Hausaufgaben - eine Herausforderung für die Eltern
Hausaufgaben bedrücken manchmal die ganze Familie: sind sie nicht erledigt, kann der Familienausflug oder der Einkaufsbummel nicht starten. Viele Eltern haben jedoch nicht die Zeit oder auch nicht das Fachwissen, um ihren Sprösslingen tagtäglich zu helfen. Ist diese Hilfe überhaupt von den Lehrern mit einkalkuliert? Helfen Eltern ihrem Kind wirklich, wenn sie ihm die Organisation, manchmal sogar die Lösung der Hausaufgaben abnehmen?
Wenn man den Begriff „Hausaufgaben“ hört, denkt man in erster Linie an die Schüler: sie sollen das Gelernte vertiefen, wiederholen, anwenden, Neues vorbereiten. Einige freuen sich darüber, dass sie am Nachmittag noch Beschäftigung haben; andere sehen es aber nicht so positiv, sich auch zu Hause noch mit Schule beschäftigen zu müssen. Hausaufgaben verlangen Einsatz und Ausdauer, manchmal auch Forschergeist, wenn es darum geht, neue Wege zu entdecken. Das Stichwort „Hausaufgaben“ kann auch zum Alptraum der Eltern werden, wenn diese sich nämlich selbst gefordert fühlen oder von diesem Thema nur zusätzliche Konflikte mit ihren Kindern erwarten.
Persönlichkeit bildender Aspekt
Wenn Kinder an ihre Pflichten gewöhnt werden sollen, können Hausaufgaben eine wichtige Rolle spielen. Unter diesem pädagogischen Aspekt ergänzen sie kleine Aufträge in Schule und Familie. In seiner Haltung zur Erledigung der Hausaufgaben kann das Kind als Person auch lernen, zu Mängeln, Unterlassungen, Oberflächlichkeiten und auch Vergesslichkeit zu stehen und mit Hilfe der Eltern an sich arbeiten. Wer möchte nicht, dass sein Sohn, seine Tochter, einmal im Beruf, aber auch schon vorher als verantwortlich, einsatzfreudig, Pflicht bewusst beurteilt wird. Pädagogisch gesehen ist hier ein Ansatzpunkt, der den Bereich Hausaufgaben in ein besonders positives Licht rückt: Persönlichkeitsbildung.
Konkrete Hilfestellung der Eltern
Eltern helfen sicher nicht, indem sie die Hausaufgaben vollständig übernehmen, so dass der Schüler dem Mathematiklehrer sagen kann: „Die Aufgabe ist so richtig, wie ich sie gelöst habe, mein Vater hat sie mir vorgerechnet!“ Anleitung ist gefragt, zum Beispiel zur Reihenfolge der Erledigung oder zur Selbstprüfung. Auch dass nicht nur schriftliche, sondern auch mündliche Hausaufgaben ihre Zeit kosten, will erinnert sein. Das Vokabel abfragen bei Beginn einer neuen Fremdsprache kann ebenfalls als Starthilfe nützlich sein. Kontrolle, vor allem bei jüngeren Kindern, ist wichtig; das bedeutet jedoch nicht, große Korrekturen, Hinsetzen und selbst die Aufgabe machen, sondern daran denken, dass hier der Lehrer gefordert ist.
Die Verantwortung des Lehrers
Hausaufgaben stellen auch für die Lehrer eine Herausforderung dar. Themen festlegen, Material sichten und auswählen, methodisches Vorgehen überlegen. All das jeweils an die entsprechende Lerngruppe angepasst. Der Lehrer muss an den Hausaufgaben erkennen können, wo der Stoff, eine Methode, eine Bearbeitung von Material nicht genügend geübt oder richtig verstanden wurde. Wenn die Eltern zu sehr helfen, merkt der Lehrer nicht, wie sein Unterricht bei den Schülern ankommt. Die Schule sollte den Schülern auch bezüglich Lerntechnik konkrete Anleitung geben, so dass sie zur selbstständigen Erledigung der Hausaufgaben in den verschiedenen Fächern befähigt werden.
Sind Lernhilfeeinrichtungen nützlich?
Lernhilfeeinrichtungen sprießen wie Pilze aus dem Boden. Die Eltern müssen hier teilweise viel zahlen. Es ist abzuwägen, ob die Lernhilfe wirklich voran bringt, oder aber einen negativen Einfluss auf die Motivation im Schulunterricht hat. Jemand, der weiß, dass die Aufgaben alleine bewältigt werden müssen, wird im Unterricht in der Regel aufmerksamer sein.
Die eigentliche Herausforderung an die Eltern
Das Thema Hausaufgaben ist mit anderen Lebensbereichen verbunden, wo das Kind erzieherische Hilfe braucht. Entscheidend ist, dass die Kinder möglichst früh Aufgaben und Verantwortung übernehmen lernen. „Du willst einen Hund? Dann musst Du auch die Fütterung und Pflege übernehmen!“ Wie bei den Hausaufgaben ist auch hier erzieherisches Durchhaltevermögen gefragt, damit die Kinder lernen, Verantwortung nicht nur hin und wieder und nur solange es Spaß macht zu übernehmen.
Das familiäre „Setting“
Wichtiger als die direkte Hilfeleistung bei den Hausaufgaben ist die häusliche Atmosphäre für den Lernerfolg. Kinder und auch Jugendliche reagieren sehr empfindlich auf familieninterne Störungen. Insbesondere Streitgespräche der Eltern in Anwesenheit der Kinder sind sehr belastend. Wenn die Kinder selbst Anlass für den Streit sind, wird die Sache besonders kritisch. Ganz unangebracht sind laute „Verhandlungen“ darüber, wer von den Eltern nun die Hausaufgaben des Kindes betreuen oder prüfen soll.
Fazit
Hausaufgaben sind auch für die Eltern eine Herausforderung, oft eine mehr indirekte. Eltern müssen den Kindern immer wieder Aufgaben übertragen, die altersangemessen sind und die auch einen Beitrag zum Wohlbefinden der ganzen Familie bedeuten. Die Erledigung dessen muss eingefordert werden, um den Kindern die Dimension der Verantwortung zu erschließen. Es ist dann auch leichter möglich, ihnen die Bedeutung der sorgfältigen Erledigung der Schulaufgaben deutlich zu machen. Ganz wichtig ist es, dass die Eltern dabei helfen, eine Struktur oder einen Plan in diesen Bereich hinein zu bringen – man sollte es eben nicht immer wieder „darauf ankommen lassen“. Hausaufgaben fordern Eltern sicherlich heraus. Sie sind aber ein besonders geeignetes Feld, den Kindern bei der Entwicklung von Selbständigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Durchhaltevermögen zu helfen.
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