‘Ich sollte besser warten.’

‘Ich sollte besser warten.’

Erstaunlich eindrucksvolle Botschaften zum Thema „Teenage Sex“ und Elternschaft in einer MTV- Serie - Durchaus konservative Botschaften über vorehelichen Sex sind an ungewöhnlicher Stelle erschienen: auf MTV, dem Music-Television-Network. MTV’s neue Reality-Serie, Schwanger mit 16, beobachtete mehrere 16 Jahre alte amerikanische Mädchen über 5-7 Monate ihrer Schwangerschaften und dokumentiert ihre Erfahrungen mit der jungen Mutterschaft.

von Christopher Blunt - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
---

Die kürzlich fertiggestellte erste Staffel porträtiert 6 Mädchen, jede in einer eigenen, einstündigen Episode. Die Produzenten bieten keine Ideologie an, die Episoden sind auch nicht darauf angelegt, bestimmte Meinungen zu transportieren. Die Geschichten dieser Mädchen bieten jedoch implizit einen wichtigen Anschauungsunterricht, die der Zielgruppe „Teenager“ traditionelle Wertvorstellungen auf sehr rationale Weise an die Hand gibt, die ihnen anderweitig vielleicht nie vermittelt werden.

Verhütung ist unsicher und oft kontraproduktiv

Allen vorgestellten Jugendlichen war klar, woher die Babys kommen, und sie kannten Verhütungsmethoden; viele nutzten Kondome, zumindest zeitweise. Dahingehend folgten sie den Ermahnungen von Eltern und Erziehern, „sich zu schützen“; wenige schienen angehalten worden zu sein, „Verzicht zu üben“. Einem Jungen hatten die Eltern seit seinem 10. Lebensjahr eingeschärft, nur ja ein Kondom zu benutzen, wenn er Geschlechtsverkehr haben sollte.

Eine Wirkung dieser elterlichen Ermahnungen und der oft aufdringlichen Sexualerziehung in der Schule ist die Weckung sexueller Bedürfnisse und die Stimulation pubertärer Promiskuität. Im entscheidenden Moment sind –wer wollte darüber erstaunt sein- Teenager ähnlich „gewissenhaft“ wie beim Aufräumen ihres Zimmers oder beim Wegbringen des Abfalls. „Hätten wir keine Kondome gehabt, hätten wir es dennoch getan“, so eine Aussage. Und ein Mädchen meinte: „Ich hätte nein sagen können, als wir kein Kondom hatten, aber ich habe es nicht getan.“

Neugeborene beanspruchen viel mehr Zeit, Energie und Kräfte und verursachen weit mehr unvorhersehbare Belastungen, als sich eine so junge Mutter vorstellen kann

Die fünf Mädchen, die ihre Babys behalten wollten, waren binnen Stunden, nachdem sie aus der Klinik nach Hause kamen, komplett überbeansprucht. Keine von ihnen war auf die nicht enden wollenden Ansprüche eines Neugeborenen vorbereitet und auch nicht auf die heftigen Schlafeinbußen, die mit den Bedürfnissen des Kindes einhergehen. Eines der Kinder entwickelte eine chronische Krankheit, die auf Dauer medizinische Behandlung erfordert.

Eines der Mädchen sieht sich nun um ihren größten Wunsch gebracht, Pilotin der Air-Force zu werden. Für alle erweist es sich als äußerst schwierig, die Schule weiter zu besuchen; zu Hause lernen ist beinahe unmöglich, wenn ein Baby zu versorgen ist. Für die, die weiter studieren wollen, wird die Versorgung des Kindes durch z.B. eine Tagesmutter zu einem großen finanziellen Problem. Die Mädchen wurden alle, wie aus heiterem Himmel, von einer unerwarteten Ausgrenzung betroffen; sie sind manchmal wochenlang ans Haus gebunden, ihre ganze Zeit wird vom Baby beansprucht, während ihre Freunde weiter -ohne sie- Partys feiern und sich vergnügen. Isolation und Beanspruchung werden noch bedrückender empfunden, weil….

