Vom gender-mainstreaming zum family-mainstreaming
"Gender mainstreaming": Ein bißchen merkwürdig ist es schon, wenn die deutsche Regierung eine erklärte politische Strategie auf Englisch zum Ausdruck bringt. Was gemeint ist, wissen wenige. "Gender" bedeutet Geschlecht, nicht biologisch, sondern grammatisch (der-die-das), dann auch kulturell und sozial: Geschlechterrolle. "Mainstream" bedeutet Hauptströmung, "Mainstreaming" steht für die Absicht, etwas zur Hauptströmung allgemeinen Denkens zu machen. Woher kommt der Begriff, was steckt dahinter? Fragt man nach, heißt es, es gehe um Gleichberechtigung, um Gleichstellung vor allem der Frauen, um "Geschlechtergerechtigkeit". Nichts Neues also? Warum dann auf Englisch?
von Dr. Hans Thomas
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Von Gleichberechtigung oder Gleichstellung sprechen hat nur Sinn, wo es Unterschiede gibt. Vor dem Gesetz, sagt das Grundgesetz, sind alle Menschen gleich. Also auch Männer und Frauen. Politisch-rechtlich herrscht damit Klarheit. Im gesellschaftlichen und privaten Leben mag da noch nicht alles zum besten stehen. Das kommt auch auf anderen Gebieten vor und sollte mit Erziehung angegangen werden. Bedenken sind angebracht, wenn der Staat bestimmen will, wie – und wie gleich – Frauen und Männer leben, fühlen und miteinander umgehen sollen.
Offenbar empfinden Frauen und Männer sich selbst durchaus verschieden. Vor dem Gesetz spielt das eben keine Rolle. Will sagen: Männer und Frauen sind zwar nicht gleich, aber gleichwertig. Das ist die Grundaussage auch jedes vernünftigen Feminismus, der sich um Geschlechtergerechtigkeit bemüht.
Im Grundgesetz wurde nach "Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich" (Art. 3, Abs. 1) am 27.10.1994 der Satz eingefügt: "Männer und Frauen sind gleichberechtigt". Das ist entweder eine überflüssige Wiederholung oder es steckt mehr dahinter, das man aber nicht offen und auf Deutsch sagen kann oder will. Im weiteren ermächtigt seitdem das GG den Staat, auch privat "bestehende Nachteile" zu beseitigen – mit wohlklingenden Diskriminierungsverboten. Immer, wenn der Staat ins Privatleben hineinregiert, wird es heikel. Wenn Politiker urteilen sollen, was selbst privat in Sachen Gleichheit der Geschlechter von Vorteil oder Nachteil ist, bedarf es eines Maßstabs. Als solcher eben dient "gender mainstreaming".
Seit den 1970er Jahren in den USA aktiv, beherrschten Vordenker der "gender"-Theorie 1994-95 die internationale Propaganda-Bühne [s. Werte und Wandel Nr. 10 v. 2.9.1995]. Das war vor und während der Weltfrauenkonferenz in Peking. Im Englischen gibt es für "Geschlecht" zwei Wörter: "Sex" bezeichnet das biologisches Geschlecht und "gender" das Geschlecht im Sinne der Grammatik – wie dann auch, sozial verstanden, die Rollen von Frau oder Mann in der Gesellschaft. Wir haben für beides nur ein und dasselbe Wort: Geschlecht. Auf Deutsch funktioniert die "gender"-Ideologie nicht. Was eigentlich gemeint war, haben deshalb zahlreiche Delegierte auf jenen Konferenzen gar nicht verstanden.
Auf das biologische Geschlecht, so in aller Kürze die Ideologie, auf die nur zufällig naturhaft-leibliche Ausstattung, komme es nicht an. Entscheidend für moderne, selbstbestimmte Menschen sei die Rolle von Mann und Frau in der Gesellschaft, eben gender. Sie aber sei ein kulturelles, künstliches Konstrukt und werde ihnen sozial aufgedrängt. Davon gelte es sich zu befreien. Denn alle Menschen seien radikal gleich. Ob man als Mann oder als Frau leben und fühlen wolle, müsse grundsätzlich jede(r) selbst bestimmen.
Der Homo-Lobby mag die verkopfte Theorie vielleicht gefallen. Gewiss aber ist sie ein fundamentaler Angriff auf Ehe und Familie. Der Gedanke, dass die Geschlechter sich ergänzen und auf einander bezogen sind, hat keinen Platz. Ihr Überraschungseffekt mag die gender-Ideologie eine Weile am Leben halten. Vom tatsächlichen Leben ist sie reichlich weit entfernt. Der gesunde Menschenverstand setzt sich zur Wehr. Zukunft hat sie nicht. Sie gehört denen, die das Abenteuer der Familie zur Hauptströmung des allgemeinen Denkens machen. Erhoben zum Programm, kann man sogar auch das auf Englisch sagen: "family mainstreaming".
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