Kopernikanische Wende in der Familienpolitik?

Kopernikanische Wende in der Familienpolitik?

Eine der Initiatorinnen des Familiennetzwerkforums, die Ärztin Maria Steuer, hat einen Protestbrief an die Bundeskanzlerin, Dr. Angela Merkel, verfasst. Sie protestiert gegen die ständige Schlechterstellung der Familien durch die Große Koaltion und eine "kopernikanische Wende" in der Familienpolitik. Sie fordert eine Aufwertung der Tätigkeit von Müttern.

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Dr. Merkel!

Mit einem Bündel von Maßnahmen, derzeit gekrönt von der Einführung des so genannten Elterngeldes, kündigt Ihre Regierung die "kopernikanische Wende" in der Familienpolitik an. Der Begriff ist in seiner politischen Absicht treffend gewählt. Gleichzeitig entlarvt er deren ungeheure Anmaßung. Kopernikus erkannte, dass nicht die Erde, sondern die Sonne im Mittelpunkt des Universums steht, um die sich Erde und Planeten drehen. In irrtümlicher Analogie dazu glaubt Ihre Regierung offenbar, erkannt zu haben, dass nicht mehr die Familie im Zentrum der Gesellschaft stehen kann, um die herum soziales und wirtschaftliches Leben angeordnet ist, sondern umgekehrt die Familie sich künftig den Wünschen und Bedürfnissen von Wirtschaft und Staat unterzuordnen hat.

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass wir dies nicht hinnehmen wollen. Familie sind WIR! Mütter, Väter, Kinder, real existierend, hier und heute in Deutschland. WIR haben Kinder aus Fleisch und Blut (die meisten von uns weit mehr als die traurige Durchschnittsanzahl von 1,3 Kindern). WIR lieben unsere Kinder (lassen sie nicht auf Dachböden verhungern...) und nehmen die Verantwortung für ihre Pflege, Erziehung und Bildung selbst wahr. WIR streben nach ehrlicher Arbeit, um unsere Familie aus eigener Kraft zu ernähren. WIR arbeiten an stabilen Beziehungen in Ehe und Familie. WIR sind diejenigen, die den Generationenvertrag erfüllen. Damit ermöglichen wir Zukunft. WIR sind das Salz der Gesellschaft. Ohne UNS ist kein Staat zu machen!

Dafür erwarten wir Respekt. Nicht in Sonntagsreden, sondern in konkreter Politik. Das Bundesverfassungsgericht hat in mehreren Urteilen Vorgaben dazu gemacht. Diese Vorgaben, die nicht dem Gebot des Sozialstaats entspringen, sondern dem Gebot der Gerechtigkeit, werden seit Jahren ignoriert und missachtet.

Was derzeit als „Familienpolitik“ etikettiert wird, reicht von Wirtschaftspolitik (flächendeckender Ausbau von Krippenplätzen und Ganztagsschulen zwecks Sicherung preiswerter junger weiblicher Arbeitskräfte für die Wirtschaft) über Arbeitsmarktpolitik (steuerliche Absetzbarkeit von. Kinderbetreuungskosten für Doppelverdiener) bis zu Bevölkerungspolitik (Elterngeld als Entschädigungsleistung für kurzfristigen Verdienstausfall, um Geburten von genetisch erwünschten Akademikerinnen zu prämieren, anstelle des bisherigen Erziehungsgeldes, das der Unterstützung familiärer Kindererziehung dient).

Wie ein roter Faden zieht sich durch alle Maßnahmen hindurch, dass das Familienleben, das Zusammenleben von Eltern und Kindern wo irgend möglich an den Rand gedrängt, auseinanderdividiert und staatlich wegorganisiert wird. Wohlgemerkt, dies alles unter der Überschrift: Politik für Familien!

Kindererziehung eine nette Freizeitbeschäftigung?

Unsere elterliche Kindererziehung, Familienarbeit und -leben wird damit zur netten Freizeitbeschäftigung degradiert, die sich nebenbei nach Feierabend und am Wochenende erledigen lässt.

Familienministerin Ursula von der Leyen macht es mit strahlendem Lächeln vor. Dafür werden uns Familien Finanzmittel in existentiellem Umfang entzogen (z.B.
Pendlerpauschale, Eigenheimförderung, Kindergeld, 19% Mehrwertsteuer) und in die außerfamiliären Betreuungseinrichtungen – Kinderkrippen, Kindertagesstätten, Ganztagsschulen gesteckt. Diese werden sodann als "Bildungsinstitutionen" geadelt, um unsere Kinder zur Teilnahme verpflichten zu können.

Ein Trend zur weiteren Ausbeutung zugunsten Kinderloser

Indirekt werden damit auch die Erziehungsleistungen der Eltern als nicht anerkennenswert herabgestuft. Familien in Deutschland sind im Allgemeinen friedfertig. Wir haben auch keine Zeit für Protestaktionen. Aber man sollte uns nicht unterschätzen, schon gar nicht, wenn wir nichts oder nicht mehr viel zu verlieren haben, und ein Trend zu weiterer Ausbeutung zugunsten Kinderloser erkennbar ist. Unter uns sind im Übrigen nicht wenige Mütter, auch Akademikerinnen, die sich sehr bewusst für die Familienarbeit entschieden haben, solange ihre Kinder klein sind. Denn wir wissen, dass es originäre mütterliche und familiäre Aufgaben gibt, wie Liebe schenken und Urvertrauen bilden, die keine noch so gut ausgebildete staatliche Pädagogin an unserer Stelle übernehmen kann und soll.

Mutterschaft und Erwerbsberuf, ja, aber nacheinander!

Ja, wir Frauen wollen beides, Mutterschaft und Erwerbsberuf, aber nacheinander! Bei einer Lebenserwartung von über 80 Jahren ist dafür genügend Zeit. Wir sind weder bereit, das Wohl unserer Kinder dafür zu opfern, noch uns selbst und unsere Gesundheit ausbeuten zu lassen zugunsten des staatlich propagierten Doppelverdienermodells.

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, dies ist keine Bitte um Almosen, wir wollen Gerechtigkeit. Gerechtigkeit ist das Brot des Volkes!

Mit freundlichen Grüßen

Maria Steuer

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Link

>Familiennetzwerkforum: Familie sind wir!

Kopernikanische Wende

Ich gehöre zu den verschrieenen Müttern, die parallel zur Mutterschaft teilzeit berufstätig war. Ich habe meine Kinder nicht vernachlässigt, habe Ihnen viel Liebe gegeben, auch wenn ich die Unterstützung einer Tagesmutter und des Kindergartens in Anspruch nahm. Die pauschale Verurteilung von berufstätigen Müttern entspricht weder wissenschaftlichen Erkenntnissen noch den Erfahrungen unzählicher Mütter!