Jungen - Stiefkinder der Moderne (3)

Jungen - Stiefkinder der Moderne (3)

Der archetypische Kern von Männlichkeit, ein tief in der Persönlichkeit verankertes Muster des Rollenverhaltens, ist zu einem negativen Etikett geworden. Männer befinden sich in der Sinnkrise. Und diese Krise beginnt, wie zahlreiche Untersuchungen bestätigen, schon in der Kindheit. Im dritten und letzten Teil geht es unter anderem um die fatalen Folgen des ideologischen Feminismus.

von Markus Rüther
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Link zu den anderen Artikeln der Serie:

Teil 1
Teil 2

«Wütende junge Männer»

Eine Analyse der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Christa Meves zeigt, dass die Benachteiligung der Jungen in der Schule fatale Folgen hat. Unter Anspielung auf die letzten Amoktaten männlicher Schüler schreibt Meves auf kath.net: «Der entscheidende Grund für den Ausbruch mörderischer Wut war in allen Fällen der Mangel an Anerkennung in der Gemeinschaft, die zum frustrierten Rückzug geführt hatte. Und es darf doch auch nicht übersehen werden, dass es vornehmlich Mädchen und Lehrerinnen waren, die sich die Täter ausgesucht hatten.»

Meves weist darauf hin, dass Mädchen nicht nur die besseren Noten einheimsen, einen besseren Schnitt machen und in größerer Zahl ihren Schulabschluss absolvieren, «sondern sie treten darüber hinaus häufig auch mit Eigenschaften in Erscheinung, die den Jungen den letzten Funken von Selbstwertgefühl rauben: Sie haben schneller und wortreicher im mündlichen Unterricht die Antworten parat, einerseits weil sie besser zugehört und sich besser vorbereitet haben, andererseits aber auch, weil ihr weibliches Gehirn nun einmal sprechfreudiger angelegt ist. Aber das», so Meves weiter, «ist noch nicht einmal alles: Sie bilden viel häufiger und augenfälliger Cliquen, und das heißt, fest zusammenhaltende Kleingemeinschaften, mit denen sie in den Klassen Macht ausüben – besonders oft mit Mobbing-Charakter und subtiler verbaler Diffamierung der schwarzen Schafe unter den Mitschülern.»

Mit Blick auf die anstehenden Kultusministerkonferenzen fordert Meves ein Umdenken, davor warnend, «vor dem Fetisch des militanten Feminismus die Augen zu verschließen und den Lebenserfolg des männlichen Geschlechts schulisch in dieser Weise gefährlich zu mindern

Handlungsmaxime: Kopernikanische Wende in der geschlechtsspezifischen Pädagogik

Um einen Weg aus der ideologischen Verdrängung zu bahnen, schlägt Christa Meves vor, sich die Bilanzen von Jungenschulen anzusehen. Auch andere Experten betonen, dass zur Steigerung des Leistungsniveaus und zur Ausweitung der Entfaltungsbedingungen beider Geschlechter wenigstens die temporäre Geschlechtertrennung zwingend sei. Denn die Umgestaltung des schulischen Alltags nach geschlechtergerechten Gesichtspunkten wirft nicht nur die Frage auf, wie ein an Jungeninteressen orientierter Unterricht aussehen könnte, sondern läuft Gefahr, nun wiederum die Interessen von Mädchen zu vernachlässigen. Jüngste Forschungsergebnisse propagieren die «reflexive Koedukation». Dies bedeutet, dass Mädchen und Jungen temporär getrennt und zusammen unterrichtet werden. Somit bestehe die Möglichkeit für die Lehrkräfte, Unterschiede im Nachhinein zu thematisieren.

