Wider die Langeweile in der Schule
Viele Erwachsene erinnern sich an langweilige Phasen ihre Schulzeit. Das war meist dann der Fall, wenn der Stoff trocken vermittelt wurde, der Lehrer nicht mit Enthusiasmus bei der Sache war, man kein Interesse für das Thema entwickeln konnte oder gar nicht wusste, worum es geht. Nun forscht der Konstanzer Professor Thomas Götz zur Langeweile in der Schule.
von Horst Hennert
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Lässt sich Langeweile in der Schule vermeiden?
Jeder kennt die Situation, dass man den Eindruck hat, die Zeit steht still, z.B. wenn man bei etwas festgehalten wird und eigentlich etwas anderes machen möchte. Dieses Empfinden kennen viele Schüler, wenn sie im Unterricht „abschalten“, nur auf das Pausenzeichen warten, um endlich etwas tun zu können, was sie mehr interessiert. Langeweile kann bei Unter- und bei Überforderung der Schüler auftreten. In beiden Fällen behindert die aufkommende Langeweile fruchtbares Lernen.
Die Reaktion bei Schülern, wenn sie sich langweilen: „ Wir tun so, als würden wir uns nicht langweilen, damit wir keinen Ärger kriegen.“
Professor Götz sieht das Problem für die Schule vor allem in der Herausforderung an die Lehrer, jedem individuell gerecht zu werden, was er aber für kaum möglich hält: „ Das Problem ist, dass wir in unseren Schulen sehr heterogene Klassen haben. Die Leistungsspannbreite in den Klassen ist sehr groß, auch an unseren Gymnasien. Das heißt, einem Lehrer wird es, auch wenn er sich noch so bemüht, kaum gelingen, dass er immer alle individuellen Interessen trifft und auf unterschiedliche Begabungen adäquat eingeht. Und deswegen werden sich Schüler immer zu einem gewissen Grad langweilen, außer man findet Unterrichtsformen, in denen man sehr stark individualisiert unterrichtet, was sicherlich erstrebenswert ist.“
In der Lehrerbildung müsse auf die Heterogenität in den Klassen noch viel mehr eingegangen werden, um die Lehrer besser auf ein gutes, interessantes und möglichst weit gehend individualisiertes Unterrichten vorzubereiten.
Weg von den Strukturdebatten
Die Diskussionen um Gesamt- oder Ganztagsschulen, zwei- oder dreigliedriges Schulsystem, acht- oder neunjährige Gymnasialzeit, all dies sei eine Flucht vor der eigentlichen Herausforderung: nämlich einen immer besseren Unterricht zu halten. „ Wir brauchen einen guten Unterricht. Das ist natürlich schwieriger zu definieren, darum stürzen sich viele in diese Strukturdebatte.“, resümiert der Konstanzer Professor.
Kehren wir in Gedanken noch einmal zu unserer eigenen Schulzeit zurück. Wann hat uns ein Unterricht gefesselt, wann waren wir ganz bei der Sache, wann haben wir vielleicht sogar zusätzliche Aufgaben gemacht? Immer dann, wenn es dem Lehrer durch seine Persönlichkeit und seine eigene Begeisterung für den Stoff gelungen ist, in den Schülern etwas zum Mitschwingen zu bringen, was nichts mit den Schulstrukturen zu tun hatte. Vielleicht können wir diese Erfahrung weitergeben und uns jenseits der ermüdenden Bildungsdiskussionen wieder mit der eigentlichen Vermittlung von Bildung beschäftigen. Die Schüler würden uns für die Befreiung von Langeweile dankbar sein.
Vollständiges Interview: An Schulen dominiert Langeweile
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