Familie und Beruf

Familie und Beruf

Wirtschaft und Gesellschaft können nur dann florieren, wenn die Familie ernst genommen wird - In der Werbung oder beim Einkauf im Supermarkt kann wohl niemand den Einfluss „grüner“ Trends auf Produktion und Marketing der Güter des täglichen Lebens übersehen. Jahrzehntelang haben sich Produzenten und Handel um die Umwelt nicht gekümmert, doch hat sich dies in jüngster Zeit geändert. Es gibt Vorschriften, Qualitätszertifikate und Gesetze, die den Verantwortlichen ihre Verpflichtung gegenüber der Umwelt und die Notwendigkeit, die natürlichen Ressourcen im eigenen Interesse und zum Wohl künftiger Generationen zu bewahren, auferlegen.

von Nuria Chincilla - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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Jetzt ist es Zeit für die Wirtschaft, sich die negativen Auswirkungen klarzumachen, die auf das menschliche Umfeld einwirken. Viel zu oft belasten Firmen die eigene Organisation und die Angestellten durch eine Arbeitskultur, die es Mitarbeitern nahezu unmöglich macht, ihren Pflichten als Ehemann und Vater, oder als Frau und Mutter nachzukommen. Solche Arbeitsbedingungen schwächen die Einheit der Familie, den natürlichen Lebensraum jedes Menschen und die einzige „Farm“, die Human- und Sozial-Kapital hervorbringen kann.

Die offensichtliche Kluft zwischen Arbeitswelt und Familienleben bestimmt eine der wichtigsten Debatten unserer Tage. Die Probleme werden meist als Folge der Diskriminierung von Frauen angesehen, doch haben sie ihre Wurzeln in einem weit größeren Problem: der Enthumanisierung der Gesellschaft. Wir brauchen dringend stabile Familien und familienfreundliche Arbeitsstrukturen, wenn die Gesellschaft menschlicher werden und mit dem Human- und Sozial-Kapital eine zukunftsfähige Wirtschaft aufgebaut werden soll.

Im Englischen ist der Begriff „familienfreundlicher Betrieb“ [“family-friendly” business] geläufig. An der IESE Business School haben wir den Begriff „familienverantwortlicher Betrieb“ [“family-responsible business“] geprägt, um deutlich zu machen, dass wir nicht nur eine freundliche Beziehung zur Familie des Mitarbeiters im Sinn haben, sondern vielmehr ein Eingehen auf die sich wandelnden Bedürfnisse seiner/ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung für notwendig halten.

Die Revolution der Frau

In den westlichen Gesellschaften spürt man den demographischen Winter. Über Jahrzehnte hat die Reproduktionsrate nicht mehr die für eine positive Gesellschaftsentwicklung notwendigen 2,1 Geburten für Frauen im gebärfähigen Alter erreicht. Ohne Nachwuchs gibt es immer weniger Produzenten/Konsumenten und wenn dieser Trend anhält, könnte eine Gesellschaft im Extremfall aussterben.

Dieser demographische Winter ist darauf zurückzuführen, dass Frauen in großer Zahl Erwerbstätigkeiten aufgenommen haben und sich nun in starre Geschäftsmodelle eingebunden sehen, die von Männern zu einer Zeit erdacht wurden, als die Geschlechterrollen für Männer und Frauen noch festgefügt waren: die Frauen waren zu Hause, während die Männer sich einer Vollzeitarbeit außerhalb des Hauses widmeten. Das heutige Arbeitsumfeld berücksichtigt nicht, ob jemand neben seinem Beruf Vater, Mutter oder Ehepartner ist. Untersuchungen belegen, dass etwa 80% der Paare nicht die Anzahl Kinder haben, die sie eigentlich wünschen, weil ihnen Zeit und Geld fehlen.

Sieht man es positiv, so könnten Männer und Frauen von der „Revolution der Frau“ profitieren. Frauen möchten ihre Kenntnisse und Wertvorstellungen in die Gesellschaft einbringen, ohne ihr Frau- und Mutter-Sein aufgeben zu müssen und Männern wird der Weg in den Haushalt geebnet.

