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 erziehungstrends.de

Fastenzeit in der Familie

von Simone Ruessel
12/02/2010 - 02:30

Fastenzeit in der Familie

Bald ist es wieder soweit: nach den lustigen Faschingstagen beginnt die vorösterliche Fastenzeit. Diese 40 Tage von Aschermittwoch bis Ostersonntag (wobei die Sonntage nicht mitgezählt werden) – was bedeuten sie uns noch? Nutzen wir diese Zeit für die Vorbereitung auf das Osterfest ? Wie kann man sie heute gestalten, allein oder auch in der Familie?

von Simone Ruessel
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Fällt uns nicht mehr ein als in der Fastenzeit auf Süßigkeiten zu verzichten? Was ist der eigentliche Sinn von fasten? Dient es nur dazu, den Körper zu entschlacken und zu Ostern noch rechtzeitig vor der neuen Sommerkollektion endlich die zusätzlichen Pfunde von Weihnachten wieder loszusein? Kann einem modernen Menschen noch so etwas wie „Abtötung“, Buße, Umkehr und Verzicht zugemutet werden?

Konzentration auf das Wesentliche

In einer Zeit und in einer Gesellschaft, in der täglich viele verschiedene Eindrücke, Informationen, Angebote und Lebenseinstellungen auf uns einströmen, muss jeder zwangsläufig auf bestimmte Dinge verzichten, um sich nicht ständig aufzureiben und zu zerreissen, damit er ja nichts verpasst. Jeder muss lernen, sich auf das Wesentliche zu beschränken, um wenigstens diese ausgewählten Aufgaben, Angebote und Informationen zu erfüllen bzw. zu nutzen. Nichts Anderes wird von den Gläubigen in der Fastenzeit erwartet. Die Frage lautet nicht so sehr „Muss man heute noch fasten?“ sondern eher: „Was ist uns wirklich wichtig? Was ist das Wesentliche? Wofür lohnt es sich Verzicht zu üben? Was hindert mich daran, das Wesentliche zu erkennen?“ Wenn wir fasten – egal auf welchem Gebiet – dann versuchen wir äußere Einflüsse, oder körperliche Bedürfnisse soweit einzuschränken, dass wir Zeit und Muße für das Innere unseres Menschseins – für unsere Seele – haben.

Wiedergewinnung der inneren Freiheit

Ein weiterer Aspekt des Fastens besteht für Gläubige darin, dass es sie an das 40-tägige Fasten Jesu vor seinem öffentlichen Auftreten und an seine Passion erinnern soll. Die Einübung des Verzichtes ohne diese Verknüpfung wäre sinnlos und oberflächlich. Das freiwillige Verzichten auf etwas, das wir gerne mögen oder tun (und das kann schon bei Kleinigkeiten anfangen) kann sehr schwer fallen; es führt jedoch langfristig zu einer inneren Freiheit von den Dingen, die uns sonst so sehr in Beschlag nehmen und uns abhängig machen. Es führt uns dazu, freie Menschen zu sein und nicht Sklaven unserer „Bedürfnisse“. Ein Mensch, der sich „im Griff hat“, kann seinen Willen und seine Kraft auf Dinge lenken, die wichtig sind und vielleicht auch Opferbereitschaft erfordern (z. B. Sorge um Ehe und Familie, gesellschaftliche Aufgaben...) Der freiwillige Verzicht öffnet uns für unseren Nächsten. Wir können von uns weg auf andere schauen und ihre Sorgen und Nöte erkennen.

Konkrete Anregungen einer Mutter

Dieses Verzichten auf etwas oder sich besonders bemühen in bestimmten Bereichen kann von daher auch als christliche Abtötung gesehen werden. Wir versuchen das abzulegen, was uns hindert, Christus immer ähnlicher zu werden. Was kann das heute bedeuten? Hier soll nur eine kleine Aufzählung von „Abtötungen“ genannt werden, um deutlich zu machen, dass es nicht großer und schmerzhafter Taten bedarf, um diesen Weg der Nachfolge Christi zu gehen.

1. Lächeln und freundlich bleiben, wenn wir gestört werden.

Wie schwer fällt es uns oft, ruhig und geduldig zu bleiben, wenn uns das Telefon, Kollegen oder auch die eigenen Kinder von unserer momentanen Arbeit abhalten. Gelingt es uns aber, trotzdem freundlich zu bleiben und geduldig zuzuhören, haben wir ein wenig mehr gelernt, uns für andere zu öffnen und ihnen zu helfen.

