Harry Potter: Am Ende wird alles gut

Harry Potter: Am Ende wird alles gut

Das letzte Harry Potter Buch unterstreicht die ewige Macht des Guten, die selbst in den Charakteren schlummert, von denen man es am wenigsten erwartet. Simone Rüssel hat eine hilfreiche Rezension des letzten Harry Potter Bandes von E. Quinn aus dem Englischen übersetzt.


Nach der Lektüre von Harry Potter und die Heiligtümer des Todes beschleicht den Leser das überwältigende Gefühl von zwiespältiger Genugtuung. Mehr als die vorangegangenen sechs Bücher bringt der letzte Band der Reihe den Leser zum Grübeln über die Feinheiten von Schicksal und freiem Willen. Ein richtiges Ende wird nur für das Quartett erzählt, auf das sich Rowling schon immer konzentriert hat: Harry, Voldemort, Dumbledore und Snape. Die Geschichte aller anderen – selbst derjenigen, die sterben – wird auf eine Art und Weise beendet, die ausreichend und irgendwie unbefriedigend zugleich ist, wie das Ende eines langen Besuches von Freunden, der sehr schön war aber nur einen noch stärkeren Wunsch hinterlässt, dass sie bleiben mögen.

Die Heiligtümer des Todes hat auch seine lustigen Augenblicke. Mein persönlicher Favorit ist Freds Vergleich zwischen Voldemort, der sich mit erstaunlicher Schnelligkeit bewegen kann und Snape, der diese noch übertrifft, wenn er mit Haarshampoo konfrontiert wird. Aber alles in allem ist dieses Buch das düsterste, und sicher wird es viele Emotionen von Fans auslösen, die den Verlust von so vielen lieb gewonnenen Figuren bedauern werden.

Jeder, der gehofft hatte, dass das letzte Harry Potter Buch die Autorin in dieselbe Liga befördern würde wie Lewis oder Tolkien, sollte noch einmal darüber nachdenken. Rowling selbst hat das nie verlangt, obwohl ihre Inspiration auf denselben Mythos zurückgeht, der auch schon die Basis für Die Chroniken von Narnia und Der Herr der Ringe war.

Harry Potter sollte nie eine fantastische Interpretation des christlichen Glaubens sein oder eine weitreichende Suche nach Glück von kleinen Leuten gegen ein mysteriöses und mächtiges Böse. Stattdessen spielt die Geschichte in der sehr realen, modernen und fehlerhaften Welt, in der wir leben; die Figuren sind voller Fehler und sehr menschlich, auch wenn sie magische Talente haben, und daher wird das für Fantasy-Geschichten übliche Schwarz-Weiß früherer Generationen durch eine ganze Palette von Grautönen ersetzt.

Immer wieder müssen wir in den Harry Potter Büchern erkennen, dass keiner der Charaktere perfekt ist; in den Heiligtümern des Todes erscheinen viele Handlungsmotive sehr fragwürdig, und keine mehr als die von Albus Dumbledore, dem verstorbenen Schulleiter von Hogwarts. Während Rowling in den vorangegangenen Teilen Dumbledore genauso menschlich wie alle anderen dargestellt hat, beschäftigt sich ein großer Teil dieses Buches damit, seine dunkle Vergangenheit aufzudecken, was Harry – und die meisten anderen Zauberer – an seinen wahren Intentionen zweifeln lässt. Rowling entlastet ihn dabei nicht von allen Unterstellungen, sondern in ihrer Auflösung muss Dumbledore schließlich seine Jugendsünden wie Stolz, Egoismus und falsche Entscheidungen voll eingestehen. Für einige mag dies ein Grund zur Besorgnis sein (und für die größeren Kritiker ein Grund für Zensur), aber für mich ist diese Aufdeckung der sehr menschlichen Natur der Hauptfiguren eine der größten Leistungen von Rowling. Der Erfolg von Harry und seinen Freunden kommt durch das Lernen aus Fehlern und weniger durch das einfache gut sein oder zaubern können.

Magie an sich ist wie jede andere Kraft, die wir Muggel besitzen, neutral – Geld, Einfluss, Rhetorik oder das geschriebene Wort; erst durch das, was wir daraus machen, wird es gut oder böse. Gute Menschen können manchmal schlechte Dinge tun, und „schlechte“ Menschen können sich ändern und durch ihr Handeln Gutes bewirken, selbst wenn es sie das Leben kostet. Dies können wir an den Handlungen von Peter Pettigrew, Draco Malfoy und am meisten von Severus Snape sehen.

