Warum ist das Internet so bösartig?
Manche Leute, die auf den Bildschirm starren und die Tastatur malträtieren verlieren oft alle Hemmungen - Alle paar Wochen kommt das Thema Cyber-Mobbing auf die Titelseiten der Zeitschriften. Ein Mädchen begeht Selbstmord, nachdem bösartige Anschuldigungen über sie im Netz verbreitet wurden. Das als „SEXTING“ bezeichnete Phänomen, von sich selbst anstößige Bilder mit der Handy-Kamera aufzunehmen und an Freunde zu versenden, wird heftig diskutiert. Auf MySpace oder YouTube werden Gewalttaten gegen Schüler oder Schulen angekündigt, auch werden anonym Droh-Mails versandt.
von John Bambenek - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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Diese immer häufiger vorkommenden, bedrückenden Szenarien werfen zwei Fragen auf:
1. Wieso macht die Nutzung des Internets offensichtlich einige Menschen so bösartig?
2. Warum geraten Menschen durch böswillige Online-Attacken oft in so ausweglose Situationen, dass sie sogar in den Selbstmord getrieben werden.
Seit den frühen Anfängen der Internet-Kommunikation wurde das Medium auch zur Bedrohung missbraucht. In den Zeiten von > USENET, (einem Vorläufer heutiger Communities) wurden die Foren oft von sogenannten > Trollen bevölkert, von Leuten, die es darauf anlegen, andere Teilnehmer mit provozierenden oder beleidigenden Beiträgen zur Weißglut zu treiben.
Warum? Man glaubt sich unter dem Deckmantel von Anonymität. Ein Sprichwort sagt: „Im Internet weiß niemand, dass du ein Schwein bist.“ Man ist überzeugt, sich eine falsche Identität zulegen zu können, die niemand durchschaut. Diese Annahme liegt auch der ausufernden Nutzung des Web für Pornographie zu Grunde; man rechnet nicht damit, dass die eigenen Online-Aktivitäten nachverfolgt werden können. Doch weisen die überall hinterlassenen digitalen „Fingerabdrücke“ darauf hin, welchen Vorlieben man im Netz frönt.
Hinzu kommt das völlige Fehlen von Verantwortungsgefühl. Wenn man nicht weiß, wer etwas gesagt oder getan hat, kann man ihn –oder sie- auch nicht dafür zur Verantwortung ziehen. So fühlt man sich frei, rassistische, sexistische oder anderweitig beleidigende Äußerungen von sich zu geben, da selbst Freunde oder Angehörige davon nichts erfahren. Dies hat zu einer erschreckenden Verrohung ziviler Umgangsformen geführt. Um sich selbst ein Bild zu machen, braucht man nur die Leserkommentare der Online-Publikationen von Tageszeitungen anzuschauen. Nicht wenige Beiträge von Zeitgenossen sind einfach haarsträubend.
Es ist einfach, unerwünschte Beiträge bei Instant-Messaging, E-Mail oder in Sozialen Netzwerken zu blockieren. Warum sollte man nicht auch bösartige Nutzer ausschließen? Die Erfahrung lehrt, dass Teenager sich oft scheuen, diesen Schritt zu tun, da sie sich dann ausgeschlossen und übergangen fühlen würden. Allerdings kennen auch die Cyber-Mobber meist ihre Opfer und wissen, wie sie die Daumenschrauben andrehen können.
Beispiel >Sexting. Etwa 20% der amerikanischen Teenager haben zugegeben, schon einmal anstößige Bilder versandt oder empfangen zu haben. Freunde überreden ihre Freundinnen, Nacktbilder von sich selbst aufzunehmen und diese zu verschicken. Das ist schon schlimm genug, doch schlimmer noch ist, wenn der sog. „Freund“ die Bilder dann an andere weiterschickt. Diese Bloßstellung kann tödlich enden, wie im Fall von Jessica Logan, einer Studentin aus Cincinnati, die im vergangenen Jahr Selbstmord beging, nachdem ihre Photos im Kreis ihrer „Freunde“ herumgereicht wurden.
Kinder müssen lernen, sich in der Online-Welt sicher zu bewegen. Online-Kontakte sind nicht vergleichbar mit Kontakten in der Realität. Die Person, mit der man Online „chatted“ oder „mailed“ ist nicht notwendigerweise die Person, die sie zu sein vorgibt. Nebenbei ist „Sexting“ nicht nur gefährlich, sondern sogar strafbar. In den USA wird Sexting als eine Form von Kinderpornographie verfolgt.
Eine Unterweisung, wie unerwünschte Kontakte zu unterdrücken sind, ist notwendig. Es ist nicht schwierig, einen „Facebook“ Eintrag nur seinen Freunden zugänglich zu machen, oder E-Mails unangenehmer Zeitgenossen zu unterbinden. Die meisten Communities ermuntern dazu, missbräuchliche Verwendung dem Webmaster zu melden.
Das Wichtigste ist jedoch, dass Eltern ihre Kinder zur Selbstachtung und zu einem gesunden Selbstbewusstsein erziehen, um Cyber-Mobbing Attacken die Stirn zu bieten. Sie müssen überzeugt sein, dass ihre persönliche Würde nicht durch solche Beleidigungen Schaden nehmen kann, egal wie heftig die Anwürfe auch sein mögen.
Eltern sollten aber auch darüber informiert sein, was im Leben ihrer Kinder wichtig ist. Ihnen nachzuschnüffeln ist dabei nicht der richtige Weg. Die meisten Kinder sind wohl wesentlich vertrauter mit dem Internet, als ihre Eltern. Vertrauen und Offenheit im Umgang mit den Kindern ist das Allerwichtigste.
Hier einige Quellen für weiterführende Informationen:
> www.cyberbullying.us
> www.stopcyberbullying.org,
> www.netsmartz.org.
John Bambenek ist Interventionsbeauftragter am Internet Storm Center. Er bloggt bei > Part-Time Pundit.
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