"Nur-Hausfrauen" - ein Auslaufmodell?
„Was sind Sie von Beruf?“ „Och, ich bin nur Hausfrau und Mutter…“ Das klingt recht armselig. Andere Frauen formulieren heute ihre Identität schon selbstbewusster: „Ich bin Managerin eines kleinen Familienunternehmens.“ Das trifft den Kern des Hausfrauen- und Mutter-Daseins mit Sicherheit wesentlich besser.
Von Susanne Schumacher (Lüneburg)
Mütter arbeiten in Personalunion als Köchinnen, Raumpflegerinnen, Haushälterinnen, Erzieherinnen, Buchhalterinnen, Chauffeurinnen, Entertainerinnen, Altenpflegerinnen und Krankenschwestern, als Homöopathinnen, Gärtnerinnen, Dekorateurinnen und Innenarchitektinnen. Sie sind Zeitmanagerinnen, Psychotherapeutinnen, Nachhilfelehrerinnen und zuweilen auch Eheberaterinnen.
Sie führen Terminkalender, planen Reiserouten, packen Koffer, trösten und motivieren Kinder, organisieren Kindergeburtstage und Silberhochzeiten. Sie sorgen dafür, dass Verwandte besucht und Geburtstage erinnert werden.
Mütter geben Traditionen weiter, indem sie mit den Kindern musizieren oder Laterne gehen, indem sie Gottesdienste gestalten, Kommunionunterricht geben, singen, tanzen, basteln, Rezepte weitergeben, Tischkultur vermitteln oder Spiele vorschlagen.
Als Gattinnen nehmen sie Rücksicht und zeigen Verständnis. Sie motivieren frustrierte Partner und schenken ihnen Zärtlichkeit und Sexualität. Sie sind Ansprechpartnerinnen für alle Lebensfragen, Geliebte und Dialogpartner zugleich. Sie „setzen“ den Partner „auf den Pott“, wenn es sein muss, und bieten ihm Paroli, wenn sein Leben aus den Fugen zu geraten droht. Sie helfen Suchtstrukturen zu durchbrechen und Hoffnung zu schöpfen.
Von „’nur’ Hausfrau und Mutter“ kann also keine Rede sein. Warum aber reißen sich junge Frauen dann nicht um diese vielfältigen Arbeitsfelder der Familienmanagerin im besten Sinne? Junge Frauen erleben, dass die Gesellschaft noch immer das „nur“ betont, wenn es um Hausfrauen und Mütter geht. Es gibt kaum eine Spur öffentlicher Anerkennung für die Nur-Mütter. Dabei geht es nicht um die Verleihung des Mutterkreuzes, sondern darum, dass Nachbarn, Freunde und auch die eigenen Eltern sich lobend und anerkennend äußern:Wow, du hast vier Kinder und kriegst das alles so super hin?“ „Toll, wie ihr eure Kinder erzieht!“ „Schön, dass ihr den Mut habt, eine große Familie zu gründen.“ „Gut, dass Sie sich so liebevoll um die Kinder kümmern.
Sätze dieser Art lassen sich vermutlich im Familienalltag der Mütter an einer Hand abzählen. Hinzu kommt oftmals die mangelnde Anerkennung durch den eigenen Partner: „Du sitzt ja doch den ganzen Tag nur zu Hause `rum.“ Und: „Na, Schatz, genug auf dem Sofa gesessen für heute?“
Obwohl sich Männer in den letzten Jahren statistisch betrachtet doch immerhin ganze 4 Minuten mehr pro Tag an häuslichen Arbeiten beteiligen als noch vor 15 Jahren, ist dies für Nur-Mütter keine wirkliche Entlastung.
Dort, wo Frauen Anerkennung und tatkräftige Unterstützung bei ihrer Haus- und Familienarbeit erfahren, wo sie finanziell gut abgesichert und eingebunden sind in ein tragfähiges Netz an sozialen Kontakten, wo sie sich der Treue und Zuneigung ihres Partners sicher sein können, mag das Leben als Familienmanagerin nicht nur angenehm, sondern sogar großartig sein, weil es vielfältige Chancen und Betätigungsfelder zulässt. Gattin und Mutter zu sein, kann ein spannender Beruf sein, ja, eine echte Berufung. Das Hausfrauendasein lässt ein Höchstmaß an Kreativität und Eigenständigkeit zu und ist individuell gestaltbar. Es lässt Raum für Ehrenämter und Hobbys. Es lässt Zeit für Entwicklungen und Rückkopplungen und setzt damit einen Kontrapunkt zur hektischen Betriebsamkeitsgesellschaft.
