Immer mehr Kinder in Heimen und Pflegefamilien

Die Krise der Familie zeigt sich nicht nur in steigenden Scheidungsraten, sondern auch in einem wachsenden Erziehungsnotstand. Das Statistische Landesamt Hessen veröffentlichte am 6.7.2006 die neuesten Daten: Immer mehr hessische Kinder leben in Heimen und Pflegefamilien.

Im Jahr 2005 bekamen in Hessen rund 16 700 Kinder, Jugendliche und junge Volljährige unter 27 Jahren Hilfe zur Erziehung außerhalb des Elternhauses, rund 670 oder vier Prozent mehr als 2004. Wie das Hessische Statistische Landesamt mitteilt, erhielten — nach Abzug der im laufenden Jahr beendeten Fälle — zum Jahresende 2005 noch gut 13 700 Kinder, Jugendliche und junge Volljährige solche Hilfen. Davon lebten knapp 6400 oder 47 Prozent in einem Heim und 3600 (26 Prozent) in Vollzeitpflege in einer anderen Familie. Weitere 2200 Personen (16 Prozent) erhielten Hilfe in einer Tagesgruppe und 1010 junge Leute (gut sieben Prozent) lebten — von Sozialarbeitern betreut — in einer Wohngemeinschaft oder in einer eigenen Wohnung. Für 535 (vier Prozent) Jugendliche und junge Volljährige bestand eine intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung.

Die prozentual größten Zunahmen gab es dabei mit elf Prozent bei der intensiven Einzelbetreuung, gefolgt von einem Zuwachs von acht Prozent der im Rahmen einer Tagesgruppe betreuten Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Gegenüber 1991 — dem ersten Jahr des statistischen Nachweises der Erziehungsberatung nach neuem Recht — stieg die Anzahl der jungen Menschen in Erziehung außerhalb des Elternhauses um mehr als 56 Prozent. Dabei nahm die Betreuung in einer Tagesgruppe um 260 Prozent, die Heimbetreuung um 80 Prozent und die intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung um 390 Prozent zu, während sich die Anzahl der Kinder und Jugendlichen in Vollzeitpflege um zwei Prozent verringerte.

Knapp sieben Prozent der Kinder und Jugendlichen, die Ende 2005 Hilfe zur Erziehung außerhalb des Elternhauses erhielten, waren unter sechs Jahre alt, weitere 21 Prozent zwischen sechs und zwölf Jahren, gut 42 Prozent zwischen zwölf und 18 Jahren und 30 Prozent waren volljährig. Die verschiedenen Hilfearten werden je nach Alter sehr unterschiedlich in Anspruch genommen. So spielte die Vollzeitpflege in einer anderen Familie bei den jüngsten Kindern die wichtigste Rolle. Je älter die jungen Menschen werden, desto mehr sind diese in einem Heim oder betreutem Wohnen untergebracht. Von den Kindern unter sechs Jahren waren knapp 70 Prozent in Vollzeitpflege in einer anderen Familie untergebracht. Rund 18 Prozent lebten in einem Heim und zwölf Prozent waren in einer Tagesgruppe untergebracht. Intensivere sozialpädagogische Einzelhilfe erhielt kein Kind dieser Altersgruppe. In der Altersgruppe der Sechs- bis unter Zwölfjährigen wohnten 38 Prozent in Vollzeitpflege in einer anderen Familie, ein Drittel erhielt Erziehung in einer Tagesgruppe und knapp 29 Prozent waren in Heimen oder sonstigem betreuten Wohnen untergebracht. Von den Jugendlichen im Alter von zwölf bis unter 18 Jahren lebten nur 21 Prozent in Vollzeitpflege in einer anderen Familie aber knapp 56 Prozent in Heimen oder sonstigen Formen des betreuten Wohnens. Knapp 18 Prozent waren in einer Tagesgruppe untergebracht. Rund fünf Prozent erhielten intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung. Von den jungen Volljährigen lebten knapp 77 Prozent in Heimen oder sonstigen betreuten Wohnformen. Nur 16 Prozent waren in Vollzeitpflege in einer anderen Familie untergebracht. Rund sechs Prozent erhielten intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung. Die Erziehung in einer Tagesgruppe spielte hier mit einem Prozent nur eine geringe Rolle.

(Quelle: Hessisches Statistisches Landesamt)