Das Familienbild der Mainstream-Medien

Das Familienbild der Mainstream-Medien

Deutschland im Spätsommer. Die Resultate einer von der Bundesfamilienministerin in Auftrag gegebenen Umfrage werden in den Medien mit folgenden Überschriften quittiert: «Generation Papa» – «Deutsche wollen weiter Kindergeld» – «Familienbild im Wandel». Die weitgehend auf Autopilot gestellte Presse interpretiert die Ergebnisse mit den gewohnten Stereotypen – Hauptsache Eckdaten sind da. Grundmelodie: Väter werden zu Müttern, Mütter werden zu Arbeitern, Kinder werden zum Gepäck.

von Markus Rüther
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So darf man das natürlich nicht sagen, also werden die Gegebenheiten umformuliert. Das klingt dann beispielsweise so: Familie ist für Männer das Wichtigste im Leben, 50 Prozent der nicht erwerbstätigen Mütter würden gerne arbeiten, die Mehrheit der Bevölkerung hält Ausbau und Verbesserung von Betreuungsangeboten für nötig, jeder zweite sogar den Ausbau von Angeboten für Kinder unter drei Jahren. Bravo.

Ein Verdacht

Ein Verdacht drängt sich auf. Wird der repräsentative Wert solcher Umfrage-Ergebnisse durch manipulative Fragetechniken soweit verbogen, dass das Ergebnis zum Wunschdenken einer Elite passt, die bereit ist, selbst den Grundwert Familie auf dem Altar des Kapitals zu opfern? Oder zeigt der Propagandadruck einer weitgehend gleichgeschalteten Medienlandschaft inzwischen die gewünschte Wirkung? Glauben die Leute, was sie lesen? Immerhin belegen genügend andere Umfragen, dass Mütter gerade in den ersten Lebensjahren ihrer Kinder nichts anderes wünschen, als dort zu sein, wo sie am meisten gebraucht werden: daheim. Doch wie seltsam altmodisch dieses Wort inzwischen klingt, nicht? Haben wir unser Empfinden aus freien Stücken geändert oder wurden wir einfach nur vom Mainstream umprogrammiert. Wir verzichten auf das Fragezeichen.

Eine Tatsache

Wenn Mütter heutzutage arbeiten wollen, dann liegt das im Regelfall nicht an ihrem Bedürfnis nach freier Entfaltung oder an einem imaginären Autonomiestreben, sondern an der knappen Haushaltskasse, an der Tatsache also, dass für eine ständig wachsende Anzahl von Familien das Geld nicht reicht. Nur jeder achte hält im übrigen die Verteilung von Einkommen und Vermögen für gerecht, wie aus einer vor kurzem veröffentlichten Umfrage der Bertelsmann-Stiftung hervorgeht.

Den wenigsten Müttern ist es vergönnt, ihr Geld am Konzertflügel oder als Fernsehmoderatorin zu verdienen, beziehungsweise überhaupt einen Beruf entsprechend ihrer Möglichkeiten auszuüben. Supermarktkasse, Aktenordner, Besenstiel – das sind die Fakten der Berufswelt. Von freier Entfaltung, Kreativität oder wenigstens von einem Stundenlohn, der zu einer spürbaren Entlastung der Familienkasse führen könnte, kann keine Rede sein. Weshalb also sollte eine Mutter ihr Kind gegen einen Haufen Papier oder einen Putzeimer beziehungsweise 7 Euro 50 Stundenlohn eintauschen wollen, wenn es nicht die wirtschaftlichen Verhältnisse sind, die sie dazu zwingen?

Übrigens: Frauen sind billige Arbeitskräfte, Männer verdienen im Schnitt 24 Prozent mehr als weibliche Kolleginnen. Ist derjenige, der die Möglichkeit in Betracht zieht, auch dies könne ein Grund dafür sein, dass die am Tropf des Kapitals hängenden Medien sich auf solche Umfrageergebnisse stürzen, ein Spielverderber? Schade.

Vollzeit – Teilzeit – Endzeit

Zum Schluss noch ein paar weitere Ergebnisse der Allensbach-Umfrage:

  • Für beinahe 90 Prozent der Väter ist die Familie «sehr wichtig», der Beruf hingegen nur für 58 Prozent;
  • Die Bevölkerung sieht große Defizite in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Zwei Drittel der Befragten (1800 Personen insgesamt) erwarten von der Familienpolitik Lösungen;
  • Die Mehrheit fordert vor allem bessere Betreuungsangebote (Kindergarten- und Hortplätze sowie Ganztagsangebote in Kindergärten und Schulen);
  • Auch die Wirtschaft sollte mehr für die Familien tun: vier von fünf Befragten fordern ein verstärktes Engagement (flexiblere Arbeitszeiten, betriebliche Kinderbetreuungsangebote);
  • 44 Prozent der berufstätigen Mütter halten es für sinnvoll, wenn der Partner beruflich zurücksteckt, solange die Kinder klein sind;
  • Die Hälfte der erwerbstätigen Mütter wünschen sich mehr Teilzeitplätze. Eine Arbeitsteilung, bei der die Mütter Teilzeit arbeiten und die Väter Vollzeit entspricht dem Ideal der Mehrheit;
  • Das Kindergeld, behaupten 85 Prozent der Befragten, sei das wirksamste Instrument zur Förderung der Familien.

Zurzeit wird ein Vorschlag des familienpolitischen Sprechers der Unionsfraktion diskutiert, das Kindergeld ab dem dritten Kind um 20 Euro und ab dem vierten um 50 Euro zu erhöhen. Niedliche Zahlen, wenn man bedenkt, wie viel Geld den Familien allein durch die letzte Mehrwertsteuererhöhung aus den Taschen gezogen wurde. Die Lebenshaltungskosten steigen, die Inflationsrate nimmt zu, Zuschüsse und übertarifliche Zulagen fallen immer häufiger weg.

Doch das interessiert die Familienministerin nicht. Wichtig ist nur, dass sie mit der jüngsten Umfrage in ihrem Kurs bestätigt wurde und ihr Lieblingsprojekt weiterhin fördern kann: den Ausbau der Kinderbetreuung. Und so bekräftigte die Ministerin inzwischen ihr Ziel, ab 2013 für jedes dritte Kind unter drei Jahren einen Betreuungsplatz zur Verfügung zu stellen (eine Verdreifachung der Krippenplätze auf 750.000). «Danke Allensbach!», hören wir die Ministerin rufen, aber wir rufen zurück: «Diese auf Förderung der Erwerbstätigkeit von Müttern mit Kleinkindern fixierte Politik ist schädlich für unsere Kinder, schädlich für unsere Familien und schädlich für unser Land.»