Was mich in diesem letzten Buch, wie bereits in den vorangegangenen, sehr beeindruckt hat, ist die große Einsicht der Jugendlichen; so ist es Dudley, der Harrys Größe nach so vielen Jahren anerkennt; Hermine, die weiterhin zu Harry hält, obwohl seine Aufgabe hoffnungslos erscheint; Neville, Luna und Ginny, die in der von Todessern übernommenen Schule verbleiben und den Widerstand organisieren; Draco, der es ablehnt, seine Schulkameraden zu betrügen, selbst im Angesicht möglichen Leidens und Folter; Harry, der Lupins Hilfe ablehnt und ihm stattdessen rät, nach Hause zu seiner schwangeren Frau zurückzukehren; und Harry, der beschließt, weiterhin Dumbledore zu vertrauen, trotz der Beweise, dass sein verstorbener Schulleiter nicht gerade perfekt war.

Bei einigen Gelegenheiten tun die Hauptfiguren Dinge, die den Wünschen und Anweisungen der erwachsenen Autoritätspersonen nicht entsprechen, so z. B. als Ron, Hermine und Harry Mrs. Weasley und später Lupin nicht verraten, was Dumbledores letzte Anweisung an sie war. Letztendlich erweisen sich ihre Entscheidungen als richtig und unterstreichen eine wichtige Lehre, die Rowling meines Erachtens über die ganze Reihe beständig wiederholt: Es liegt in der Verantwortung der Erwachsenen, ein positives und solides Fundament von Werten und Verhaltensweisen in die ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen (sowohl eigene als auch andere, die sich in ihrem Schutz befinden) zu legen und darauf zu vertrauen, dass diese Lehren verstanden und dem Alter entsprechend angewandt werden. Diese zweiseitige Lehre kommt hier in Die Heiligtümer des Todes noch einmal stark zum Tragen, wo Glaube und Hoffnung zusammenkommen, um Rowlings Botschaft zu unterstreichen: Die stärkste Macht, die größte Magie, das letzte Ziel und die größte Errungenschaft in unserem Leben ist Liebe.

Wenn wir aus freiem Willen versuchen das Gute zu tun – das ist das Maß für unsere wahre Größe –, dann macht erst die Liebe diese Taten möglich. In den Heiligtümern des Todes leuchtet diese Wahrheit bei keinem mehr auf als bei Severus Snape. Die wahre Treue von Snape wird erst am Ende enthüllt, und es zeigt sich – entgegen den Erwartungen vieler Leser –, dass er zu Dumbledore hielt, weil er sein Leben lang Lily Evans, Harrys Mutter, geliebt hat. Snape verliert sein Leben wegen seiner Taten, die er aus Liebe zu Lily vollzieht, und er ist nicht der einzige, der dieses letzte Opfer aus Liebe bringt.

Ron und Hermine riskieren wiederholt ihre Sicherheit, um Harry zu helfen; Tonks stirbt, weil sie es nicht ertragen kann, dass ihr Ehemann ohne sie gegen die Todesser kämpft; Molly Weasley riskiert ihr Leben bei einem Kampf mit Bellatrix Lestrange, um ihre Tochter Ginny zu schützen; Dobby opfert sich, um seinen verehrten Harry Potter zu retten; und Harry selbst bietet sein Leben an aus Liebe zu den anderen, damit sie verschont bleiben. Er ist überzeugt, dass er sterben wird, wenn er sich Voldemort stellt und dem Dunklen Lord die Gelegenheit gibt, den Avada Kedavra-Fluch auf ihn loszulassen. Stattdessen kommt er zu einem Limbo-ähnlichen King's Cross Bahnhof, wo ihm Dumbledore erklärt, dass er gerade wegen seiner „Liebe, Treue und Unschuld, von der Voldemort nichts versteht“, in die Welt zurückkehren und ihn besiegen kann.

Auch wenn von vielen Charakteren das Ende unklar bleibt – Luna, einem großen Teil der Weasley Familie, den meisten Lehrern und Schülern von Hogwarts und vielen weiteren, die wir in den Büchern kennen gelernt haben, so zeigt Rowling doch, dass das Leben weitergeht, und selbst im Epilog ist Liebe das zentrale Thema für Rowling: die freundschaftliche Liebe, die sich zu der eines Paares und einer Familie entfaltet, der Art von Liebe, die zeigt: „alles ist gut“.

Elizabeth Quinn, 27 J., hat Anglistik und Geschichte an der Universität von Neu Süd Wales, Sydney studiert.

Nicht eindeutig gut...

Auf der Suche nach der gepriesenen Großartigkeit habe ich seinerzeit vier Bände gelesen, um dann doch feststellen zu müssen, dass wohl nichts Genialeres zu finden ist als was die spannenden Bücher meiner Jugend enthielten.

Finde daher auch, dass Lewis und Tolkien in einer anderen Liga spielten.

Kann also über die letzten Bände nichts Schreiben, möchte aber mein Bedauern ob der Tatsache ausdrücken, dass es in den Potterbänden nichts gibt, was von einem wirklichen und klaren Gutem zeugt.