Es kann aber auch eine Plage sein, dann nämlich, wenn der Partner einen auf einmal betrügt oder sitzen lässt. Wenn eine Frau mit zwei Kindern plötzlich ohne Partner und ohne Unterhaltszahlungen dasitzt. Sie ist auf Sozialhilfezahlungen angewiesen und kann ohne Kinderbetreuungsmöglichkeiten auch keinen Job annehmen. Wenn sie in Altersarmut leben muss, obwohl sie vier Kinder großgezogen und ihren Gatten stets unterstützt hat. Und natürlich konnte sie keine eigene Altersvorsorge treffen. Und das sind keine Einzelfälle.
Die Nur-Hausfrauenrolle wird fast unmöglich, wenn das Einkommen des Partners nicht ausreicht, um einen ausreichenden Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Und wenn eine Frau nicht der Typ ist, der Kinder mag und gerne relativ viel Zeit zu Hause verbringt, wird sie mit dem Mutter-Dasein nicht zurechtkommen. Für manche Frauen gibt es nichts Schlimmeres als Kochen und Hausarbeiten. Dafür führen sie Banken und Konzerne, drehen Filme oder schreiben erfolgreiche Bücher. Für sie ist die klassische Frauenrolle mit Sicherheit ein erklärtes Auslaufmodell.
Wir beobachten allerdings in Deutschland, anders als in unseren Nachbarländern, dass sehr viele Frauen freiwillig zu Hause bleiben wollen, solange die Kinder klein sind. Und später steigen sie vorzugsweise halbtags in die Arbeit außer Haus ein, um noch immer ausreichend Zeit für die Familie zu finden. Wir beobachten zum Teil auch, dass Ganztagsangebote im Kindergarten vorhanden sind, aber nicht nachgefragt werden. Die Mütter hierzulande wollen offensichtlich bewusst Zeit mit ihren Kindern verbringen und sie nicht unbedingt in fremde Hände geben. Sie wollen ihre eigenen Erziehungsschwerpunkte setzen und sich diese nicht von anderen vorgeben lassen.
Frauen entscheiden sich heute vergleichsweise spät für die Mutterschaft. Sie kennen dann bereits die Vor- und Nachteile der Arbeitswelt und haben für sich klare Abwägungen und Entscheidungen getroffen. Und viele kommen zu der Erkenntnis, dass es abwechslungsreicher und selbstbestimmter sein kann, zu Hause zu arbeiten als in untergeordneter Stellung im Büro oder am Fließband. Sie wollten ihr Kind, und sie wollen sich nun auch die Zeit dafür nehmen, es groß werden zu sehen.
Von daher ist es wunderbar, dass heute Frauen mit ihren Partnern selbst entscheiden können, ob sie ihre Zeit teilweise oder ausschließlich als Hausfrau und Mutter verbringen. Das Elterngeld wird die Chance eröffnen, dass auch Männer sich zumindest zeitweise in die Rolle des Vaters und Hausmanns wagen. Das wiederum wird die Wertschätzung, die sie der Arbeit ihrer Partnerin entgegenbringen, deutlich steigern können.
Es kann also nicht die Rede sein von einem Auslaufmodell der „Nur-Hausfrau-und-Mutter“.
Dieses Modell ist vielmehr das beste Modell für solche Familien, die über die oben genannten Voraussetzungen verfügen: ein ausreichendes und sicheres Einkommen des Partners, Wertschätzung der Tätigkeit durch das soziale Umfeld, Unterstützung durch andere und vor allen Dingen eine stabile Ehe.
Wo all dies nicht oder nur eingeschränkt gegeben ist, und wo Frauen keine ausgeprägte Veranlagung zur Mutterschaft mitbringen oder keinen Ehepartner finden, der sie verlässlich unterstützt, wird das Modell keinen Erfolg haben.
Da wir aber gerade unter jungen Leuten heute wieder einen Trend hin zu konservativen Wertvorstellungen feststellen können, dürfte die Familienmanagerin (oder auch der Familienmanager) im Bewusstsein junger Leute durchaus ein Erfolgsmodell werden.
Wo es uns gelingt, jungen Menschen die Vorzüge dieses Modells aufzuzeigen, da muss uns um die Zukunft der „Nur-Hausfrau-und-Mutter“ nicht bange sein. Dies setzt allerdings voraus, dass wir entweder eine verbesserte staatliche Absicherung der Mütter erreichen oder dass Werte wie Treue und Verantwortung in den Partnerschaften junger Menschen zunehmend wieder an Bedeutung gewinnen. Hier kann gemeinsam gelebter Glaube eine große Hilfe sein, um auch Krisenzeiten in Ehe und Familie sicher zu überstehen.
Wer sich heute angesichts vielfältigster möglicher Lebensentwürfe aus freien Stücken dafür entscheidet, seinen Lebensschwerpunkt der Familie zu widmen, dürfte seine Wahl nicht bereuen. Das gilt für Männer wie für Frauen gleichermaßen.
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