Neue Webmedien für den Herrn
Blogs und Podcasts haben in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Die einfache, dynamische Form dieser Medien ermöglicht es einer breiten Masse, sich im Web mitzuteilen. Diese Entwicklung hat natürlich auch vor der Kirche nicht haltgemacht.
Blogs, von Weblogs kommend, sind periodisch aktualisierte Seiten, die an die "News" oder "Aktuelles" genannten Rubriken von herkömmlichen Seiten erinnern. Die Seite "Erziehungstrends" selbst ist ein solcher Blog: User dieser Seite können Artikel verfassen und Leser können sie kommentieren. So kann dann eine Diskussion über den geposteten Artikel entstehen. Meiner Meinung nach ist ein großer Vorteil gegenüber Foren der Fakt, dass, da ein Blog ständig aktualisiert wird, Beiträge recht schnell wortwörtlich von der Bildfläche verschwinden. Das klingt vielleicht erstmal negativ, jedoch werden dadurch fruchtlose Diskussionen, wie sie in Foren an der Tagesordnung sind, im Keim erstickt. Seien wir doch mal ehrlich: Im Internet haben 90% aller Diskussionen ihr Ende gefunden, wenn beide Seiten ihren Standpunkt ausgedrückt haben. Gerade bei Grundsatzdiskussionen ("Gibt es einen Gott?" "Welche Musik ist wirklich toll?" etc.) ist man irgendwann an einem Punkt angelangt, wo weitere Kommentare überflüssig sind und lediglich ein Kampf um die beste Argumentation stattfindet.
In Blogs entstehen solche fruchtlosen Disussionen, wie gesagt, recht selten. Trotzdem kann sich eine Art Gemeinschaft, eine Web-Community, bilden, wenn beispielsweise ein kleiner Kreis von Blogs sich mit einem bestimmten Topic befasst, sich untereinander verlinkt und die Beiträge der anderen Blogs kommentiert.
Der Begriff "Podcast" ist eine Wortneuschöpfung: Es ist eine Vermischung des Wortes Ipod (dem zum Kult avancierten Mp3 - Player von Apple) und broadcast (auf deutsch Rundfunksendung). Ein Podcast ist eine Serie von mp3-Dateien, die von der Konzeption jeweils stark einer Radiosendung ähneln. Wieder ist die Dynamik ein entscheidender Vorteil: Einfache Mittel und Freeware-Programme wie Audacity reichen aus, um "durchzustarten" und der virtuellen Welt des www seine Sicht der Dinge mitzuteilen. Inzwischen gibt es auch sogenannte Video-Podcasts, die eben eine Serie von Videodateien sind.
Solche Entwicklungen haben natürlich die katholische Kirche nicht unberührt gelassen. In Amerika existiert eine recht große kath. Blogger-Community und nicht wenige Podcasts nennen sich "godcasts". Letztere sind teilweise auch recht offiziell, an der Stelle sei der Cardinal Arinze-Podcast erwähnt, in der der Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung zu Themen wie Eucharistie und Beichte interviewt wird.
Doch auch wir Deutschen brauchen uns nicht zu verstecken: Die sogenannte "Blogozese" ist nicht gerade klein und auch nicht gerade jung, einige Blogs haben schon drei, vier Jahre "auf dem Buckel". Auch das Spektrum der Blogs ist breit: Da gibt es theologisch wirklich hochwertige wie Credo ut intelligam
vom katholischen Leben erzählende wie Lumen de Lumine, über Gott und die Welt palavernde wie Fonolog oder Yons Incarnierte Inkoordination oder auch Blogs mit einer eher humorvollen Sicht des Katholizismus wie Catholicism-wow oder (Achtung, Eigenwerbung) mein eigener Blog, die ein wenig an das sehr empfehlenswerte Buch "The Bad Catholic's guide to good living" erinnern. Solche Blogs sind selbstverständlich schon durchaus katholisch, aber es werden eben auch Themen angesprochen wie katholsiche Punkbands und ähnliches.
Ja, selbst ein sogenannter Tumble-Blog (eine recht anarchische Form des Bloggens, die größtenteils unkommentiert kuriose Bilder, Links oder kurze Texte zum Besten gibt), existiert, nämlich der CCB 2.0. Andere Blogs bieten mehr als nur Blogging, wie zum Beispiel Das kompendium, das sich neben dem Blogging unter anderem zum Ziel setzte, ein ganzes Buch über unseren Glauben zu schreiben und in das Netz zu stellen.
Was nun christliche deutsche Podcasts angeht, muss ich leider gestehen, dass ich hier noch nicht so viel gehört habe. Ich weiß, dass der Bischof von Regensburg einmal einen Podcast hatte, auch soll ein Priester seine Betrachtungen als Podcast zur Verfügung gestellt haben. Der ambitionierte Leser sei aufgerufen, etwas an der Situation zu ändern. Podcasts wie The Catholic Insider sind nicht nur für uns Katholiken schön zu hören, sondern erfreuen sich auch einer nicht kleinen nicht-christlichen "Fangemeinde".
An solchen Dingen merkt man, daß Podcasts und Blogs schon einen kleinen Beitrag zur Neuevangelisierung liefern können. Nicht unbedingt, dass Menschen durch das Lesen eines Blogs bekehrt werden, aber sie lernen gelebten Katholizismus dadurch kennen und, wie ich finde, auf eine recht erfrischende, weltoffene Art.
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