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 erziehungstrends.de

Einzelunterricht zu 400% effektiver als die Schule

von Hinrich E. Bues
26/09/2006 - 10:25

Einzelunterricht zu 400% effektiver als die Schule

Von Karl Lempel (kreuz.net)
Immer mehr Familien praktizieren Home-Schooling. Aus gutem Grund: Sie wollen, dass ihr Kind etwas lernt. Hand aufs Herz: Welcher Lehrer hat Ihnen das Sprechen beigebracht? Bei welchem professionellen Erzieher lernten Sie Fahrrad fahren oder sich intelligent zu unterhalten, wie man sich benimmt oder mit Geld umgeht? Eine Studie aus der Schweiz lehrt eigentlich Altbekanntes.

Wenn Sie jetzt noch behaupten, Sie hätten Ihre Magisterarbeit mit Hilfe einer pädagogischen Fachkraft geschrieben, ist bei Ihnen irgendetwas schief gelaufen. Manche Dinge sind in unserem Leben so sehr institutionalisiert, dass wir gar nicht mehr in der Lage sind, einmal locker darüber nachzudenken. Generationen wurden auf die Schulpflicht konditioniert. Dieses Thema sitzt so sperrig in unseren Gehirnwindungen, dass wir wie Hofhunde zu heulen anfangen, wenn jemand unserer Kette zu nahe kommt.
Hat mich die Schule wirklich aufs Leben vorbereitet? An was erinnere ich mich, wenn ich an meinen Unterricht denke? Eigentlich hat doch jeder viele Dinge außerhalb des Klassenzimmers gelernt – nicht wegen, sondern trotz Schule.Über eines sollte auch die Macht der Gewohnheit nicht hinwegtäuschen: Bildung und Erziehung finden zu Hause statt – oder sie finden nicht statt.Was ist denn Nachhilfeunterricht anderes als das Eingeständnis, dass man Home-Schooling auch dann noch vertraut, dass es funktioniert, wenn die Pauke versagt hat? Wie würde sich ein Symphonieorchester anhören, wenn die Musiker keine privaten Stunden nehmen und für sich üben würden? Warum dürfen sich Familien nicht der Last entledigen, auch noch die schulisch bedingten Deformationen ihrer Kinder ausbügeln zu müssen? Homeschooling-Familien belegen, dass Pubertätsprobleme im Wesentlichen ein Resultat der Schulsozialisierung sind.Hat ein harmonisches Familienleben nicht Vorrang vor Profilierungsneurosen von Kultusministern? Aber: In die Pauke muss doch jeder! Oder wollen Sie Töchter und Söhne unter der Käseglocke aufwachsen lassen? Fragt sich, ob nicht das Klassenzimmer die Käseglocke ist: ein Labor voller Probanden gleichen Alters, die im 45-Minuten-Takt im Kampf gegen die Unlust zusammengepfercht werden, wo die ersten aus Langeweile ihre Tische bemalen, während die Letzten mit glühenden Augen darauf hoffen, dass der Lehrer nochmals den Stoff von vor zwei Jahren wiederholt.

Durch Disziplinlosigkeit ist Lernen oft nur mit angezogener Handbremse möglich. Oft erfolglos flehen Lehrer um Ruhe, arbeitswillige Schüler sind dem Spott preisgegeben. In den Pausen darf Luft geholt werden. Man checkt ab, welche Marken man tragen muss, wer mit wem geht und welche Handys angesagt sind. Macht jemand nicht mit, kriegt er eins auf die Mütze. Nein, hinter dem Mond wollen wir nicht leben. Seit der letzten Klassenfahrt sind Augen, Mund und Ohren niet- und nagelfest zugepierct.
Wie könnte man besser gesellschaftstauglich werden? Kommen wir zurück zu den wesentlichen Dingen. Darauf kann das Kind sich konzentrieren, wenn es zu Hause bleibt.

Studien aus der Schweiz belegen, dass der Einzelunterricht etwa 400% effektiver ist: Wenn sich also durchschnittlich ausgebildete Eltern eine Stunde pro Tag ihrem Kind widmen, hat es mit Sicherheit mehr gelernt, als an einem langen Schultag. Geschwister können sich gegenseitig helfen und festigen so den erlernten Stoff.

Insgesamt bleibt mehr als genügend Zeit für individuelle Interessen, die das Kind gemeinsam in der Familie, mit Freunden oder in Vereinen entdecken und viel effektiver als in einer Schule verfolgen kann. Seit dem achtjährigen Gymnasium samt Ganztagsabschiebehaft sind die Musikschulen und Sportvereine ohnehin leergefegt.

Zugegeben: Voraussetzung sind häusliche Disziplin sowie Eltern, die den Stoff im Griff haben und ihn strukturieren können. Bis zur sechsten Klasse sollten die meisten Eltern dazu in der Lage sein; bis zum Ende der Mittelstufe jeder Akademiker. Alternativ gibt es jetzt schon Fernkurse, auch Privatlehrer wären denkbar. Natürlich muss es auch weiterhin Schulen im klassischen Sinn geben, denn Home-Schooling macht nur für jene Familien einen Sinn, die diesen Weg auch gemeinsam gehen wollen.


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