Rezension: Little Miss Sunshine
Seit einigen Jahren ist im Kino eine stärkere Hinwendung zu traditionellen Werten zu beobachten. So stellte vergangenes Jahr die Nachrichtenagentur „idea“ fest: „Filme mit hohen moralischen Werten haben in den letzten drei Jahren mehr Geld eingespielt als Filme, bei denen es viel Gewalt und Sex zu sehen gab“. Dazu gehört auch die Familie, die zurzeit im Kino unübersehbar vermehrt positiv besetzt wird.
Filmische Qualität: 4 von 5 Punkten
Regie: Jonathan Dayton, Valerie Faris
Darsteller: Greg Kinnear, Toni Collette, Steve Carell, Paul Dano, Abigail Breslin, Alan Arkin, Jill Talley, Justin Shilton, Paula Newsome, Wallace Langham
Land, Jahr: USA 2006
Laufzeit: 99 Minuten
Genre: Komödie
Publikum: Erwachsene
Einschränkungen: Szenen mit offenkundig
erotisierender Absicht, Obszöne Dialoge
Regie: Jonathan Dayton, Valerie Faris
Darsteller: Greg Kinnear, Toni Collette, Steve Carell, Paul Dano, Abigail Breslin, Alan Arkin, Jill Talley, Justin Shilton, Paula Newsome, Wallace Langham
Land, Jahr: USA 2006
Laufzeit: 99 Minuten
Genre: Komödie
Publikum: Erwachsene
Einschränkungen: Szenen mit offenkundig
erotisierender Absicht, Obszöne Dialoge
Rezension: JOSÉ GARCÍA - www.textezumfilm.de
Foto: © Fox
Der Filmtitel spielt auf eine „Miss“-Wahl besonderer Art an: auf einen Schönheitswettbewerb für kleine Mädchen. Daran teilzunehmen, ist der große Traum der pummeligen 7-jährigen Olive (Abigail Breslin). Obwohl sie mit ihrer altmodischen Hornbrille, ihrem Übergewicht und ihren unmöglichen Klamotten gar nicht nach einer solchen „Miss“ im Kleinformat aussieht, bekommt Olive tatsächlich eine Einladung zur Wahl der „Little Miss Sunshine“ im sonnigen Kalifornien.
Begleitet auf dem Weg dorthin vom heimischen New Mexiko aus wird der kleine Sonnenschein von der gesamten Familie, für die das schönrednerische Etikett „dysfunktionale Familie“ wie geschaffen zu sein scheint: Olives Vater Richard Hoover (Greg Kinnear) arbeitet als Motivationstrainer, findet aber selbst keinen Erfolg in der Vermarktung seines Buches „In neun Schritten zum Erfolg“, geschweige denn in dessen Anwendung auf die eigene Familie. Olives Bruder Dwayne (Paul Dano) hat Nietzsche entdeckt, und sich ein Schweigegelübde auferlegt, an dem er seit neun Monaten eisern festhält, weil er sich für seinen Traumberuf Kampfpilot Disziplin antrainieren will. Kein Wunder, dass die Mutter Shreyl (Toni Collette) alle ihre Kräfte dafür einsetzen muss, die Familie zusammenzuhalten, und dass sie mit den Nerven so ziemlich am Ende ist.
Drehbuchautor Michael Arndt und das Regisseur-Ehepaar Jonathan Dayton und Valerie Faris reichern diese „normal wahnsinnige“ Familie außerdem mit zwei Figuren an, die schräger kaum sein könnten: Richards Vater (Alan Arkin) muss wegen Drogenmissbrauchs das Altersheim verlassen, und findet Aufnahme bei den Hoovers, ebenso wie Shreyls homosexueller Bruder Frank (Steve Carell) nach dessen Selbstmordversuch. Obwohl die Funktion dieser Charaktere für die Handlung gerade in ihrer Überzeichnung besteht, macht insbesondere die Drogen- und Sexfixiertheit des Alt-Hippie-Opas den Film für Jugendliche leider kaum geeignet.
Leider: Denn trotz allen Ehekrachs der Eltern und der Verweigerung des Bruders nach der Devise „Ich hasse alle“ sind die Hoovers eine normale und keine „Patchwork“- oder Sonstwie-Familie. Eine Familie, die besonders durch die Mutter und die wunderbar kindlich-natürliche Tochter verbunden bleibt. Um dieses Familiengefühl auszudrücken, braucht das Regisseur-Duo keine großen Worte, sondern setzt ureigene filmische Mittel ein, so etwa in einer wunderschönen Szene: Nachdem Dwaynes Traum geplatzt ist, möchte er am liebsten allein gelassen werden. Alles Zureden der Erwachsenen hilft nichts. Olive braucht indes nur zu ihm zu gehen und wortlos ihren Kopf auf und ihren Arm um seine Schulter zu legen. In dieser Einstellung, die darüber hinaus mit einer hervorragenden Tiefenperspektive fotografiert ist, verdichtet der gesamte Film seine familienfreundliche Botschaft.
In „Little Miss Sunshine“ bestechen jedoch nicht nur die kleinen Gesten des großartigen Schauspielerensembles, sondern auch die hervorragend pointierten Dialoge, die tiefsinnige Komik und der gelungene Erzählrhythmus. Im übrigen bietet der Film auch eine Satire auf eine vom Erfolgs- und Schönheitswahn besessene Gesellschaft – inmitten der puppenhaften, erschreckend erwachsen aufgetakelten Konkurrentinnen wirkt ausgerechnet die aus der schrägen Familie stammende Olive als einziges Mädchen normal.
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