ (Rhonheimer, Die Perspektive der Moral, S. 214). Der hl. Paulus schreibt den Korinthern: „die wir auf alle Weise bedrängt, aber nicht erdrückt werden, hilflos sind, doch nicht verzweifeln, verfolgt sind, doch nicht verlassen, niedergeworfen, doch nicht verloren.“

In einer Rede im Jahr 1978 sagte Papst Johannes Paul II., daß der Mensch von Natur aus die Gefahr, die Unannehmlichkeiten und das Leiden fürchte. Deshalb sei es nötig, nicht nur auf den Schlachtfeldern starke Menschen zu suchen, sondern auch in den Gängen der Spitäler und neben den Krankenbetten: „Ich möchte all jenen unbekannten Tapferen Ehrerbietung darbringen. Und allen, die den Mut haben, ,nein’ oder ,ja’ zu sagen, wenn etwas schwer fällt.“

Die Textauszüge entstammen dem Buch Die Tugenden - Werte zum Leben von Pia Bühler. Es ist im Sankt Ulrich Verlag erschienen, mit dessen freundlicher Genehmigung wir sie übernommen haben. Das Copyright verbleibt beim Verlag. Über diesen >Link gelangen Sie zum Online-Shop des Verlags.