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 erziehungstrends.de

Serie: Chatten für Eltern und Pädagogen (Teil 2)

von Franz-Josef Höcker
27/02/2007 - 11:03

Serie: Chatten für Eltern und Pädagogen (Teil 2)

Im zweiten Teil unserer Serie über Chats geht es um Chaträume, deren Betreiber und ihre Motive. Zudem wollen wir einige Kriterien zur Bewertung von Chat-Plattformen liefern. Schließlich schildern wir Gefahren, die vor allem für Kinder in den Chat-Räumen lauern können. Eltern sollten unbedingt über diese Dinge Bescheid wissen.

Betreiber von Chat-Räumen

Die meisten Chat-Räume setzen auf Community-Bildung, also auf die Vernetzung von Kindern und Jugendlichen, die den Bekanntheitsgrad und die Bindekraft der Webseite erhöhen. Dabei entstehen Möglichkeiten für Werbung oder Informationsgewinnung. Bei manchen Plattformen kann man gegen eine monatliche Gebühr kleine Homepages, Fotogalerien oder Blogs anlegen. Fan-Shops bringen dann noch Zusatzeinnahmen.

Eine WebSite, die die jugendliche Neugier und Kommunikationsfreude gezielt kommerziell nutzt, ist BRAVO.de. Bei der BRAVO-Jubiläumsausstellung im Hildener Wilhelm-Fabry-Museum heißt es: „Es gibt wohl kein zweites Jugendmagazin auf der ganzen Welt, das so intensive Zielgruppenanalysen und Zielgruppenkommunikation betreibt. BRAVO steht damit zentral für die professionelle Kommerzialisierung der jugendlichen Freizeitwelten.“ Die Chat-Räume von Bravo sind – glücklicherweise - bis auf weiteres geschlossen, weil (so ist zu vermuten) sich dort ein Tummelplatz für Pädophile gebildet hatte. (Siehe auch unsere Rezension der BRAVO-WebSite [1]).

Neben klar kommerziell ausgerichteten Angeboten gibt es Chat-Plattformen von den öffentlich-rechtlichen Medienanstalten, Kommunen, Vereinen usw. Natürlich stehen auch hinter diesen kostenlosen Angeboten bestimmte Interessen, die die Eltern sorgfältig prüfen sollten. Oft werden die Community-Daten dazu benutzt, Trends zu erkennen oder die Community mit bestimmten Informationen, Programmen und auch mit einer mehr oder weniger großen Portion Ideologie zu versorgen.

Relativ sichere Chat-Plattformen

Einige Kinder-Chat-Plattformen sind an Universitäten angebunden. Ziel dieser Initiativen ist es, sichere Räume für Kinder-Chats zur Verfügung zu stellen. Gemeinsam mit der Universität Leipzig wird die Plattform Seitenstark (www.seitenstark.de [2]) betrieben. Die Studenten der Chat-AG lesen jeden Beitrag gegen, so dass unerwünschte Inhalte, z.B. solche, die die Sicherheit der jungen Surfer gefährden könnten, wenig Chancen haben. Das Besondere der Leipziger Chats ist der vernetzte Ansatz. Viele andere Kinderseiten haben sich der Plattform angeschlossen. Es gibt nur ein Chat-Skript, das alle beteiligten Seiten gemeinsam nutzen. Der Einstieg in den Chat-Raum erfolgt über die einzelnen beteiligten Kinderseiten, so dass die Kinder dann im Gemeinschafts-Chat aufeinander treffen. Wir werden in kommenden Artikeln einige dieser Seiten rezensieren.

Gefahren

Untersuchungen von verschiedenen Jugendschutzinitiativen bestätigen auch unsere Recherchen, dass in der Mehrzahl der Chat-Räume für Kinder ungeeignete Kontaktaufnahmen an der Tagesordnung sind (1) . Sexuelle Belästigungen sind dabei am häufigsten. Das gilt vor allem für Seiten ohne Altersbeschränkung.

Vermeiden sollten Kinder und Jugendlichen auf jeden Fall auch die Kinder- und Teen-Bereiche der großen Chat-Anbieter wie z.B. www.chatcity.de [3] oder www.chatworld.de [4].

Pädophile Kontaktaufnahmen gehen nach einigen Anfangsfragen und Vertrauen erheischenden Bemerkungen bald zu perversen Anträgen und Schilderungen über. Das ist für vor allem für Kinder in der Regel schockierend. Oft schämen sie sich, mit den Eltern darüber zu sprechen, weil sie fürchten, nicht mehr ins Internet zu dürfen.

jugendschutz.net berichtet von eigenen Nachforschungen, bei denen sich Redakteure als minderjährige Chatter ausgaben. Dabei erhielten sie regelmäßig Anfragen nach Telefonsex, Cybersex, Netmeeting oder Cam-to-Cam-Kontakte (mit der Kamera, die am Computer angeschlossen ist). Auch Geld-Angebote für getragene Unterwäsche waren nicht selten. Nach Recherchen von jugenschutz.net kann bestätigt werden, dass Chats in Einzelfällen zur Anbahnung eines sexuellen Missbrauchs genutzt werden. Ganz besonders ungünstig ist es, wenn das Kind eine ggf. eigene Handynummer preisgibt.

Nach Studien von Kinder-Online gibt jedes siebte Kind seine Identität im Internet preis (2) . Abgesehen davon, dass dies schlimme Folgen für das Kind haben kann, können Sie ggf. mit der Zusendung von Spam- und Pornomails überrascht werden.

Manchmal kann es vorkommen, dass Kinder in einem Chat von jemandem bedroht werden („Ich weiß, wo du wohnst. Ich komme mal vorbei, wenn du alleine bist“ usw.). Es ist klar, dass sie Angst bekommen und sich manchmal merkwürdig beim Aus-dem-Haus-Gehen verhalten. Wenn Sie das merken, müssen Sie unbedingt das vertrauliche Gespräch mit Ihrem Kind suchen.

Prinzipien, die man unbedingt beachten muss

Sprechen sie mit Ihren Kindern über die Regeln, die man beim Chatten beachten muss. Versuchen sie unbedingt, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, so dass Ihre Kinder keine Angst haben, Ihnen belastende Erfahrungen beim Chatten zu erzählen. Und nochmals sei daran erinnert, dass ein Internet-Computer nicht ins Kinderzimmer gehört!

1. Am Anfang sollte das Kind nicht alleine chatten. Begleiten Sie es – oder ältere Geschwister, die die notwendigen Kriterien haben.

2. Auf jeden Fall sollte ein Chat mit Moderatoren gewählt werden.

3. Niemals in Chats für Erwachsene gehen.

4. Einen guten Nickname wählen. Nie den richtigen Namen preisgeben.

5. Nie die Adresse, Telefonnummer oder die Handy-Nummer (!) verraten.

6. Ein gewisses Misstrauen beim Chat ist immer angebracht.

7. Nie privat (die meisten Chats haben die Feature, dass man sich mit jemandem alleine unterhält) mit jemandem chatten, den man nicht kennt.

8. Niemals eine Verabredung mit jemandem aus dem Chat annehmen.

(Fortsetzung folgt)

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Anmerkungen

(1) z.B. jugendschutz.net, www.jugendschutz.net [5]
(2) Laden Sie sich die interessante Studie über Kinder und Internet als pdf-Datei [6] herunter.


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