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5 Jahre Pisa: Wann endlich kommen Zeugnisse auch für Lehrer?

von Hinrich E. Bues
05/12/2006 - 16:40

5 Jahre Pisa: Wann endlich kommen Zeugnisse auch für Lehrer?

Vor fünf Jahren schockten die Pisa-Ergebnisse deutsche Schüler, Eltern und die Öffentlichkeit gleichermaßen. Die Lernerfolge deutscher Schüler erwiesen sich als unterdurchschnittlich im internationalen Vergleich. Heute hat sich die Bildungsdiskussion auf Themen wie Migrationshintergrund, die soziale Herkunft der Schülern oder das Schulsystem verengt. Warum diskutiert man nicht auch über die Leistungen der Lehrer? Warum wehren sich die Pädagogen dagegen, auch selbst Zeugnisse zu erhalten? Weil bei einigen dann die „Versetzung gefährdet“ wäre?

Lehrern und ihren Gewerkschaftsvertretern gelingt seit Jahren ein billiges Ablenkungsmanöver. Unverdrossen fordert die Lehrerlobby in Form der GEW (Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft) eine neue Diskussion über die Schulstruktur. Nach finnischem Modell will man am liebsten eine Einheitsschule schaffen; das Gymnasium ist den Gewerkschaftsfunktionären ein Dorn im Auge, obwohl dort die besten Leistungen erzielt werden.

Es sind die „ideologischen Scheuklappen“, die hier am Werke sind. Mit einer gewissen Betonköpfigkeit fordert man weitere Reformen, obwohl gerade jene unser Bildungssystem auf die abschüssige Bahn gebracht haben. PISA beweist u. a., dass die von Lehrervertretern hoch gelobte und bestens ausgestattete Gesamtschule im Vergleich der Schulsysteme die schlechteren Lernergebnisse hervorbringt.

Beliebte Ablenkungsmanöver

Als Ablenkungsmanöver von der pädagogischen Qualität der Lehrer eignet sich auch der ständig vorgebrachte Hinweis auf die Lernergebnisse bei Schülern aus unteren sozialen Schichten und/oder mit Migrationshintergrund. In alter marxistischer Manier werden die Lebensverhältnisse für den mangelnden Schulerfolg verantwortlich gemacht.

Was soll also die Konsequenz sein? Änderung der Lebensverhältnisse mittels Umverteilung und höherer Steuersätze? Sollen jene Eltern die „Zeche“ bezahlen, die ihren Kindern bei den Hausaufgaben helfen und die Defizite der Lehrer Tag für Tag durch „Homeschooling“ ausgleichen müssen?

Auch das Selbstmitleid wird zuweilen als Ablenkungsinstrument eingesetzt. Es gibt Lehrer, die sich als „Prügelknaben der Nation" sehen, verfolgt von besserwisserischen Eltern. Ein Lehrer-Ranking nach Leistung ist für sie undenkbar. Dabei ist eine Leistungsbewertung in vielen Berufen und Berufsfeldern, auch an Hochschulen, heute gang und gäbe.

Zu viele Lehrer desinteressiert an der bildungspolitischen Debatte

Laut Ergebnissen aus der Pisa-Studie von 2003 sollenn bis zu 80 % der Lehrer die bildungspolitische Debatte nicht verfolgen. Diese Lehrer geben dann dem kaum Bedeutung, was den meisten Schülern und Eltern immer wichtiger wird: Eine gute Schulbildung als Eintrittsticket in die globalisierte Welt.
Lehrer sind im Zusammenspiel mit der Begabung der Schüler – und nicht die Schulstruktur oder die wirtschaftlichen Verhältnisse der Eltern! – entscheidend für die Lernerfolge der Schüler. Jeder kann sich selbst gut daran erinnern, welcher Lehrer Begeisterung für ein Fach wie Physik, Kunst, Latein oder Deutsch zu vermitteln vermochte. Und wem das überhaupt nicht gelang. Das bleibt über Jahrzehnte haften.

Auch welcher Lehrer Probleme mit der Disziplin hatte, das merkte ein Schüler auch schon vor 30 oder 40 Jahren sofort. Andererseits gab es auch Lehrer, die eine hohe natürliche Autorität hatten und einfach gerne Lehrer waren. Auch das bleibt unvergessen.
Wenn sich bei den Lehrern nicht mehr bewegt, wird das Vertrauen in das deutsche Schulsystem weiter schwinden. Immer mehr Eltern schicken ihre Kinder in Privatschulen und Internate, weil dort mehr Pädagogen vielleicht nicht unbedingt begabter aber zumindest engagierter am Werke sind. In Hamburg spricht die CDU bereits von einem „Boom der Privatschulen“. Überall gibt es lange Wartelisten.

Neueste wissenschaftliche Untersuchungen unterstreichen noch einmal, dass die deutsche Schulmisere nur durch eine bessere Lehrerausbildung behoben werden kann. Zu wenig ist noch auf die Lehrerausbildung und Lehrerweiterbildung geachtet worden.

Der Direktor des Max-Planck-Institutes für Bildungsforschung Prof. Dr. Jürgen Baumert, bemängelt neben dem stagnierenden Bildungsetat vor allen Dingen die pädagogische Qualität der Unterrichtenden:Vielen Lehrern fehlt es am Handwerkszeug und an der Erfahrung, um einen anspruchsvollen und lernförderlichen Unterricht zu gestalten. (Welt, 4.12.06)Hier liegt eine große Gefahr, wenn begabte Schüler in der prägenden Zeit ihrer Kindheit und Jugend nicht dem Lehrer begegnen, der in seinen guten fachlichen Kenntnissen und seinen pädagogischen Fähigkeiten als Vorbild erscheint. Ohne solche Lehrerpersönlichkeiten wird der Lehrerberuf nicht attraktiv für junge Menschen, so dass sich nicht die besten -wie es sein sollte- für die Lehrerlaufbahn begeistern lassen.

Braucht das Land neue Lehrer?

Nicht eine utopische Forderung, wie der Ruf nach neuen Menschen, Männern oder Frauen, kann die Konsequenz sein. Aber viele Lehrer müssten neu motiviert werden, selbst bildungsbereiter und bildungsbegeisterter zu sein. Wer sich dem verschließt, darf nicht dreißig oder vierzig Jahre lang die Schüler „quälen“. Er muss „sitzen bleiben“ oder auch die Schullaufbahn verlassen müssen, um seine Fähigkeiten woanders einzusetzen.

Ein erster Schritt könnte darin bestehen, sich nicht von Ablenkungsmanövern der Lehrerfunktionäre blenden zu lassen, sondern beharrlich ein Zeugnis für Lehrer zu verlangen. Kein guter Lehrer und Pädagoge, wovon es Gott-sei-Dank noch viele gibt, wird Angst vor einem solchen Ranking haben. Lehrerfunktionäre würden unruhigen Zeiten entgegen gehen: Unerfreulich für einige Lehrer, aber gut für die Lernerfolge vieler Schüler.


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