Hausaufgaben können zur täglichen Familienplage werden
Eine Umfrage der Eltern-Community "Schule-und-Familie" hat jetzt dokumentiert, was sich in vielen Familien Tag für Tag abspielt: Um das schulische Wohl ihrer Kinder besorgte Eltern helfen ihnen jeden Nachmittag bei den Hausaufgaben. In mehr als einem Fünftel der 1120 befragten Familien lernen täglich Väter oder Mütter sogar mehr als eine Stunde mit ihren Kindern.
von Horst Hennert
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Nachmittäglicher Graus
Wer kennt nicht die Alltagssituation in vielen Familien: Nach dem Mittagessen müssen die Kinder antreten, ihr Hausaufgabenheft vorzeigen, um dann unter elterlicher Kontrolle einen Großteil des Nachmittags weiter mit der Schule beschäftigt zu sein. Wo dies der Fall ist, haben die Kinder oft ihre Tricks, um der Überwachung zu entgehen. In unbewachten Augenblicken schnell am Computer zu spielen, in einem spannenden Comic zu lesen oder einfach nur vor sich hin zu dösen und so viel Zeit unnütz zu vergeuden.
Denn viel lieber würden sie schnell nur das Nötigste erledigen, um sich dann ihren Spielen zuzuwenden. Steht am nächsten Tag eine Klassenarbeit an, geht oft noch zusätzlich Zeit für das Üben drauf: ein Szenario, das vielen Kindern die Schule und alles, was damit zu tun hat, unnötig verleidet.
Die bessere Alternative: Erziehung zur Selbstständigkeit
Um dem vorzubeugen, raten Pädagogen dazu, Kinder schon von der Grundschule an zur Eigenverantwortlichkeit zu erziehen. Der stellvertretende Vorsitzende des Grundschulverbands, Ulrich Hecker rät: "Kinder sollen ihre Hausaufgaben von Anfang an allein machen und schaffen das auch. Diese Selbstständigkeit ist wichtig, damit sie später auch in weiterführenden Schulen gut zurechtkommen." Für den Lehrer, der die Hausaufgaben überprüft, stellen sie eine wichtige Rückmeldung dar, was ein Kind nicht verstanden und wo es Förderbedarf habe.
Um dahin zu gelangen, müssen Eltern, wenn ihre Kinder in die Schule kommen, auch etwas lernen: Vertrauen in die eigenen Kinder setzen und in die Schule, deren Sorge es sein sollte zu überprüfen, ob die Schüler ihren Pflichten nachgekommen sind. Sollte das auf dieser Ebene nicht funktionieren, kann die Schule mit den Eltern immer noch Rücksprache nehmen und zu gemeinsamen Lösungen kommen.
Umfrageergebnisse zu Hausaufgaben
Die Umfrage der Elternzeitschrift "Schule+Familie" ergibt ein anderes Bild: Auf die Frage: „Müssen Sie Ihrem Kind bei den Hausaufgaben helfen?“ antworteten 38,7 % mit „Ja, täglich, weniger als eine Stunde.“ Auf eine tägliche Hilfe von mehr als einer Stunde kommen sogar 22,5 % der Eltern. Erschreckend bei dieser Umfrage ist, dass kein Elternpaar antwortete, dass die Kinder alleine klar kommen.
Auf diesem Hintergrund ist verständlich, wenn immer mehr Eltern sich dieser lästigen, aber aus ihrer Sicht nötigen Pflicht entziehen, indem sie für ihre Kinder eine Ganztagsschule suchen, aus der die Kinder am späten Nachmittag mit bereits erledigten Hausaufgaben kommen. Vielleicht sollten sie einmal versuchen, ihre Kinder zu einer eigenverantwortlichen Erledigung ihrer schulischen Pflichten anzuleiten. Das würde viele Familien vor unnötigem Stress bewahren.
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