Die Zukunft gehört den Familien mit Kindern. Kinderlose sterben aus.
Wenn die Politik von Familie und Kindererziehung spricht, muss man genau hinhören. Speziell sind die Antennen auszurichten auf den Trend: Soll die Familie in ihren ureigensten Kompetenzen gestärkt werden oder geht es - unter dem Vorwand sozialer Wohltaten, wie es sich versteht - um die Verstaatlichung der Kindererziehung?
von Hans Thomas
---
Diese Frage ist in Deutschland wieder einmal aktuell. Erstens schleppen gerade wir Deutschen aus den Zeiten des Obrigkeitsstaates immer noch ein Grundvertrauen mit, welches im Staat den Hüter der nationalen Sittlichkeit sah. Zweitens hatten Ideologen unterschiedlichster Schattierung schon immer etwas gegen die eigenständige, unabhängige und daher schwer manipulierbare Familie. Und drittens plagt uns seit der Wende die konkrete Versuchung, unter den sozialistischen Errungenschaften der DDR doch noch Gutes und Nachahmenswertes zu finden, und sei es die Entfernung der Kinder aus der Familie. Dort konnten sie schon früh beim Staat zur Aufzucht abgeliefert werden.
Die Versuchung ist groß, das DDR-Modell eines staatlichen Kinderbetreuungssystems zu übernehmen: flächendeckend mit Kinderkrippen, -horten und Ganztagsschulen. Kurzfristig mag die Politik wohl damit Punkte machen können, wenn sie jetzt Müttern und Vätern die Befreiung von der „Last“ der Familie anbietet, die sie ihnen dreißig Jahre lang eingeredet hat - der Arbeitswelt zuliebe. Zwar sägt die Politik so an dem Ast, auf dem die Leistungsgesellschaft sitzt. Das aber fällt ja in den vier Jahren noch nicht auf, die die nächste Legislaturperiode dauert.
So war es ja auch mit den Leistungen deutscher Schulen. Schule werde nunmehr „neu gedacht“, hieß es vor dreißig Jahren. Jetzt hängen deutsche Schulabsolventen im internationalen Leistungsvergleich weit zurück, wie PISA immer wieder zeigt. Die Enttäuschung ist groß. Aber wurden die nun mit PISA honorierten Bildungstheorien und Erziehungsexperimente nicht staatlich verordnet? Die deutschen Schulen sind zu mehr als 90 Prozent in staatlicher Hand - wie die Wirtschaft in der DDR. Dort war die schlimmste Folge der Enteignung des „Produktivvermögens“ die Entmutigung und die Zerstörung der Kompetenz, private Initiative zu ergreifen. Die Menschen trauten es sich nicht mehr zu. Bei uns fühlen sich bereits jetzt viele Eltern mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert. Und die Politik droht, die Spirale weiterzudrehen.
Eine Folgegeneration tauglicher Bürger verdankt die Gesellschaft entscheidend der Familie. Leistungsfähigkeit setzt Selbstvertrauen und Zuversicht voraus, und beides wiederum die Grunderfahrung, als Mensch geschätzt, angenommen und - hoffentlich - geliebt zu sein. Das gewährleistet nur die gesunde Familie. Familienpolitik ist Investitionspolitik. Der Staat darf die Familie ihrer ureigensten Aufgaben nicht berauben, muss sie ihr vielmehr zumuten. Aber er muss ihr mit entsprechenden Rahmenbedingungen helfen, dass sie ihre Angelegenheiten selbst regeln kann. Von Subsidiarität, wie man das nennt, ist auch in Sonntagsreden viel zu hören. Wer Familienpolitik als bloße Sozialpolitik versteht, handelt wie ein Autohersteller, der vor allem Reparaturwerkstätten baut. Wirbt er damit, flächendeckend alle hundert Meter eine Reparaturwerkstatt vorzuhalten, verkauft er keine Autos mehr.
Natürlich überschreitet die Herausforderung einer Familienpolitik, die den Namen verdient, die Möglichkeiten einer Ministerin für Familie, Frauen, Senioren und Jugend. Die politische Bedeutungslosigkeit und Widersprüchlichkeit dieses Regierungsressorts brachte noch am treffendsten der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder auf den Punkt, als ihm „Ministerium für Frauen und Gedöns“ entschlüpfte.
Dabei gibt es kaum eines der wirklich großen Zukunftsprobleme unserer Gesellschaft, das nicht heraufbeschworen oder verschärft wurde durch familienpolitische Fehlleistungen, vom Hinausdrängen der Mütter aus der Familie in eine Arbeit außer Hause über die finanzielle Diskriminierung kinderreicher Familien und Prämierung der Kinderlosen bis zur Verherrlichung der Homo-Ehe. Um nur einige der Probleme zu nennen: die Zunahme verhaltensgestörter Kinder mit nachfolgenden Schul- und Gewaltproblemen bis zur Jugendkriminalität; dann der Geburtenmangel, zuerst mit den Folgen alternder Bevölkerung und unsicherer Sozialsysteme; dann mit der Problemreihe: schrumpfende Bevölkerung - hohe Zuwanderung - Integration - innere Sicherheit - Fremdenfeindlichkeit.
Kinderlose sterben aus. Völker so gut wie Familien. Dieser Sachverhalt müsste doch auch Politikern zu vermitteln sein.
Bei näherem Hinsehen finden sich in der jüngeren Generation gar nicht wenige tüchtige und selbstbewusste Frauen, die ihre Erfüllung in der Aufgabe als Mütter und Familienmanager entdecken. Sie sind des Geschwätzes ergrauter Feministinnen überdrüssig. Sie haben deren Tricks durchschaut und setzen ihre Prioritäten - auch gegen Widerstände - selbst. Sie sind zwar eine Minderheit. Aber auch die Zukunft. Diese tapferen Frauen sind überlegen. Zunehmend schreiben sie darüber.
Anmelden oder registrieren um Kommentare einzutragen | E-Mail mit Artikel-Link versenden | Druckversion