Jungs im Abseits

Jungs im Abseits

Die Erkenntnis, dass mittlerweile Jungs anders als noch vor Jahrzehnten die Bildungsverlierer sind, ist längst zum Allgemeinplatz geworden. Aber was sind die Ursachen insbesondere für ihre mangelnde Motivation? Was könnten Lösungsansätze des immer weiter verbreiteten Problems sein? In der aktuellen Debatte bietet das soeben auf Deutsch erschienene Buch des US-amerikanischen Psychologen und Kinderarztes Leonard Sax interessante Diskussionsbeiträge

Rezension von Bernd Kreuels, Münchner Merkur
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Jungs im Abseits. Kösel-Verlag, 288 Seiten, ISBN 978-3-466-30822-4, 17,95 Euro

Neuerscheinung zum Thema Schule. Die schulischen Defizite der Buben führt er vor allem auf fünf Komplexe zurück: Schul- und Unterrichtsformen, die zu wenig auf die – von Mädchen verschiedenen – Entwicklungsprozesse der Jungen eingehen; der zu hohe Konsum von häufig gewaltverherrlichenden Video- und Computerspielen mit einer künstlichen, isolierten Welt (ab sechs Stunden wöchentlich wird es laut Sax bedenklich); Veränderungen im Hormonsystem durch Giftstoffe in Plastikflaschen und Lebensmitteln; eine übertriebene Medikation bei der Behandlung von Aufmerksamkeitsdefiziten und Hyperaktivität (ADHS) und schließlich fehlende männliche Vorbilder im Bildungswesen.

Ein möglicher Weg aus der Krise – wenn auch nicht „das Allheilmittel, aber ein guter Anfang“ – ist seinen Studien zufolge der getrennte Unterricht, um den teilweise stark voneinander abweichenden Bedürfnissen von Jungen und Mädchen besser gerecht zu werden. Gerade bei der Einschulung ist das männliche Geschlecht seiner Erfahrung nach oft kognitiv und physisch noch nicht so weit wie das weibliche und daher bald frustriert. Diese Problematik erfordere einen anderen Unterricht, wofür Lehrer speziell ausgebildet und Schulbücher auch unter- schiedlich aufbereitet werden müssten.

Abraham weidet seine Schafe anderswo.

www.erziehungstrends.de verfolgt ähnliche Themen bereits mit anderen Beiträgen. Die Themen Erziehung und Unterricht interessieren mich sehr. Ich bin Lehrer in der I. und der II. Sekundarstufe. Das Votum für eine geschlechterspezifische Erziehung und Schulung unterstütze ich sehr. Die Schüler verschiedenen Geschlechts stören einander: In den ersten beiden Klassen der Sekundarstufe I stelle ich enorme Begabungs- und Motivationsdifferenzen zwischen Jungen auf der einen und Mädchen auf der anderen Seite fest; mit Beginn der Pubertät führt die Anwesenheit von Vertretern des jeweils anderen Geschlechts zu großer Ablenkung, zu Hemmungen und Überreaktionen. Dieses Problem legt sich erst in der Oberstufe – vermutlich aber aus einem traurigen Grund: Bis zu diesem Zeitpunkt haben die meisten Jungen und Mädchen schon etliche Sexualpartner gehabt und sind abgekühlt.

Sax hat sicher recht mit seinen Forderungen, vielleicht auch mit seiner Ursachenanalyse. Ich brauche nicht zu betonen, daß der gesellschaftliche Trend umgekehrt verläuft: Wir sind auf dem direkten Weg in ein Matriarchat inmitten eines neuen Babylons. Teil der Selbstinszenierung dieses Molochs der Moderne ist die Überfremdung der Welt der natürlichen erotischen Gefühle und Sehnsüchte der Menschen mit billiger Pornographie. Sie ist überall und jederzeit verfügbar – für jeden, auch für Kinder und Jugendliche also. Sie wird aufgedrängt. Die Bilder fressen sich in die Gehirne der jungen und jüngsten unter uns, vergiften ihre Seelen, lähmen ihren inneren Trieb, ihre Sehnsucht, veräußerlichen ihre Sexualität und lassen die Blume so früh erblühen, daß sie bereits vor der Reifezeit stirbt und wenig oder keine Frucht bringt. Dies ist das Programm gegen Gottes Weisung: Mehret Euch und ...

Die Forderung nach einem geschlechterdifferenzierten Unterricht wird in den Lehrerausbildungsseminaren seit Jahren unter dem Titel Gender diskutiert. Das ist fatal. Zum einen sollen geschlechtliche Spezifika binnendifferentiell berücksichtigt werden; zum anderen plädiert man neuerdings sogar vermehrt für eine Differenztilgungsstrategie unter dem Titel Ausgleichspädagogik nach der Machart der neuen Gerechtigkeit. Lehrer, die anders denken bzw. entscheiden, werden sozial ausgegrenzt, aus Laufbahnen herausgetrieben oder gar beruflich kaltgestellt. In der Ausbildung ist ein Pro für die äußere Differenzierung der Geschlechter ein Out-Kriterium. Dies alles macht deutlich: Sax kommt nicht etwa zu spät; es hätte nie ein Rechtzeitig geben können. Als die Koedukation auf den Plan gerufen wurde, war bereits entschieden: Das traditionelle Geschlechterverständnis muß getilgt, der Mensch in die Indifferenz abgetrieben werden. Diese Strategie ist Bestandteil des umfassenderen Programms der Vernichtung des Menschen.

Geschlechtsspezifische Schulen aus privater Hand gründen und vorhandene pflegen, solange dies zugelassen wird – dies ist der richtige und leider einzig mögliche Weg. Wir können Babylon nicht retten. Lot herausholen – wird Gott sicher. Dabei können wir helfen: ekklesiam. Abraham weidet seine Schafe anderswo.