ihr Freund, der Vater des Kindes, selbst wenn er auftaucht, keine Hilfe ist

Bis auf wenige Ausnahmen haben die Väter mit ihrer Unreife und dem Mangel an Verantwortungsbewusstsein zu kämpfen. Das zeigt sich insbesondere, wenn die Mutter mit dem Kind nach Haus kommt. Einer gibt mal eben 480$ für eine neue Spielkonsole aus, obwohl die Freundin große finanzielle Sorgen hat. Andere nehmen jede Gelegenheit wahr, mit ihren Freunden loszuziehen und zeigen keinerlei Initiative, sich auch einmal um ihr Kind zu kümmern, wenn sie denn mal zu Hause sind. Ein Mädchen sagt in ihrer Verbitterung: „Ich musste praktisch über Nacht erwachsen werden und ich möchte, dass mein Freund auch ein wenig erwachsener wird.,“ Selbst der verantwortungsvollste Vater, der sich wirklich ernsthaft bemüht, das Baby zu versorgen, muss zugeben, dass ihm Ausbildung und Erziehung fehlen, einmal genügend Geld zu verdienen, damit das Paar mit dem Kind eine eigene Wohnung beziehen kann.

Adoption ist ein Akt uneigennütziger Liebe, die allen Beteiligten Seelenfrieden bringen kann

Das sechste Paar, Catelynn und Tyler, kamen bereits am Beginn der Schwangerschaft zu der Überzeugung, dass ihnen alle Voraussetzungen fehlen, ihrer ungeborenen Tochter die Möglichkeit zu geben, so aufzuwachsen, wie man es sich vorstellt; deshalb entschlossen sie sich, das Kind zur Adoption freizugeben. Sie liebten ihr Kind sehr, wussten jedoch –auf Grund ihrer eigenen chaotischen Kindheit-. dass Babys mehr brauchen als nur Liebe.

Wir beobachten beide bei einem Treffen mit den Sozialarbeitern der Adoptionsvermittlung; sie wählen und treffen ein adoptionswilliges Paar und müssen sich heftige Vorwürfe ihrer eigenen Eltern anhören, die dem Plan entgegenstehen. Als das Baby übergeben wird, sind die Adoptiveltern überglücklich, bei den Eltern wird dagegen ihre Seelenqual überdeutlich. Doch, nachdem die Übergabe abgeschlossen und die Tränen getrocknet sind, kann Catelynn sagen: „Ich bin mit mir und meiner Entscheidung im Reinen“, - eine Aussage, die wir von keiner anderen der Mädchen gehört haben.

Die Episoden sind zwar oft peinlich und schwer anzusehen, doch wirken sie überzeugend und nehmen den Zuschauer in die Welt jedes einzelnen Mädchens mit. Das „Reality-Format“ ist hier besonders eindrücklich: Es werden keine Moralpredigten gehalten, was die Zielgruppe der Sendung ohnehin zurückweisen würde, sondern es bleibt jedem Zuschauer überlassen, seine eigenen Schlüsse zu ziehen.

Man wird natürlich nicht erwarten, dass MTV plötzlich ein Hort konservativer Kultur ist, oder sich der Familienförderung verschrieben hat. Die Episoden sind an einigen Stellen vulgär, sexuelle Aktivitäten unter Teenagern werden als „normal“ hingestellt und der Moderator der Abschlusssendung ermahnt die jugendlichen Zuschauer, nicht versuchen zu wollen, sich zurückzuhalten, sondern immer ein Kondom bei sich zu haben und es auch zu benutzen.

Und dennoch muss man beim Betrachten der einzelnen Episoden zu der Schlussfolgerung gelangen, dass frühe sexuelle Betätigung eine Rutschbahn ist, an deren Ende man ziemlich hart landet. Eines der Mädchen sagt gegen Schluss der Sendung: „Es sollte eigentlich jeden irgendwo an einer empfindlichen Stelle treffen, sodass ihm oder ihr klar wird: „Ich sollte besser warten.“

---
Dr. Christopher Blunt, ist Autor von Passport, einer ausgezeichneten Novelle über Alternativen und Konsequenzen vor denen ein junger Mann steht, der unerwartet erfährt, dass er Vater wird.