97 Milliarden Stunden Hausarbeit
Gleich, um welchen Sektor der Erwerbstätigkeit es sich handelt, wenn die Diskrepanz zwischen erbrachter Leistung und gesellschaftlicher Anerkennung zu groß ist, kulminieren Frustration, Wut und Ohnmacht in Protestbewegungen, die gefährliche Entwicklungen in Gang setzen können. Erst zu Beginn des Jahres 2009 hatte der Vatikan ein Gehalt für Hausfrauen gefordert.
von Mark Rinasky
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«Warum wird die Arbeit einer Mutter nicht als produktive Arbeit betrachtet, während Kindermädchen bezahlt werden?», fragte damals der Präsident des päpstlichen Rates für die Familie. Nur scheinbar wurde in Deutschland mit der Einführung des Elterngeldes ab 2007 die Bedeutung von Familienarbeit gegenüber der Erwerbsarbeit gestärkt, da gerade diejenigen Bevölkerungsschichten, die es am meisten benötigten, stark benachteiligt werden. Nach Ansicht des Darmstädter Sozialrichters Jürgen Borchert verstößt das Elterngeld sogar gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz des Grundgesetzes, da der Staat die Kindererziehung ganz unterschiedlich honoriere – je nach Einkommen der Eltern: «Das Gesetz bedeutet eine extreme Umverteilung von unten nach oben: Geringverdiener bluten für Spitzenverdiener.» (hr-online.de)
Wie der Onlinedienst der Telekom berichtete, erklärten in einer früheren Familienstudie von Vorwerk die befragten Mütter, dass monatlich 1.600 Euro angemessen wären. Aus der Studie geht weiterhin hervor, «dass in Deutschlands Privathaushalten jährlich durchschnittlich 97 Milliarden Stunden unbezahlter Arbeit geleistet werden und eine Hausfrau und Mutter von zwei kleinen Kindern im Schnitt zwölf Stunden pro Tag arbeitet». Erscheint der vorgeschlagene Betrag von 1.600 Euro angesichts dieser Arbeitszeiten und der Vielseitigkeit, die einer Mutter abverlangt werden, nicht eher bescheiden?
In einem vor kurzem bei Hoffmann und Campe erschienenen Elternbuch mit dem provozierenden und tendenziösen Titel «Kinderkacke» wird geschildert, wie die Co-Autorin Julia Heilmann, Mutter zweier Kinder, einmal wegen eines nervösen Lidzuckens einen Arzt aufsuchte. Dieser diagnostizierte nicht nur Stress und Überarbeitung, sondern gab zu Protokoll: «Entweder Sie arbeiten im höheren Management oder Sie haben Kinder. Was von beiden also?» Die Autorin: «Kinder sind mit einer normalen beruflichen Tätigkeit gar nicht zu vergleichen...»
Haushälterin, Nachhilfelehrerin, Köchin, Computerfachfrau, Gärtnerin, Wäscherei-Bedienstete, Hausmeisterin, Chauffeurin, Psychologin, Unternehmenschefin – laut einer Untersuchung der amerikanischen Internetseite salary.com umfasst die Aktivität einer Hausfrau die aufgezählten Tätigkeiten. Oder haben wir noch etwas vergessen? Krankenschwester, Einkäuferin, Event Managerin... ach ja: Erzieherin!
Was die Anerkennung von Familienarbeit betrifft, zeichnet sich eine Trendwende ab. Ein Grund für diese Entwicklung liegt in der wachsenden Wahrnehmung für die Thematik. t-online: «Der Wunsch nach solcher Anerkennung ist aber nicht nur gleichbedeutend mit dem Wunsch nach mehr finanzieller Hilfe. Auch immaterielle Forderungen wie ein grundsätzlicher Wandel in der Einstellung und mehr Unterstützung durch den Vater werden in diesem Zusammenhang genannt.» Doch das sind Themen für einen anderen Artikel.
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