2. Sich einen vielleicht passenden aber verletzenden Kommentar „verkneifen“.

Es passiert schnell, wenn man mit Freunden und Bekannten gemütlich zusammensitzt, dass „Witze“ und Bemerkungen auf Kosten eines Anwesenden gemacht werden. Wie oft übersieht man dabei, dass es denjenigen sehr verletzen kann, ohne dass er es im Moment zugeben oder zeigen möchte. Der Verzicht auf solche Kommentare bedeutet, sich selbst zurückzunehmen, nicht immer zeigen zu müssen, dass man sprachlich gewand den Nagel auf den Kopf treffen kann. Wir üben dadurch, nicht immer im Mittelpunkt stehen zu wollen oder durch besondere Taten aufzufallen. Stattdessen nehmen wir die Empfindungen unserer Mitmenschen wahr und ernst.

3. Unauffällig die Arbeit eines Familienmitgliedes oder Kollegen übernehmen, ohne auf seinen Dank zu warten.

Es kostet viel Überwindung, Arbeiten zu verrichten, die keiner bemerkt und für die sich keiner bedankt (nicht nur Hausfrauen und Mütter können davon ein Lied singen). Diese “Ignoranz“ oder Nachlässigkeit der anderen zu ertragen, kann uns helfen, bewusster vor Augen zu haben, dass Gott alle unsere Arbeiten sieht und anerkennt. Sich nicht vom Dank der anderen abhängig zu machen, führt zu großem inneren Frieden, weil wir nicht etwas erwarten, was uns sowieso oft versagt bleibt. Wir unsererseits sollten durch unsere Dankbarkeit anderen gegenüber zeigen, dass wir auch ihre kleinsten Bemühungen anerkennen.

4. Auf eigene Wünsche (z.B. Lieblingssendung im Fernsehen) verzichten, um Zeit für andere zu haben.

Auf eigene Wünsche und Bedürfnisse zu verzichten, ist sehr schwer, aber wenn wir einmal auf das heiß geliebte Fußballspiel oder den Krimi verzichten, den die anderen Familienmitglieder nicht so mögen, und stattdessen gemeinsam etwas unternehmen, wird es die Familie stärken, da die gemeinsam verbrachte Zeit heutzutage besonders wertvoll ist.

Wichtig bei all diesen Dingen ist, dass sie möglichst unauffällig und vor allen Dingen freiwillig geschehen. Es geht nicht darum, laut zu verkünden, dass ich heute extra auf die Milch im Kaffee verzichte, weil Fastenzeit ist. Es würde die innere Wirkung dieses „Opfers“ zerstören. Auch von außen auferlegte „Abtötungen“ wären sinnlos. Erst die Zustimmung aus freien Stücken macht es möglich, dass ich ein Opfer aus Liebe bringe und nicht aus Zwang oder Angst vor Strafe. Die Liebe ist die entscheidende Koordinate bei all unserem Fasten. Gläubige Christen tun dies aus Liebe zu Jesus Christus und nicht wegen Äußerlichkeiten, eines Schönheitsideals oder letztendlich aus Eigenliebe.

Es lohnt sich diese Zusammenhänge auch schon Kindern beizubringen – selbstverständlich dem Alter angepasst. Manchmal gibt es in den Pfarreien vor Ostern Kinderkreuzwege, wo sie bereits eine Ahnung davon erhalten, wie Jesus Christus sich für uns selbst zum Opfer gebracht hat, dass er für uns gelitten hat und gestorben ist. Man kann ihnen erklären, dass ihr Fastenvorsatz, den man zusammen mit ihnen besprechen und festlegen kann, sie an das Opfer Jesu Christi erinnern soll. Manchmal kann es den Kindern eine Hilfe sein, ihre erfolgreich gebrachten Opfer sichtbar zu machen, indem sie z. B. jedesmal ein kleines Bild ausmalen dürfen, wenn sie sich an ihren Vorsatz gehalten haben. Egal ob für Große oder Kleine ist es besonders schön, jedes noch so kleine Opfer für eine bestimmte Person oder Sache zu bringen (z. B. für die kranke Patentante oder einen Freund, der in der Schule Probleme hat,...). Für Kinder gibt es viele Bereiche, in denen sie sich einen Fastenvorsatz fassen können, z. B. Einschränkung der Computerspielzeit, pünktlich mit den Hausaufgaben anfangen und nicht trödeln, im Haushalt mithelfen, Zimmer aufräumen, einmal auf Limonade oder Saft verzichten, Kraftausdrücke vermeiden...)

Wenn wir so bewusst die Fastenzeit gestalten, werden wir nachhaltig davon geprägt sein. Wenn mit Ostern die Fastenzeit beendet ist und wir einige Dinge, auf die wir verzichtet haben, wieder in Anspruch nehmen, werden wir sie um so höher schätzen. Und wenn wir in dieser Zeit ein wenig versucht haben, negative Seiten an uns zu verringern - dieser Kampf geht allerdings meistens auch nach der Fastenzeit weiter – dann werden wir merken, dass wir mit mehr Freude das Osterfest begehen können.


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