Modellprojekt Mehrgenerationenhaus
„Die Bundesregierung stellt für das Modellprojekt insgesamt 88 Millionen Euro bereit. Über einen Zeitraum von fünf Jahren erhalten die 439 ausgewählten Häuser jährlich 40.000 Euro. Sie werden zudem durch eine Serviceagentur beraten und in ihren Wirkungen wissenschaftlich begleitet.“ Mit dieser Meldung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vom 20.11.2006 wird der Startschuss für die ersten 59 Projekte von der Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen gegeben. Bis Ende nächsten Jahres wird in jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt ein Mehrgenerationenhaus eingerichtet, insgesamt 439.
Und wie funktioniert ein Mehrgenerationenhaus?
Die Ministerien erklärt: „Mehrgenerationenhäuser schaffen moderne Netze, die die Prinzipien der Großfamilie in moderne Sozialstrukturen übertragen. Die Gemeinschaft der Generationen, wie sie in einem Mehrgenerationenhaus stattfindet, kann und soll ein Vorbild für ganz Deutschland sein. Das Motto 'Starke Leistung für jedes Alter' ist Programm.“ Und die Ministerin weiter: „ Mehrgenerationenhäuser erfüllen mehrere Kriterien: Alle vier Lebensalter müssen einbezogen werden: Kinder und Jugendliche, Erwachsene, junge Alte (über 50 Jahre) und Hochbetagte.“
Veränderte Familienstrukturen
Die Begründung der Ministerin lautet: „Mit veränderten Familienstrukturen, schwinden selbstverständliche Begegnungen der Generationen. Die Weitergabe von Erziehungswissen und Alltagskompetenzen geht verloren, aber auch Erfahrung und Hilfe der älteren Generation für die mittlere und jüngere Generation bleiben oft ungenutzt. Mehrgenerationenhäuser erweitern den familienpolitischen Horizont auf die Generationenbeziehungen, die auch ohne verwandtschaftliche Bindungen immer wichtiger werden."
„Wir wollen das Miteinander der Generationen und die den Kreislauf des Gebens und Nehmens zwischen den Generationen im ganzen Land fördern und lebbar machen," so von der Leyen.
Und wer unterstützt die Großfamilie?
Sicher kann man verschiedener Meinung darüber sein, wie sinnvoll und hilfreich solche Einrichtungen sind. Das wird, wie immer, letztlich von den betreuenden Personen und der Zusammensetzung der Bewohner abhängen. Der Öffentlichkeit wird dieses Modell sicher schon bald, anhand eines gut funktionierenden Modellhauses, als großer Erfolg verkauft.
Die Frage, die zu Recht diejenigen Familien an „ihre Ministerin“ stellen, die mit vier Generationen und oft unter großen persönlichen Opfern und in beengten Verhältnissen unter einem Dach ohne staatliche Hilfe wohnen: Warum erhalten wir nicht eine ähnliche finanzielle Unterstützung? Weil wir als Familie zusammen geblieben sind? Wären wir nicht besser dran, wenn wir alle in ein Mehrgenerationenhaus ziehen würden?
Die Akzente, die von der Bundesregierung mit vielen Millionen Euro gesetzt werden, nutzen einmal mehr nicht der herkömmlichen Familie.
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