Es kommt auf die Familien an

Es kommt auf die Familien an

Private Entscheidungen, öffentliche Kosten: Gescheiterte Familien kosten die Allgemeinheit viel Geld - „Wir wissen, dass die Ehe eine sehr bedeutende Institution ist, nicht nur für den Einzelnen, sondern für die Gesellschaft als Ganzes.“ So Kay Hymowitz, Autorin von „Ehe und Gesellschaft in Amerika: über getrennte und gescheiterte Familien in einer Zeit, in der diese Institution nicht mehr wertgeschätzt wird.“

von Andrea Mrozek and Rebecca Walberg ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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Ihre Ansichten decken sich mit einer wachsenden Zahl von Statistikern, Analysten und Wissenschaftlern. Doch sind die meisten Menschen nicht bereit, die Ehe auch als öffentliche Bindung mit gesellschaftlicher Relevanz zu sehen. Man will heute nicht mehr wahr haben, dass die Ehe das Fundament einer starken Gesellschaft, die Grundlage ökonomischer und sozialer Werte und die beste Versicherung gegen Armut ist.

In dieser wirtschaftlich schwierigen Situation stimmen uns die Politiker immer wieder nur auf die ökonomischen Probleme ein, Familien- und Gesellschafts-Fragen bleiben dagegen außen vor. Die ökonomische Bedingungen in den Blick zu nehmen, bedeutet aber auch, die familiäre Situation dieser Tage kritisch zu untersuchen.

Die Forschung kommt zu eindeutigen Ergebnissen. Verheiratete Eltern bieten die besten Voraussetzungen für eine stabile Entwicklung der Kinder. Kinder, die mit ihren eigenen, verheirateten Eltern aufwachsen, sind in der Schule besser und entwickeln stabilere Beziehungen, wenn sie erwachsen sind. Es gibt einen deutlichen Zusammenhang zwischen familiärer Bindung und Wohlbefinden. Und dies wirkt sich positiv auf das familiäre Umfeld aus, fördert ein gesundes Miteinander in der Gesellschaft und führt zu stabilen ökonomischen Bedingungen. Doch selbst in diesen wirtschaftlich prekären Zeiten werden solche Argumente nicht gern wahrgenommen.

Der Schutz, den die Ehe gegen Kinderarmut bietet, ist Hauptthema einer neuen Studie des kanadischen „Institut für Ehe und Familie“:
„Private Entscheidungen, öffentliche Kosten: Gescheiterte Familien kosten die Gesellschaft viel Geld“, ist eine quantitative Bewertung der Kosten, die durch Scheitern von Ehen den Behörden, also letztendlich dem Steuerzahler aufgebürdet werden.

Dabei liegt die Hauptverantwortung der Eltern seit jeher darin, ihre Kinder mit dem Lebensnotwendigen zu versorgen, also mit Nahrung, Kleidung, Wohnung aber auch mit Erziehung und intellektueller Bildung. Die Eltern konnten sich wiederum auf die Hilfe der weiteren Familienmitglieder und auf die Hilfe der Nachbarn stützen. Mit der Auflösung vieler solcher sozialer Bindungen in jüngerer Zeit wuchs die Zahl der Eltern, die nicht mehr imstande sind, für ihre Kinder angemessen zu sorgen; oft, weil die Familienbande durch Scheidung zerbrochen waren, die Eltern sich einfach getrennt haben oder einer der Partner alleinerziehend wurde. Wenn Familien auseinanderbrechen, müssen öffentlich rechtliche Behörden mit Wohlfahrtprogrammen, Kinderkrippen und Wohnraumstellung ihnen fremde „Familienaufgaben“ übernehmen.

In unserem Bericht wurden die Ausgaben für Familien-Unterstützungsprogramme und Kinderkrippen gewichtet. Die Höhe der Ausgaben für Armutsbekämpfung, die überwiegend Alleinerziehenden zu Gute kommt, beträgt ca. 7 Mrd. Kan.$, (ca. 4,4Mrd. €). Wenn weniger Ehen scheiterten, würde auch die Kinderarmut zurückgehen und damit die Notwendigkeit vieler Hilfsprogramme. Bei konservativer Schätzung wären sicher ca. 2 Mrd Kan.$, (ca. 1,4Mrd.€) Sparpotenzial möglich.

Wohlgemerkt geht es beim Scheitern von Familien nicht in erster Linie um Kosten. Die verheerendsten Auswirkungen der Trennung haben immer die Kinder zu tragen; hin und her gerissen zwischen streitenden Eltern, die wiederum, jeder für sich, um Zuneigung eben dieser Kinder kämpfen und feststellen müssen, dass der Bruch nicht aufzuhalten ist. Aber es gibt dennoch finanzielle Auswirkungen, und diese lassen sich auf jeden Fall bewerten.

Wir wollen deshalb nochmals dringend auf die Wichtigkeit stabiler Familienverhältnisse hinweisen, indem wir für die Kosten sensibilisieren, die der Gesellschaft auferlegt werden, wenn eine Familie scheitert. Auf diese Weise hoffen wir, dass alle Menschen verstehen, warum Familie uns alle angeht. Eine ehrliche Diskussion über Ehe und Familie ist ein notwendiger erster Schritt, um alle Menschen verstehen zu lassen, dass Entscheidungen, die sie in ihrem persönlichen Leben treffen, nicht nur im privaten, sondern auch im öffentlichen Raum Konsequenzen haben.

Immer mehr Familien in Kanada und anderswo scheitern. Die letzte Erhebung (in Kanada) zeigte, dass immer weniger Familien mit Kindern in einer Ehe leben. Noch 1961 waren die Eltern von 92% der Familien verheiratet, 2006 fiel diese Zahl auf 69%. Einer von sieben Haushalten mit Kindern wird durch unverheiratete Paare geführt, eine Lebensform, die sich als weniger stabil, als die Ehe erweist. Wiederum wird einer von sieben Haushalten mit Kindern nur durch ein Elternteil geführt, meist die Mutter. Diese Familien leben fast immer in Armut.

Kinder gedeihen in vielerlei Hinsicht – finanziell, in ihrer Erziehung, psychisch- ja sogar gesundheitlich am Besten, wenn sie mit ihren verheirateten Eltern aufwachsen. Das Scheitern der Familie ist oft ein sicherer Weg in die Armut. Wenn wir wirklich einen Weg finden wollen, der Kinderarmut zu begegnen, oder besser noch, sie zu vermeiden, können wir nicht einfach die Schultern hochziehen und der Diskussion aus dem Weg gehen, warum es auf die Familie ankommt, nicht nur für die Beteiligten, also Vater, Mutter, Kinder, sondern für die ganze Gesellschaft.

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Rebecca Walberg ist Präsident und Gründer des „Wakefield Centre for Policy Research.“
Andrea Mrozek ist Manager für Forschung und Kommunikation am „Institute of Marriage and Family Canada.“