Trend zur Kinderlosigkeit
Einen „eindrucksvollen Wertewandel“ sieht eine neue Studie zur Bevölkerungsentwicklung in Deutschland. Kinder „würden eher mit Belastungen denn mit einer Bereicherung des Lebens verbunden“. So entscheiden sich immer mehr Männer und Frauen zur Kinderlosigkeit und werden dafür noch steuerlich belohnt.
Eine neue der "Frankfurter Rundschau" vorliegenden Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zeigt, dass der Kinderwunsch der Deutschen im Zeitraum von 1990 bis 2005 kontinuierlich abgenommen hat. Während vor 15 Jahren noch 65% der Deutschen meinten, dass eine Frau Kinder für ein erfülltes Leben brauche, beträgt diese Zahl heute nur noch 36%. Im Gegenzug steigt der Wunsch nach Kinderlosigkeit. Jeder vierte Mann und jede siebte Frau können sich heute gut ein Leben ohne Kinder vorstellen.
Offenbar gibt es eine ganze Kette von Ursachen für diesen Trend: Zeugungsunwillige Männer, die schwierige und langwierige Erziehung von Kindern, finanzielle Probleme und die kaum lösbare Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wirken hier die Maßnahmen der Großen Koalition produktiv?
Das Elterngeld, das Familienministerin Ursula von der Leyen frohgemut als ein „1:0 für Familien“ bezeichnete, fördert einseitig berufstätige Mütter – aber nicht die Frauen, die sich ganz der Erziehung ihrer Kinder widmen wollen. Nach der Abschaffung der Eigenheimzulage und der Erhöhung der Mehrwertssteuer wird sich der finanzielle Spielraum für Familien weiter einengen. Christa Mewes, bekannte Autorin zu Erziehungsfragen, fragte daher empört: „Ist die Mutter bereits abgeschafft? Gibt es bald den „entmutterten Menschen“ mit all seinen psychischen Krankheiten und Süchten?“
Es steht anscheinend nicht 1:0 sondern eher 0:3 für Familien. Die nächsten „Gegentore“ bahnen sich bereits an. Im Zuge der Reform des Gesundheitswesens werden weitere Steuererhöhungen und Belastungen für Familien bereits diskutiert. Von der – vor der letzten Bundestagswahl einmütig von fast allen Parteien – in Aussicht gestellten steuerlichen Entlastung von Familien in Form höherer Freibeträge ist keine Rede mehr.
Die von CDU Generalsekretär Ronald Pofalla neu eingebrachte Idee eines „Familiensplittings“ stoßt bereits auf den Widerstand von Teilen der CDU, die das traditionelle Ehebild gefährdet sehen. Dazu kommen die Einwände von kinderlosen Ehepaaren, die ihre gegenwärtigen Vorteile nicht zugunsten von Familien schmälern lassen wollen.
Es sieht anscheinend so aus, dass die Maßnahmen der Großen Koalition den fatalen Trend nach Kinderlosigkeit noch weiter verstärken werden. Statt die Erziehungsleistung von Müttern auch finanziell anzuerkennen, sei es durch Erziehungsgeld oder Steuerentlastungen, wird das Gegenteil betrieben. Mütter, die ihren Kindern Halt und Geborgenheit vermitteln wollen, haben es heute schwerer als je zuvor.
Anmelden oder registrieren um Kommentare einzutragen | E-Mail mit Artikel-Link versenden | Druckversion

