Berliner Kampf um den Religionsunterricht

Berliner Kampf um den Religionsunterricht

Was in den anderen Bundesländern selbstverständlich ist, nämlich dass an allen Schulen Religionsunterricht der verschiedenen Glaubensgemeinschaften ordentliches Lehrfach ist, will die Initiative ProReli für Berliner Schüler jetzt auch erkämpfen. Ein erster Schritt ist erfolgreich verlaufen, jetzt geht es seit dem 22. September 08 um 170.000 Unterschriften, um zusammen mit der Europawahl am 7. Juni einen Volksentscheid zu erreichen, bei dem es gilt, ein Viertel der Wahlberechtigten Berliner (610.000) für sich zu gewinnen.

von Horst Hennert
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Freie Wahl zwischen Ethik und Religion

Nach einer Forsa-Umfrage vom 30. Januar 2008 im Auftrag der "Berliner Zeitung" hat ProReli gute Chancen. Es sprechen sich 55 % der befragten Berliner (52 % im Ost- und 57 % im Westteil) für die Wahlfreiheit der Schüler zwischen Religions- und Ethikunterricht aus.

Aber es gibt reichlich Gegenwind: der „Humanistische Verband Deutschlands“ startete eine Gegenkampagne mit „ProEthik“, um das bestehende Berliner Modell mit dem verpflichtenden Fach Ethik an Berliner Schulen fest zu schreiben.

Trotzdem äußert sich der der „Pro Reli“-Vorsitzende Christoph Lehmann optimistisch: „Wir haben gute Chancen, einen Volksentscheid zu gewinnen. Unterstützt werden er und seine Mitstreiter außer von Kirchen, CDU und FDP auch von Prominenten wie TV-Moderator Günther Jauch und Fußball-Nationalspieler Arne Friedrich. Laut Lehmann treten neben den christlichen Kirchen auch Muslime und Juden für eine Aufwertung ihres Schulunterrichts ein. „Unser Volksbegehren ist auch ein multi-kulturelles Anliegen“, so der Vorsitzende der Initiative, deren Anliegen hoffentlich durch die nötige Zahl von Unterschriften unterstützt wird.

7 wichtige Argumente von ProReli

Auf der Homepage von ProReli sind folgende Argumente aufgeführt, weswegen vor allem Eltern darum kämpfen, dass ihren Kindern die Freiheit der religiösen Unterweisung an den Schulen zurückgegeben werden muss:

1. Argument

Nur beim Wahlpflichtbereich Ethik/Religion hat jeder Schüler und jede Schülerin eine wirkliche Wahlfreiheit. Nur wenn der Religionsunterricht dem Ethikunterricht gleichgestellt ist, können sie sich entsprechend ihrer weltanschaulichen Grundüberzeugung wirklich frei für das Eine oder das Andere entscheiden.

2. Argument

Ethik als alleiniges Pflichtfach behandelt auch die unterschiedlichsten Schülerinnen und Schüler gleich. Der Wahlpflichtbereich Ethik/Religion nimmt dagegen durch seine Angebotsvielfalt die unterschiedlichen Prägungen der Schülerinnen und Schüler ernst. Gleichgültig ob Christ, Jude, Moslem oder Atheist, die Schülerinnen und Schüler werden so ernst genommen, wie sie sind. Die Wahlpflichtfächer Ethik bzw. Religion knüpfen individuell an die jeweilige weltanschauliche Grundüberzeugung der Schülerinnen und Schüler an. Dadurch wird die Wertevermittlung viel effektiver, da sie direkt am jeweiligen Erfahrungshorizont der Schülerinnen und Schüler ansetzt.

3. Argument

Die Wahlpflichtfächer Ethik bzw. Religion sind authentisch und fördern die Toleranz gegenüber Andersdenkenden. Hier lernen die Schülerinnen und Schüler nicht nur, den Wert ihrer eigenen Grundüberzeugung zu schätzen. Hier lernen sie auch, den Wert von Grundüberzeugungen an sich zu schätzen. Das fördert den Respekt und die Toleranz gegenüber den Grundüberzeugungen der Anderen. Und durch die dauerhafte Unterrichtskooperation mit den anderen Bekenntnissen bzw. Ethik verstärkt sich dieser Effekt noch!

4. Argument

Beim Wahlpflichtbereich Ethik/Religion sind die Lehrerinnen und Lehrer nicht auf die theoretische Wertevermittlung beschränkt. Als Vertreter der jeweiligen Grundüberzeugungen können sie die Werte aus Überzeugung selbst vorleben. Theorie und Praxis gehen Hand in Hand.

5. Argument

Ethik als alleiniges Pflichtfach steht in einem Dilemma. Es soll Werte vermitteln, muss aber als alleiniges, nicht abwählbares Fach weltanschaulich neutral sein. Es gibt aber keine echte Wertevermittlung ohne ein Bezugssystem. Und ein Bezugssystem ist immer an weltanschauliche Grundüberzeugungen gekoppelt - unabhängig davon, ob diese nun säkular-humanistisch, oder religiös begründet sind.

Das Wahlpflichtbereich Ethik/Religion befreit Ethik aus diesem Dilemma. Hier gibt es kein Unterrichtsmonopol mehr für Ethik und damit auch nicht die unerfüllbare Verpflichtung zur weltanschaulichen Neutralität.

6. Argument

Wertevermittlung im Fach Ethik ist weltanschaulich nie neutral. Wird Ethik - wie in Berlin - zum alleinigen Pflichtfach, mischt sich der Staat unnötig in Weltanschauungsfragen ein. Das widerspricht der staatlichen Neutralitätspflicht.
Mit der Einführung des Wahlpflichtbereichs Ethik/Religion wird dieser Widerspruch aufgelöst: Der Staat hält sich völlig zurück. Allein die Schülerin bzw. der Schüler entscheidet, ob sie bzw. er eine säkular-humanistische oder konfessionell gebundene Wertevermittlung bevorzugt.

7. Argument

Der Wahlpflichtbereich Ethik/Religion vermindert die Gefahr von Fundamentalismus. Religiöse Fanatiker und radikale Extremisten gibt es leider überall. Als ordentliches Lehrfach kann der Religionsunterricht an den Schulen ein wichtiger Gegenpol sein. Hier erfahren die Schülerinnen und Schüler, dass Religion und Verfassungstreue keine Gegensätze sind. Hier erfahren sie im interreligiösen Dialog mit den anderen Weltanschauungen ganz konkret, dass das Ausleben der eigenen Grundüberzeugung den Respekt und die Toleranz gegenüber dem Andersdenkenden nur vertiefen kann.

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>Link zur Berliner Initiative ProReli