Lehrer brauchen mehr Rückendeckung!

Lehrer brauchen mehr Rückendeckung!

Als pensionierte Grundschul-Lehrerinnen sind sich meine Mutter und meine Tante einig: Es ist heute schwerer als vor 40 Jahren, 25 Kinder einer Klassenstufe zu unterrichten, obwohl damals 62 Kinder aus vier Klassen in einem Raum waren. Warum? Weil die Autorität der Lehrer ständig in Frage gestellt wird. (Von Susanne Schumacher, Lüneburg)

Sagten Eltern früher: „Wenn du dem Lehrer nicht gehorchst, dann gibt es ein paar hinter die Löffel“, so heißt es heute: „Du brauchst dir von deinem Lehrer nichts bieten zu lassen.“ Prügeln ist zwar glücklicherweise „out“, gehorchen aber leider auch.

Eltern warten heute mit klugen Ratgebern auf und wissen alles besser, was im Unterricht gemacht werden könnte. Sie stellen überzogene Ansprüche an die Lehrkräfte, ohne je die anstrengende Erfahrung gemacht zu haben, was es heißt, Chef-Entertainer und zugleich Dompteur für 30 Heranwachsende zu sein.

Die Autorität der Lehrer wird systematisch untergraben

Im Gegenzug arbeiten dieselben Eltern daran, zu Hause die Autorität der Lehrer gegenüber ihren Kindern mit abfälligen Bemerkungen zu untergraben. Die Verfechter des finnischen Schulsystems, die es seit PISA zu Tausenden gibt, ohne dass sie je eine finnische Schule von innen gesehen hätten, übersehen nur zu gerne, dass eine tragende Säule des Erfolges finnischer Lernsysteme die Autorität der Lehrkraft ist, die von den finnischen Eltern mitgetragen wird.

Eltern und Lehrer müssen Verbündete sein

Wer Kraft haben soll, eine „Horde“ Heranwachsender zu zivilisieren und für Lerninhalte zu begeistern, der kann nicht nur von seinem eigenen Charisma zehren, sondern braucht den Rückhalt der Elternschaft. Eltern und Lehrer sind Verbündete im Erziehen und Ausbilden von Kindern. Leider missverstehen viele dieses Verhältnis zum Teil wechselseitig.

In meinem Bekanntenkreis wurde eine Lehrerin zum Rektor zitiert, weil sich Eltern über sie beschwert hatten. Sie war mehr als überrascht, als sie den Grund der Beschwerde erfuhr: Die Eltern fanden es unmöglich, dass sie den Kindern „danke“ und „bitte“ abnötigte, wenn diese etwas haben wollten. Und sie regten sich darüber auf, dass ihr Kind für seine häufige Unpünktlichkeit getadelt wurde. Was seien schließlich schon 10 Minuten Verspätung, wenn es dafür ausgeschlafener sei?

Wo Eltern den Lehrern so wenig Verständnis und Rückendeckung entgegenbringen, brauchen sie sich nicht zu wundern, wenn diese auch von ihren Kindern nicht als Autoritäten wahrgenommen werden.