«Als Mitte der 60er Jahre die sogenannte Koedukation – der gemeinsame Unterricht von Jungen und Mädchen – in Deutschland eingeführt wurde, glaubten viele an eine Benachteiligung des weiblichen Geschlechts.» (stern.de) Inzwischen hat sich die Schule zu einem jungenfeindlichen Biotop ausgebildet. Das schwache Geschlecht – verunsichert, vernachlässigt, benachteiligt – sind nun nicht länger die Mädchen, sondern die Jungen. Und es gibt viele Entscheidungsträger bis in die höchsten Zirkel, die genau diese Entwicklung begrüßen. So gab Ex-Familienministerin Ursula von der Leyen noch im Jahre 2008 folgendes zu Protokoll: «Ich finde es nicht schlimm, dass Mädchen in Sachen Bildung an den Jungen vorbeiziehen.» Deutsche Männer definierten sich noch immer über ihren Erfolg im Beruf. Das müsse sich ändern. Und Waltraud Cornelißen, Leiterin der Abteilung Geschlechterforschung am Deutschen Jugendinstitut in München, ließ sich gar zu folgender Bemerkung hinreißen: «Ein Bildungsvorsprung ist für junge Frauen vorläufig oft bitter notwendig, um auch nur annähernd gleiche Chancen im Beruf zu haben.» Ein perfides Argument.

Hysterie der Feministinnen

Als die US-Regierung vor Jahren ankündigte, öffentlichen Schulen grundsätzlich zu erlauben, Jungen und Mädchen getrennt zu unterrichten, entbrannte in der Frauenbewegung ein Sturm der Entrüstung; eine Vertreterin der «Nationalen Organisation für Frauen» in Washington wertete das Vorhaben tatsächlich als einen «Angriff auf die Rechte der Frauen.» Welche Motive liegen solchen Behauptungen zugrunde? Zwar galt die gemeinsame Erziehung von Mädchen und Jungen in den Schulen jahrelang als unantastbar. Inzwischen glauben jedoch viele Wissenschaftler, dass getrennte Klassen sowohl für Jungen als auch für Mädchen besser sind. Fazit: Jungen wie Mädchen sind in getrennten Klassen häufig selbstbewusster.

Der Widerstand von Frauengruppen und Bürgerrechtlern gegen die US-Initiative wurde damals mit großer Erbitterung geführt, die angeführten Argumente grenzten bisweilen an Verrücktheit. Kostprobe 1: «Das ganze wird damit enden, dass bald an der Ausbildung der Mädchen gespart wird.» Kostprobe 2: «Es wird für Männer schwerer, Frauen als gleichberechtigte Partner am Arbeitsplatz zu akzeptieren, wenn sie nicht schon in der Schule mit ihnen konkurrieren mussten.» Es ist schon erstaunlich, zu welchen geistigen Verrenkungen Ideologen bereit sind, um ihre Positionen zu halten; jeder argumentative Strohhalm, und mag er noch so brüchig sein, ist ihnen recht.

Dabei ist die Nachfrage nach reinen Jungen- und Mädchenschule nicht nur in den USA groß. In den meist teuren Privatschulen Nordamerikas besuchen bereits eine halbe Million Kinder und Jugendliche getrennte Klassen. Auch in Deutschland schickt der Geldadel seinen Nachwuchs lieber auf Jungen- oder Mädchenschulen. Da ist es doch nur fair, dass Eltern und Kinder an öffentlichen Schulen dieselben Wahlmöglichkeiten erhalten. Mit dem Argument, dass Mädchen und Jungen durch die Trennung den normalen alltäglichen Umgang miteinander verlieren und weltfremd aufwachsen, kommt nicht nur der realitätsferne Anspruch zum Ausdruck, die Schule müsse alles richten, auch laufen solche oder ähnliche Begründungen an den tatsächlichen Gegebenheiten vorbei: Dadurch, dass Jungen und Mädchen zu autarken Persönlichkeiten heranreifen, die Aufmerksamkeit ausschließlich auf das lenkend, worauf es in der Schule im Grunde geht, entgehen sie nicht zuletzt der Gefahr, sich schon frühzeitig im Geschlechterkampf zu verlieren. Die Trennung führt dann in letzter Konsequenz weniger zur Entfremdung als zur Annäherung der Geschlechter, da sich nur solche Menschen, die wirklich autonom sind, mit gegenseitigem Respekt, Achtung und Verständnis begegnen können. Oder bringen wir hier etwas durcheinander, Frau Schwarzer?

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(Schluss)