Eine kurze Reise durchs Internet (2)
Angenommen, Ihr Kind müsste auf dem täglichen Weg zur Schule ein Stadtviertel wie die Bronx in New York kreuzen (Bandenkriminalität, Drogenhandel, Raubüberfälle, Mord) – würden Sie nicht alles tun, um ihr Kind zu schützen bzw. alternative Schulwege aufzufinden? Wäre es für Sie in einer solchen Situation überhaupt denkbar, Ihr Kind allein zu lassen? Würde das Erlernen der Verkehrsordnung etwa ausreichen? Doch wenn wir unsere Kinder vor der Bronx bewahren, um ihre körperliche Unversehrtheit zu garantieren, sollten wir sie dann nicht auch in der Netzwelt begleiten, wo ihr Geist einer Vielzahl von Angriffen ausgesetzt ist: Pornographie, gewaltverherrlichende Seiten, Stimmungsmache, Agitation - Chatkriminalität.
von Markus Rüther
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www.verfall.de?
Nicht ohne Grund verzeichnen seelische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen gerade im letzten Jahrzehnt einen kontinuierlichen Anstieg: Angst- und Aufmerksamkeitsstörungen, Ess-, Sucht- und Zwangsstörungen, Borderline. Auch wenn die Netzwelt nicht für alles haftbar gemacht werden kann, sie ist das Einfallstor zur Welt. Und damit auch zur Unterwelt. «Es würde wohl niemand seinen Kindern erlauben, täglich durch ein Freudenhaus zu gehen, nur mal so zum gucken», schreiben besorgte Eltern in der Zeitschrift KOMMA. Doch wie können wir unsere Kinder wirkungsvoll schützen ohne sie ständig zu kontrollieren? Verbote führen zu nichts, da Kinder, denen der Zugang zum Internet verwehrt wird, «jede Gelegenheit wahrnehmen, unkontrolliert und meistens ohne Anleitung oder Aufsicht z.B. bei Freunden und Bekannten im Internet zu surfen». Inzwischen setzen immer mehr Eltern eine spezielle Hardware ein, mit deren Hilfe jede Internetseite vor dem Zugriff automatisch auf ihren Inhalt geprüft wird. Zum Beispiel mit einer von der Firma tuomi IT konfigurierten Firewall: «Ein Damm, der verhindert, dass pornografische und blutrünstige Websites den Weg auf den Bildschirm finden» (> www.tuomi.de). «Letztlich werden die Kinder so vor Dingen geschützt, die sie eigentlich selbst nicht wollen, und die sie aufgrund ihres Alters nicht verstehen und mit denen sie nicht umzugehen wissen», versichern Eltern, die das Schutzsystem erfolgreich einsetzen.
www.spiolino.de
Mit der Errichtung eines solchen Schutzwalls sind erst einmal die größten Gefahren gebannt, im zweiten Schritt sollten unsere Kinder dann lernen, den Computer zu führen anstatt vom Computer geführt zu werden. «Spiolino.de hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kindern einen richtigen Umgang mit Computer und Internet beizubringen», schreibt Jörg Schieb in dem Ratgeber «Surftipps – Die 300 besten Webadressen»: Email, Chatsystem, Forum, Nachrichten und Spiele. Sämtliche Bereiche werden von einer kompetenten Redaktion betreut «und sind sehr kindgerecht gestaltet». Die Seite richtet sich an Kinder zwischen acht und elf und zielt darauf, die Erlebnis- und Erfahrungswelt dieser Altersgruppe widerzuspiegeln. (> www.spiolino.de)
www.blinde-kuh.de
Unter dieser Adresse finden Kinder und Jugendliche einen «praktischen Suchdienst nur für Kinder». Denn bei der Abfrage über die bekannten Suchmaschinen für Erwachsene erscheinen oft jede Menge Angebote, die nicht kindertauglich sind. Das Suchtool blinde-Kuh-de schafft Abhilfe: «Die ideale Startrampe ins Internet», schreibt Jörg Schieb. Surftipps, Downloads, Rezepte (Kinder-Küche) und viele andere interessante Features ergänzen die Seite – ein echter Internetschatz. Empfehlung: blinde-kuh.de am besten als Startseite festlegen! (> www.blinde-kuh.de)
www.news4kids.de
Fragen, die Nachrichten- und Informationssendungen, die ja für Erwachsene gemacht sind, nicht beantworten, weil sie erst gar nicht gestellt werden, sind das Thema eines in Potsdam betreuten, gleichfalls zum Verbund (seitenstark.de) «renommierter deutschsprachiger Kinderseiten im Internet» gehörenden Portals. Die Seite liefert Erklärungen, Hintergründe, weiterführende und sinnvolle Links. Das Themenspektrum ist breit und wird spannend präsentiert. Aktuelle Nachrichten werden kindgerecht aufbereitet. Die Sprache ist einfach aber nicht oberflächlich, die Darbietung zeitgemäß aber nicht flüchtig. «Der Papst betet im Internet» - unter dieser Headline erfahren wir, dass Benedikt XVI. wahrscheinlich der modernste Papst ist, den es bisher gegeben hat. Beim Lesen dieser Meldung, deren inhaltliche Substanz wohl kaum auf einer der großen etablierten Nachrichtenseiten Platz haben dürfte, kam mir sogar der Gedanke, ob diese Seite nicht auch für Erwachsene gewisse Vorzüge bietet. (> www.news4kids.de)
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