Kostenfalle Handy - Kinder und Jugendliche vor allem betroffen

Kostenfalle Handy - Kinder und Jugendliche vor allem betroffen

Fast alle 10-19Jährigen haben ein eigenes Handy. Mobil telefonieren kann teuer werden, insbesondere wenn die Jugendlichen auf die vielfältigen Zusatzangebote hereinfallen. Wir wollen Ihnen einige Kostenfallen - neben den Klingeltönen - vorstellen.

1. SMS-Werbung

Das Schicken von SMS rangiert bei Jugendlichen noch vor dem Telefonieren. In unserem Beitrag "Bist du Funky, Sexy oder Cool?" hatten wir schon gezeigt, wie diese Gewohnheit, verbunden mit attraktiven Angeboten, zu einem Eurograb werden kann.

Jetzt geht es um eine andere Methode. Auf dem Display des Handys erscheint die Nachricht: "Jemand, der Dich sehr gerne hat, möchte Dir etwas sagen. Bitte ruf an." Wenn man unvorsichtig auf eine solche SMS mit einem Rückruf reagiert, kann es sein, dass die nächste Telefonrechnung üble Überraschungen birgt. Man ist auf Betrüger hereingefallen, die eine kostenpflichtige Nummer haben. Am dreistesten ist es, wenn auf der Betrügerseite beim Anruf ein Tonband in Gang gesetzt wird, das das Freizeichen wiederholt und so den gar nicht vorhandenen Anruf verlängert. Andere machen eine lange Ansage z.B. "Du wirst sofort weiter verbunden - einen Augenblick Geduld" - danach folgt schöne Musik.

Eine andere Methode, die im Prinzip genauso funktioniert, sendet SMS mit besonderen Angeboten über Klingeltöne. Wenn man zurückruft, wird man auf eine kostenpflichtige Nummer gelenkt und mit allen möglichen Ansagen abkassiert.

Wie kommen diese dubiosen Anbieter an die Nummer? Zumeist, wenn man sie in sog. Free-SMS-Diensten im Internet angibt. Besonders verlockend sind ja "kostenlose" Bilder und Klingeltöne, die solche "Free-Dienste" verschicken. Eine Methode ist, dass Handynummern per Softwaregenerator erzeugt werden. Viele gehen in die Irre, einige haben Erfolg - und das reicht schon.

Eine solche Art der Werbung ist unzulässig. Es ist aber kaum möglich, die Betrüger zu ermitteln.

2. Premium-SMS-Dienste

Mit der Premium-SMS werden spezielle Dienste über die Handyrechnung abgerechnet. Das können Informationen, Klingeltöne oder Logos, aber auch Flirtlines oder Chaträume sein.

a) Kosten: Achtung 5-stellige Nummer!

Eine Premium-SMS ist deutlich teurer als eine gewöhnliche Textnachricht. Das beginnt bei etwa 50 Cent, kann aber auch fünf Euro oder mehr kosten. Die Zielnummern sind fünfstellig (11111 bis 99999) und auch daran leicht zu erkennen, dass sie keine Vorwahl haben. Vorsicht ist also angesagt, wenn im Fernsehen oder in Annoncen Informationen oder Services versprochen werden, für die angeblich eine SMS genügt. Gerade bei TV-Werbespots sind die Tarifinformationen in der Regel nur wenige Sekunden lang und kaum lesbar.

b) Flirt-SMS und Kontakt-SMS

"Hallo ich finde dich toll. Wenn du wissen willst, wer ich bin, schick eine SMS an: 88888". "Hallo du, wir haben uns lange nicht gesehen. Schreib mir doch mal wieder. Hier meine Nummer: 99999". Bei solchen SMS-Nachrichten ist Vorsicht geboten. Mit diesen üblen Tricks wird dem Handybesitzer nämlich über eine Sonder- oder Auslandsnummer oder durch die Umleitung auf teure Dienste das Geld aus der Tasche gezogen. Deshalb keine unbekannten Nummern zurückrufen, vor allem nicht, wenn die Antwort an eine fünfstellige Nummer gehen soll!

