Fernsehen im Kleinkindalter
In (fast) jedem deutschen Wohnzimmer steht er und läuft normalerweise viele Stunden am Tag. Und das oft unabhängig davon, ob kleine Kinder im Raum sind. Eine neue Studie des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) befragte 776 Mütter von 0- bis 5-jährigen Kindern zu ihrem Fernsehverhalten. In einem Interview berichtete die Leiterin des IZI und Kinderfernsehexpertin, Frau Dr. Maya Götz, über einige der Ergebnisse aus dieser Studie, die hier zusammengefasst wiedergegeben werden.
von Bert Pfahl
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Fernsehen schon als Embryo
Es konnte schon verschiedentlich nachgewiesen werden, dass Babys bereits im Bauch ihrer Mutter, wenn diese vor dem Fernseher sitzt, Töne, Musik etc. wahr- und aufnehmen, die sie später wieder erkennen. Der derzeitige Fernsehkonsum bei Kleinkindern, so ermittelte die Befragung, weist aus, dass schon im ersten Lebensjahr 17% der Mütter ihre Kinder fernsehen lassen. Bei den 2-3Jährigen steigt der Konsum auf 74% und bei den 4-5Jährigen auf 96%. Oft ist den Eltern nicht bewusst, dass auch Kleinkinder, selbst wenn sie nicht direkt auf den Fernseher schauen, die Musik, bedrohliche Töne und Stimmungen, sowie das Flackern des Fernsehschirms mitbekommen. Im Alter ab 1 1/2 Jahren nehmen sie dann bewegte und bunte Bilder wahr, sowie einfache Handlungsabläufe.
Schon bei Zweijährigen kann sich eine gewisse Abhängigkeit von regelmäßigen Sendungen einstellen, wie ein Vater erzählte, dessen Sohn regelmäßig „Teletubbies“ sah und seine innere Uhr auf 18.00 Uhr einstellte. Dann fand er sich täglich vor dem Fernseher ein und wartete darauf, dass eingeschaltet wurde.
Verantwortlicher Umgang mit dem Medium
Wenn Väter, auf die Kinder aufpassen, gehen sie meist sorgloser mit dem Fernsehen um, weil ihnen weniger bewusst ist, was Kinder schon alles mitbekommen. Dabei ist es selbstverständlich, dass die Verarbeitungsmöglichkeit von Kindern, vor allem von bedrohlichen Szenen oder von Gewaltdarstellungen, viel weniger ausgeprägt ist als bei Erwachsenen. Daher kann man nur abraten, Kinder alleine vor dem Fernseher zu lassen oder ihnen Programme zuzumuten, die nicht ausdrücklich für dieses Alter bestimmt sind. Die „Babysitter-Funktion“ kann das Fernsehen ohnehin nicht übernehmen, da es sich dabei um Zeiten handelt, wo die Eltern außer Haus sind und ein Betreuer anwesend sein muss. Aber für kurzzeitiges Ruhigstellen des Kindes, wenn die Mutter z.B. in einem anderen Zimmer arbeiten muss, wird der Fernseher häufig eingesetzt.
Ratschläge an Eltern von Kleinkindern
Da es nur in wenigen Familien erreichbar sein dürfte, ganz auf Fernsehkonsum zu verzichten, wenn Kleinkinder im Haus sind, ist es wichtig, hilfreiche Regeln aufzustellen, womit eine Regulierung der Fernsehgewohnheiten erreicht werden kann. Es sollte klar feststehen, welche Sendungen in welchem Alter von den Kindern gesehen werden dürfen. Davon sollte es dann auch keine Ausnahmen geben. Diese Sendungen sollte immer ein Erwachsener zusammen mit dem Kind anschauen, um darüber auch zu sprechen und so bei der Verarbeitung des Gesehenen mitzuhelfen. Je später mit dem Fernsehkonsum begonnen wird, um so besser für die Kreativität der Kinder.
Denn Eltern sollten sich bewusst machen, dass Kleinkinder sich die Welt nicht durch das Fernsehen erobern, sondern dadurch, dass sie die Dinge be- und ergreifen, anfassen, selber ausprobieren. Bei dieser eigentlichen kindlichen Welteroberung kann aber das Fernsehen nicht helfen, sondern es ist eher hinderlich.
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Links
Internationales Zentralinstitut für das Bildungs- und Jugendfernsehen (IZI)
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