Neue Diskussion: Jungen und Mädchen in der Schule trennen

Neue Diskussion: Jungen und Mädchen in der Schule trennen

Eine alte Diskussion flammt rund um den Bildungsgipfel wieder auf: Sollen Jungen und Mädchen in der Schule ganz oder wenigstens zeit- und fächerweise getrennt unterrichtet werden? Auf unserer Seite finden Sie in verschiedenen Beiträgen die Pro- und Contra-Argumente aufgeführt (siehe Links im Artikel). Neu ist nur, dass die sog. reflexive Koedukation neuerdings quer durch die Parteien viele Befürworter findet.

von Horst Hennert
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Bekannte Argumente werden neu zur Kenntnis genommen

Die Benachteiligung der Jungen in der Schule wird inzwischen zwar als ein bekanntes Faktum gehandelt, aber unter den Pädagogen herrscht Ratlosigkeit, wie die Jungen wieder den Anschluss an die Mädchen finden können.

Dass Mädchen in Mathematik und in den Naturwissenschaften bessere Leistungen erbringen und mehr Interesse für diese Fächer zeigen, wenn sie unter sich sind, ist durch viele Untersuchungen nachhaltig belegt. Ebenso bekannt ist die Tatsache, dass Jungen in Deutsch und in den Fremdsprachen von ihren Klassenkameradinnen „abgehängt“ werden.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hatte beim Bildungsgipfel erklärt: „In einzelnen Fächern in bestimmten Altersstufen kann getrennter Unterricht von Jungen und Mädchen durchaus sinnvoll sein.“ Auch der familienpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Johannes Singhammer (CSU), und die CDU-Abgeordnete Michaela Noll (CDU) sprachen von einem "richtigen Ansatz, um auch den Schulerfolg von Jungen gezielter zu fördern".

NRW prescht vor

In NRW dürfen die Schulen selbst entscheiden, in welchen Fächern und Klassen Jungen und Mädchen getrennt unterrichtet werden sollen. Schulministerin Barbara Sommer (CDU) sagte gegenüber der Rheinischen Post: „Ich bin der Meinung, dass eine phasenweise Trennung von Mädchen und Jungen durchgeführt werden soll, wenn dies pädagogisch sinnvoll ist.“ Dies geschieht in einigen Schulen bereits in Sport, Informatik und Sexualkunde. „Sinnvoll könnte es aber auch beispielsweise in der Leseförderung mit speziellen Angeboten für Jungen sein“, sagte Sommer. Auch der Chef des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, begrüßt den Vorschlag: „Es ist nachgewiesen, dass auf reinen Mädchengymnasien erheblich mehr Mädchen Leistungskurse in Mathematik und Naturwissenschaften wählen.

In NRW ist die getrenntgeschlechtliche Erziehung keine Seltenheit und wird auch von vielen Eltern gewünscht. So werden aktuell mehr als 22.000 Mädchen und rund 3.200 Jungen an reinen Mädchen- bzw. reinen Jungenschulen unterrichtet.

Reflexive Koedukation oder ganz getrennt geschlechtlich?

Viele Pädagogen propagieren nach den eindeutigen Forschungsergebnissen die reflexive Koedukation, wobei Mädchen und Jungen in bestimmten Fächern getrennt unterrichtet werden, meist in Sport, Informatik und Sexualkunde und in der Leseförderung. Letzteres kommt besonders den Jungen zugute. Sie verlieren aber im Bildungswettstreit mit den Mädchen auch deswegen, weil sie unter dem Mangel an männlichen Grundschullehrern leiden. Es fehlen ihnen männliche Identifizierungspersonen. Das beginnt in den Kitas, setzt sich in den Grundschulen fort und bleibt in den geisteswissenschaftlichen Fächern auch auf den weiterführenden Schulen ein Jungenproblem.
Nur an das Thema, dass für einige Jungen und einige Mädchen reine Jungen- oder Mädchenschulen die beste erzieherische Alternative wäre, wagt sich niemand heran; selbst wenn es noch so oft durch Untersuchungen erwiesen wird, dass dies ein bedenkenswertes Angebot an Eltern sein könnte, die dies für die bessere schulische Lösung für ihre Kinder halten.

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Links zum Thema

> Koedukation – eine Errungenschaft oder ein historischer Irrtum?

> Mädchen haben die Jungen weltweit abgehängt