c) Chats

Bei Chat-Angeboten wird den Handynutzern oftmals vorgegaukelt, der Chatpartner sei tatsächlich an persönlichen Kontakten interessiert. In Wirklichkeit handelt es sich jedoch um speziell geschulte "Profi-Chatter" oder um standardisierte Computer-Antworten, die nur die Aufgabe haben, den Kunden möglichst lange in ein Chat-Gespräch zu verwickeln. Und das kann teuer werden.

d) Handylogos, Klingeltöne und Handyspiele

Logos, Klingeltöne und Spiele fürs Handy sind beliebt, da jeder sich nach seinem eigenen Geschmack das Handy ausstatten kann. In vielen Zeitschriften und im Fernsehen werden die neuesten Angebote beworben und dazu angeregt, durch das Versenden einer SMS an eine Kurzwahlnummer die neuesten "Hits und Trends" zu bestellen.

Oft werden in der Werbung jedoch nur der Preis pro Minute oder pro SMS angegeben. Sobald das Herunterladen eines Klingeltons länger als eine Minute dauert, erhöhen sich die Kosten für den Klingelton. Außerdem wird in der Werbung selten deutlich darauf hingewiesen, dass man gleich mehrere Logos oder Klingeltöne abonniert oder eine monatliche Grundgebühr bezahlen muss. Und auch für Spiele gibt es Abos mit Pflichtabnahme.

3. Handypayment oder Webbilling

Die Verbraucherzentrale Bayern warnt vor einer neuen Bezahlweise im Internet: Handypayment, auch Webbilling genannt. Dieses Bezahlangebot setzt auf die Kombination von Handy und Internet. Dazu gibt der Kunde auf einer kostenpflichtigen Webseite seine Mobilfunknummer an und erhält per SMS einen Bezahlcode. Gibt er diesen anschließend auf der Webseite ein, dann erhält er seine Zugangsdaten für den kostenpflichtigen Bereich. Die Beträge werden später mit seiner Mobilfunkrechnung abgebucht.


Ähnlich wie bei den Premium SMS besteht auch hier eine große Gefahr darin, dass viele Betreiber von kostenpflichtigen Webseiten den Zugang im Abonnement anbieten. Die Folge: Unabhängig von der tatsächlichen Nutzung können dem Kunden täglich diese Gebühren berechnet werden. Schnell kommen so mehrere Hundert Euro im Monat zusammen. Der Hinweis auf das Abonnement steht meist im Kleingedruckten und wird leicht überlesen.

Wer wie die meisten Jugendlichen ein Prepaid Mobiltelefon besitzt, hat zudem mangels Rechnung noch nicht einmal den Überblick, welcher Anbieter wann wie viel abgerechnet hat.

4. Phishing per SMS

Bürger-CERT berichtete kürzlich über "SMiShing" (Phishing via SMS). Demnach erhalten immer mehr Handynutzer SMS-Nachrichten in der Art: "Wir bestätigen, dass Sie sich für unseren Dienst angemeldet haben. Sie bezahlen 2 US-Dollar pro Tag, bis Sie sich unter www.xyz.com abmelden." Besucht der Nutzer die angegebene URL, wird er aufgefordert, einen Download zu starten und bekommt so einen Trojaner-Bot untergejubelt. Bislang erfolgten die Angriffe im englischsprachigen Raum. Es dürfte allerdings nur eine Frage der Zeit sein, bis es auch deutsche Versionen dieser bösartigen Nachrichten gibt. Die Empfehlung von Bürger-CERT: „ Reagieren Sie nicht auf derartige Nachrichten und bringen Sie Ihre Virenschutzsoftware regelmäßig auf den aktuellen Stand.“
Der Warn- und Informationsservice Bürger-CERT ist als gemeinsames Projekt des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und Mcert Deutsche Gesellschaft für IT-Sicherheit im März diesen Jahres gestartet. Er richtet sich an Privatanwender sowie Freiberufler und kleine Unternehmen.

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Quelle: klicksafe.de
Foto: pixelquelle.de