Die soeben abgeschlossene Berliner Koalitionsvereinbarung zwischen SPD und PDS über die Zukunft der Bildung sieht vor, ab 2008 eine Einheitsschule als „Pilotprojekt“ zunächst, dann möglichst flächendeckend, in Berlin mit großem finanziellen Aufwand einzuführen. Die ohnehin durch unser immer schlechter gewordenes Schulsystem gebeutelten Eltern sehen sich einem neuen Kulturkampf ausgesetzt.
Trotz schlechter Erfahrungen mit der Gesamtschule – Einheitsschule
Nachdem in den siebziger Jahren die Koop-Schule durch Elternwillen verhindert wurde, dann aber vielerorts Gesamtschulen entstanden sind, deren z.T. unveröffentlichte Leistungsschwächen trotzdem offenkundig geworden sind, hat jetzt der rot-rote Berliner Senat beschlossen, in Berlin die Einheitsschule einzuführen. Ab 2008 sollen vorläufig noch auf freiwilliger Basis Modellschulen eingerichtet werden, in denen Kinder bis zur Klasse 10 gemeinsam lernen. 22 Millionen Euro wollen SPD und Linkspartei/PDS in der kommenden Legislaturperiode dafür locker machen- woher auch immer.
Noch ist nicht im Detail klar, wie eine solche Einheits- oder Gemeinschaftsschule aussehen soll. Jedenfalls sollen künftig –entgegen allen pädagogischen Erfahrungen auch mit den Gesamtschulen– alle Schüler bis zur 10, Klasse gemeinsam unterrichtet werden. Offensichtlich stellen sich die Befürworter eines solchen Schulmodells vor, dass keine Formen der Binnendifferenzierung eingesetzt werden, sondern die Schüler in derselben Zusammensetzung von der 1. bis zur 10. Klasse lernen und danach erst eine Differenzierung erfolgt. Jeder, der einmal unterrichtet hat, weiß aber, dass es kaum eine größere Herausforderung für den Lehrer gibt, als das unterschiedliche Leistungsniveau einer Klasse insgesamt zu fördern, was nur scheitern kann. Das Ergebnis wird in der Praxis sein, dass die schwächeren Schüler die Geschwindigkeit diktieren und leistungsstärkere Schüler bald gelangweilt im Unterricht „abschalten“.
Der unredliche Vergleich mit Finnland
Es wird von den Verfechtern der Einheitsschule immer wieder auf unsere europäischen Nachbarn verwiesen, allen voran Finnland, das so gut bei PISA abgeschnitten hat. Dabei wird unredlicherweise verschwiegen, dass Finnland z.B. keinerlei Ausländerproblematik in den Schulen zu bewältigen hat, dass die Klassen sehr viel kleiner sind, dass es ein bedeutend günstigeres Lehrer-Schüler-Verhältnis gibt, dass die Schulen besser ausgestattet sind, die Lehrer eine viel größere Anerkennung erfahren, usw.
So melden sich denn auch lautstark die Kritiker zu Wort: "Geldverschwendung", schimpft der Landeselternausschuss, "Standortnachteil für Berlin", sagen die Oberstudienräte. Der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK), Eric Schweitzer, sagte gegenüber „Der Welt“: "Wenn sie jetzt mitbekommen, dass die Einheitsschule eingeführt wird, werden Topmanager aus dem Ausland und anderen Bundesländern dreimal überlegen, ob sie mit ihren Familien nach Berlin umziehen wollen. Auf Führungskräfte, die ihre Kinder jetzt auf Gymnasien haben und die ihnen eine möglichst gute Ausbildung ermöglichen wollen, wirken Einheitsschulen abschreckend." Dieter Lenzen, Präsident der Freien Universität Berlin, fordert wenigstens noch "Wahlfreiheit für Eltern".
Sollte tatsächlich die ideologisch gewollte Einheitsschule mit besserer finanzieller und personeller Ausstattung unter der Fahne „Pilotprojekt“ in Berlin kommen (hoffentlich nicht flächendeckend, wie es die PDS eigentlich anstrebt), dann wird der Zuzug der Eltern zu den privaten Gymnasien noch einmal zunehmen, da die Mehrheit der Eltern für ihre Kinder die bestmögliche Ausbildung will.