Bei Anwesenheit Geld

Bei Anwesenheit Geld

Ganz Bonn schwänzt regelmäßig die Schule. Dieser Satz würde stimmen, wenn erstens nur Schüler in Bonn wohnen würden und zweitens, wenn diese Schüler ausschließlich Schulschwänzer wären. Daraus ergibt sich die Frage: Wieviele Schulschwänzer hat Deutschland? Antwort: rund 300.000.

von Markus Rüther
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Tun sich hingegen Bonn und Berlin zusammen, entsteht in etwa die Anzahl der in Deutschland lebenden Schüler (3,75 Millionen), woraus folgt, dass unsere Schulschwänzer eine Quote von 8 Prozent erreichen. 8 Prozent – das ist der Wert, um den die Rente wegen der Finanzkrise sinken könnte. In der Presse war sofort vom Renten-Schock die Rede. Und als die chinesische Regierung im Frühjahr ein Wachstumsziel von acht Prozent vorgegeben hatte, sprach WELTonline von einem «ehrgeizigen» Ziel. Acht, das scheint also nicht wenig zu sein. WELTonline: «eine horrende Zahl».

Um den Prozentwert zu senken, konkurrieren die verschiedensten Maßnahmen miteinander, inzwischen gibt es sowohl das erste deutsche Internat für Schulschwänzer als auch eine Initiative des Bundesfamilienministeriums: Das Projekt «Die 2. Chance», an fast 200 Standorten mit Koordinierungsstellen präsent. 84 Millionen Euro hat die große Koalition für den siebenjährigen Förderzeitraum zur Verfügung gestellt. Immerhin konnten bislang drei Viertel der Teilnehmer reintegriert werden. Dies gilt allerdings nicht für jene 30.000 Schüler, die derzeit zu den Totalverweigerern gehören. WELTonline: «Totalverweigerer bleiben Totalaussteiger.» Wirklich?

In einer Schweizer Schule werden Sekundarschüler für gute Schulnoten mit Geld belohnt (Initiator: ein Schweizer Privat-TV-Sender). Das Geldbelohnungssystem wird derzeit auch in Deutschland diskutiert, findet aber laut einer Allensbach-Studie nur wenig Zustimmung (15 Prozent). Dabei ist den meisten Eltern bewusst, dass Leistungen mit Belohnung verstärkt werden können, auch wissen sie, dass Geld Anreize schafft (61 Prozent reagieren regelmäßig auf gute Schulnoten und 42 Prozent der Befragten greifen zum Geldbeutel). Vielleicht hat ein Schweizer Journalist ja das Geheimnis der hohen Ablehnungsquote gelüftet als er die Erziehung mit Hilfe von Geldanreizen in Zusammenhang mit den Bonussystemen für die Leitenden in der Wirtschaft brachte: «Der Boniwahn hat die Gesellschaft erfasst. Die Idee, gute Schulleistungen mit Geld zu erkaufen, ist eine vergiftete Idee.»

Deshalb schlagen wir vor, nicht die Leistungen zu erkaufen, sondern die Anwesenheit! Lerneifer und Lernerfolg lassen sich auf vielen Wegen steigern, doch die reine Anwesenheit bewirkt man am ehesten durch Geldzahlungen. So ist das doch auch in der freien Wirtschaft, nicht nur bei den Beamten. Oder bringen wir hier etwas durcheinander?