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Deutschland gehen die hellen Köpfe aus

von Bert Pfahl
24/10/2006 - 15:09

Deutschland gehen die hellen Köpfe aus

In den letzten Tagen stellten mehrere alarmierende Meldungen wieder einmal die deutsche Bildungspolitik in Frage. Es ist von 145.000 Emigranten unter 35 Jahren die Rede, darunter Spitzenkräfte, die dringend in Deutschland gebraucht werden.. Zugleich machen die Ersatz-Immigranten wegen behördlicher Probleme zunehmend einen Bogen um unser Land. Es ist höchste Zeit zu reagieren. Aber was ist zu tun?

Laut einer aktuellen Studie des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) www.bitkom.org [1] bleibt Deutschland bei der Ausbildung von Spitzenkräften im internationalen Vergleich weiter abgeschlagen. Wegen der geringen Absolventenzahlen in den technisch-naturwissenschaftlichen Studienfächern, so Walter Raizner, Vizepräsident der BITKOM, "wird Deutschland in einigen Jahren die kritische Masse heller Köpfe fehlen... Immer mehr junge Leute kehren Deutschland den Rücken", sagte DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun der Zeitung "Die Welt". Laut einer Statistik des Statistischen Bundesamts vom Juli war 2005 mit 145.000 Fortzügen die höchste registrierte Abwanderung von Deutschen seit 1954 zu verzeichnen.

Bessere Standortbedingungen im Ausland

„Andere Länder haben oft bessere Standortbedingungen als Deutschland", sagte der DIHK-Präsident. Hohe Steuern und Sozialabgaben, ein nahezu undurchlässiger Arbeitsmarkt und ein Mangel "in der Bildungs- und Betreuungsinfrastruktur" seien im Vergleich zu europäischen Nachbarstaaten erhebliche Standortnachteile. "Deutschland muss deshalb endlich seine Strukturprobleme anpacken und so für qualifizierte Fachleute ein möglichst attraktiver Standort sein", forderte Braun.

"Deutsche Spitzenkräfte wandern zunehmend ab und ausländische Spitzenkräfte machen immer deutlicher einen Bogen um dieses Land." So bringt der Migrationsexperte Prof. Klaus J. Bade von der Universität Osnabrück im Gespräch mit der Tagesschau die Lage auf den Punkt. „Ein Vierteljahrhundert zu spät wird endlich anerkannt, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist ... Es ist geradezu peinigend absurd: Deutsche Spitzenkräfte wandern zunehmend ab und ausländische Spitzenkräfte machen immer deutlicher einen Bogen um dieses Land. Die Zuwanderer, die unter dem Schutz unserer Gesetze kommen und die wir uns nicht aussuchen können, entsprechen in ihren beruflichen Profilen oft nicht unserem Bedarf."

Die Bildungspolitik muss endlich reagieren

Um in der globalisierten Welt auch weiterhin international wettbewerbsfähig zu sein, fordert Raizner "eine Verbesserung durch eine intelligente Bildungspolitik". Im Gespräch mit pressetext stellt Stephan Pfisterer - Bereichsleiter Bildung, Personal, E-Learning des BITKOM heraus, dass nicht länger am koedukativen Bildungssystem festgehalten werden sollte, weil sonst individuelle Potenziale bei Jungen und Mädchen nicht in gleicher Weise gefördert werden könnten. Durch eine frühzeitige Technik- und naturwissenschaftliche Prägung könne Deutschland seinen Rückstand aufholen.

Der deutsche Trend sieht auch für die Zukunft nicht optimal aus, da die Absolventenzahlen in der Informatik von 17.000 im Jahr 2006 auf etwa 14.000 im Jahr 2010 prognostiziert absinken werden. Gegenmaßnahmen, so der BITKOM, sind neben dem Bürokratieabbau bei Zuwanderungsregelungen im Bereich der stärkeren Ausrichtung vieler Studiengänge an den Anforderungen der Wirtschaft vorzunehmen. Bildungspolitik müsse ein zentraler Bestandteil der „Hightech-Strategie“ der Bundesregierung werden, fordert der BITKOM. In der Informatik müssten gezielt Forschungsschwerpunkte aufgebaut und das Hochschulsystem müsse für private Investitionen attraktiver werden. Zudem sollte die Einführung von Studiengutscheinen den Wettbewerb der Hochschulen fördern. Politik, Hochschulen und Industrie sollten darüber hinaus gemeinsam daran arbeiten, ausländische Nachwuchskräfte für eine Tätigkeit in Deutschland zu gewinnen. Raizner: „Das geht nur durch attraktive Studienbedingungen und unbürokratische Zuwanderungsregelungen.“


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