Rezension: Oh je, du Fröhliche

Rezension: Oh je, du Fröhliche

Im Jahre 1990 gelang dem amerikanischen Regisseur Chris Columbus mit Kevin - Allein zu Haus ein internationaler Erfolg. Die Geschichte vom allein gelassenen 8-jährigen Jungen, der sich gegen Erwachsene durchsetzen muss, begründete einen neuen anarchischen Humor, bei dem nicht nur Kinder über tollpatschige Erwachsene herzlich lachen. Die temporeiche, mit viel Gags durchsetzte Handlung lässt sogar leicht vergessen, wie einfach gestrickt das Drehbuch ist.

Filmische Qualität: 3 von 5 Punkten
Regie: Paul Feig
Darsteller: Lewis Black, Wilmer Valderrama, Tyler James Williams, Dyllan Christopher, Gina Mantegna, Quinn Shephard, Rob Corddry, Donny Osmond, Teri Garr
Land, Jahr: USA 2006
Laufzeit: 90 Minuten
Genre: Komödie
Publikum: alle
Einschränkungen: --


Rezension: JOSÉ GARCÍA - www.textezumfilm.de
Foto: © Warner Bros.Ein „Jahrhunderts-Schneesturm“ legt am Weihnachtsabend den gesamten Flugverkehr der Vereinigten Staaten lahm. Unter den Betroffenen befinden sich insbesondere auch all diejenigen Kinder, die – meistens weil sie aus Scheidungsfamilien kommen, und zu dem „Besuchs“-Elternteil unterwegs sind – ohne Begleitung eines Erwachsenen reisen. Der schlechtgelaunte verantwortliche Manager für Passagiere Oliver (Lewis Black), der sich eigentlich nach etlichen Jahren endlich über Weihnachten Urlaub nehmen wollte, lässt die Kinder unter Aufsicht des sichtlich überforderten Flughafen-Angestellten Zach Van Bourke (Wilmer Valderrama) in eine große Halle bringen.

Einige von ihnen halten es in dem kahlen Raum mit randalierenden Kindern allerdings nicht lange aus, und ergreifen in einem unbeobachteten Augenblick die Flucht aus der bunkerähnlichen Halle. Wie in solchen Spielfilmen üblich, sieht das von Jacob Meszaros und Mya Stark nach einer Kurzgeschichte von Susan Burton verfasste Drehbuch für die zusammengewürfelte Gruppe fünf total verschiedene Charaktere vor: der unbeholfene, um seine kleine zurückgelassene Schwester besorgte Spencer (Dyllan Christopher), die aus reichem Haus stammende, verwöhnte Grace (Gina Mantegna), der übergewichtige, kindische Timothy „Beef“ Wellington (Brett Kelly), die wilde Donna (Quinn Shephard) und der neunmalkluge Jazzfan Charlie (Tyler James William) finden sich eher zufällig zusammen.

Spencer will unbedingt zu seiner Schwester Katherine zurück, die in der Zwischenzeit zusammen mit den anderen Kindern ins benachbarte Hotel gebracht wurde, damit sie ihre Bescherung pünktlich bekommt. Dafür ist er jedoch auf die Hilfe der anderen angewiesen, denn sie werden von dem tollpatschigen Sicherheitspersonal durch das Flughafengebäude gejagt.

Wie seinerzeit „Kevin - Allein zu Haus“ lebt „Oh je, Du fröhliche“ von einer Art Hauruck-Humor, bei dem gewiefte Kinder schusselige Erwachsene aufs Kreuz legen. Ob die Jugendlichen den Sicherheitsbeamten in einem Golfwagen entkommen, durch Flughafenhallen auf endlos langen Gepäckbändern rutschen oder im Lager vergessene Gepäckstücke durchwühlen, es handelt sich dabei stets um einen Slapstick, der vor allem den Kindern Spaß macht. Denn für ein paar Stunden verwandeln die Jugendlichen den Flughafen in einen riesigen Abenteuerspielplatz.

Obwohl der Film eigentlich reine Unterhaltung bietet, worauf bereits der knallbunte Vorspann einstimmt, mischen sich hier und da ernste Töne ein, etwa wenn ein Vater bereit ist, wegen seiner Kinder nicht nur im Schneesturm Hunderte von Kilometern zu fahren, sondern auch auf feste Umweltprinzipien zu verzichten.

Zwar kommt das Finale kitschig und etwas überraschend daher. Das friedliebende Ende spielt jedoch deutlich auf Charles Dickens’ „Eine Weihnachtsgeschichte“ an, bei der sich der alte grantige Geizhals Scrooge zu einem gutmütigen Herrn wandelt. So entlässt „Oh je, du Fröhliche!“ nach 90 Minuten wilder Verfolgungsjagden den Zuschauer versöhnlich in die Weihnachtszeit.