Serie: Chatten für Eltern und Pädagogen (Teil 1)
Haben Sie schon „gechattet“? Falls Sie mit der Frage nichts anfangen können, wenden Sie sich am besten an Ihre Kinder. Chatten ist bei Kindern und Jugendlichen äußerst beliebt. An speziellen Kinder-Chat-Räumen fehlt es nicht. Da können Kinder und Jugendliche täglich stundenlang unterwegs sein. Nicht wenige Eltern wissen gar nichts von den Aktivitäten ihres Nachwuchses und ahnen zudem nicht, was sie da genau tun. Es ist aber für Eltern immens wichtig zu wissen, was in den Chaträumen los ist und welche Gefahren lauern.
Zu Beginn unserer Artikelserie über das Chatten möchten wir Sie deshalb an folgende „dringende“ Grundregel erinnern: Ein Computer mit Internet-Anschluss gehört nicht in das Kinderzimmer (auch nicht in ein Jugendzimmer). Besser ist es, den Rechner an einem für alle zugänglichen „öffentlichen“ Ort aufzustellen. Das hilft allen. Es hilft beispielsweise auch, die Zeit beim Chatten zu kontrollieren.
Was heißt „Chatten“?
Chat kommt – wie in der Computerwelt fast alles – aus dem Englischen und bedeutet „plaudern“. Bei einem Computer-Chat findet die Unterhaltung (in der Regel) über das Internet statt. Man tippt seine Nachrichten ein und die Person am anderen Ende kann sie quasi sofort auf ihrem Bildschirm sehen. Chats mit mehr als 2 Personen finden in sog. „Chaträumen“ statt. Das sind natürlich „virtuelle“ Räume. Die meisten Chatter treten in solchen Räumen nicht unter ihrem wirklichen Namen auf, sondern geben sich einen „Nickname“, einen Spitznamen, der Anonymität sichert. Es gibt noch eine besondere Form des Chats, der über sog. Instant-Messaging-Programme läuft. Da kennen sich die Teilnehmer. (Instant Messaging werden wir in einer besonderen Artikelserie behandeln).
Lesetipp: Gefahren und Schutz für Kinder und Jugendliche im Internet.
• Tipps für die Vermittlung eines sinn- und verantwortungsvollen Umgangs der Kinder und Jugendlichen mit dem Medium Internet
• Hilfe und Anlaufstellen
Warum chatten?
Chatten ist eine der beliebtesten Computer-Aktivitäten von Kindern und Jugendlichen. Es geht um mehr als plaudern. Man lernt sich kennen. „Da ich dick bin, lerne ich nicht so viele Leute kennen und so (im Chat) geht das“, sagt ein 14-jähriges Mädchen. Mehr als die Hälfte aller Jugendlichen besucht regelmäßig Chat-Räume. (1) Da die Nachrichten beim Chatten getippt werden müssen, ist es relativ anspruchsvoll. Es kommt hinzu, dass gleichzeitig viele andere ihre Nachrichten eintippen und so auf dem Bildschirm ein gewisses „Durcheinander“ entsteht. Für Kinder ist das zu Anfang kaum zu bewältigen und ohne die Mithilfe der Eltern fast nicht zu leisten. Das ist natürlich auch eine sehr gute Gelegenheit, die Kinder zu begleiten und mit ihnen zusammen das „Chat-Universum“ kennen zu lernen.
Das Faszinierende am Chatten ist der gewisse Abstand oder die Anonymität in dieser Form der Kommunikation. Da man sich nicht gegenüber sitzt, fällt manches leichter zu sagen. Darüber hinaus ist es spannend, neue Teilnehmer kennen zu lernen. Vor allem Mädchen chatten gerne. Die Gründe sind vielfältig; aber die vorhandene Anonymität scheint dabei ganz entscheidend zu sein. (2) Nach Meinung der Experten besteht die Gefahr des Verlustes der Realität (durch das Agieren in „virtuellen Welten“) nur für sehr wenige Chatter. (3)
Das Elterninteresse
Auf der einen Seite sind Eltern und Pädagogen besorgt über Gefahren, die sich in Chats auftun (und die gibt es in der Tat) – andererseits sind sie in der Praxis kaum daran interessiert, mit den Kindern über ihre Chat-Erlebnisse zu sprechen. Das mag auch daran liegen, dass die dort verwendete Sprache für Laien (und das sind die Eltern meistens) ziemlich unverständlich ist. Kinder vermeiden es in der Regel, über unangenehme Chat-Erfahrungen zu sprechen, weil sie Angst haben, dass ihnen das Chatten verboten wird.
Im Folgenden eine kleine Einführung in die Chat-Sprache
Die Sternchen-Texte
*ggg* – (giggeling) kichern/beliebig viele g's möglich (Bsp.: *gggggggggggggg*)
*grmpf*–grummeln
*fg* – fettes Grinsen/auch bekannt: *eg* (evil grin), *bg* (big grin) etc
*g* – Grinsen
*lol* – (laughing out loud) laut lachen/auch bekannt: *lolwech* – als Steigerung von lol
*rofl* – (rolling on floor, laughing) vor Lachen am Boden liegen/auch bekannt: *rotfl*
Manchmal können Sie auch so etwas lesen
Liebe Grüße von Engel
*rein komm*
*stift such*
*stift gefunden*
*GB von franzi aufschlag*
*reinschreib: war total cool mit dir zu chatten*
*stift wegleg*
*GB zumach*
*raus geh*
Häufige Abkürzungen
- addy – E-Mail-Adresse
- afk – away from keyboard, der Chatter ist nicht an der Tastatur
- brb – be right back, der Chatter ist gleich wieder zurück
- cs – Cybersex
- ct – Chattertreffen, ein reales Treffen eines Channels oder Chats
- cu – see you, Tschüß
- faq – frequently asked questions, häufig gestellte Fragen, die als Liste für Anfänger zum Nachlesen zusammengestellt werden
- hdl, ild – hab dich lieb, ich liebe dich/weiter ausbaubar: z.B. hdgdl – hab dich ganz doll lieb
- hp – Homepage
- ka – keine Ahnung
- m/w – männlich oder weiblich? Auch: mow
- mom – einen Moment bitte/auch bekannt: momtel – Moment, Telefon
- n8 – Nacht/auch bekannt: gn8 – Gute Nacht
- re – return, wieder da/auch bekannt: rehi – re und Hi
- rl – Reales Leben, das „echte Leben“
- thx – thanks, Danke
- ts – Telefonsex
- we – Wochenende
Smileys
:-) fröhlich, glücklich
;-) zwinkernd
:-( traurig, unzufrieden
:-p streckt die Zunge heraus
:-D sehr freudig
8-) Brillenträger
In der nächsten Folge geht es um Chat-Räume, Community-Plattformen und Chat-Anbieter.
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Anmerkungen
(1) van Eimeren, B., Internetnutzung Jugendlicher, Media Perspektiven, 2, Frankfurt/Main 2003, 67-75.
(2) Schatz, T., Die individuelle Funktion des Chattens bei Jugendlichen. In: medien & erziehung, 10, 2003, S. 76-86.
(3) Hoffmann, D. & Münch, Th., Mediale Aneignungsprozesse im Netz. Zum Gebrauchswert des Internet für jugendliche Intensivnutzer. In: medien & erziehung, 10, 2003, S. 39-51.
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