Heute sind wir jedoch in einer ausweglosen Situation. Frauen haben das Haus verlassen, um weibliche Sichtweisen am Arbeitsplatz einzubringen, doch haben die Männer noch nicht mit ihren Fähigkeiten, Ansichten und Lebensart, als Gatten, Väter und ebenso Verantwortliche den Weg in den gemeinsamen Haushalt gefunden. (Ich beziehe mich hier natürlich auf soziologische Tendenzen, keinesfalls auf bestimmte Personen, denn ich bin sicher, es gibt sehr viele „Ausnahmen von der Regel“)

Die Situation kann nicht länger hingenommen werden. Zwei Drittel aller Frauen arbeiten in zwei Schichten, ein Drittel von ihnen ist überzeugt, dass sie diejenigen sind, die die Familie am Laufen halten. Wenn keine Zeit mehr für das Familienleben übrig bleibt, verzichten die Partner auf weitere Kinder; Vater und Mutter sind beruflich angespannt und gute familiäre Umgangsformen bleiben unterentwickelt. Heute haben Eltern, wenn überhaupt, meist nur ein Kind, das aber hat ein eigenes Zimmer voll mit den letzten Hi-Tech-Spielzeugen, die er oder sie ohne Anleitung oder Beschränkungen nach Belieben nutzen kann. Durch dieses Fenster im Leben eines Kindes dringen die neuen Prinzipien der Wohlstandsgesellschaft ein, in denen das „ich will“ das „was gut für mich ist“ übertönt. Die Überschwemmung von Kindern mit materiellen Gütern und mit Wissen, wobei sie alles erhalten, bevor sie es wirklich brauchen, hat oft negative Auswirkungen, aus ihnen werden verzogene Tyrannen, unfähig zu teilen und anspruchsvoll. Sie beginnen ihr Arbeitsleben mit einwandfreiem Lebenslauf und haben doch keine menschliche Qualifikation.

Weder Gesellschaft noch Arbeitswelt bleiben ohne intakte Familien existenzfähig. Nach dem Ökonom und Nobel-Preis-Träger Gary Becker ist die Familie der beste Dienst an der Gesellschaft. Sie schafft den weitesten Raum für Solidarität und Großherzigkeit, Familienmitglieder werden geliebt und akzeptiert, wie sie sind, einfach, weil sie da sind. Das Beziehungsgeflecht innerhalb der Familie bietet Halt und gegenseitige Hilfe, es wird leichter verziehen, in Schutz genommen, behütet und betreut, auch dann, wenn Arbeitslosigkeit eintritt, Beziehungen zerbrechen, oder jemand krank wird. Es ist unmöglich, eine soziale Fürsorge zu schaffen, die diese Unterstützung bieten kann. Die Gesellschaft kommt ohne diese Zelle bürgerlicher Garantien füreinander und unersetzlicher Werte nicht aus. Auch für die Arbeitswelt ist die intakte Familie wichtig. Sie ist die erste Schule, in der Fähigkeiten gelehrt und entwickelt werden, die unabdingbar für eine erfolgreiche Eingliederung in das Berufsleben sind: zuvörderst die Fähigkeit, in einem Team mitzuarbeiten, mitzufühlen, zu delegieren, kommunizieren, organisieren und sich auf die Bedürfnisse von Kunden oder Kollegen einzustellen. Die Zeit, die man in der Familie verbringt, ist also alles andere als nebensächlich für die Berufswelt.

Anerkennung von Hausarbeit

Wie aber lässt sich eine gesunde und fruchtbare Verbindung zwischen familiären Gefilden und Arbeitswelt herstellen?

Der erste Schritt ist der, dass Männer und Frauen ihr Heim zur ersten Berufspriorität erklären, in ihren Herzen, ihren Absichten und in ihrem Zeitplan. Angesichts der Tatsache, dass Familien die Arbeit mehr benötigen, als die Arbeit die Familien, wird es den Arbeitgebern durch strikte Zielfestlegungen, Leistungsanreize, Bonus-Malus-Regelungen etc. leicht gemacht, sich auf flexible und –gezwungenermaßen- kooperierende Familien zu stützen. Arbeit wird so zur Gaswolke, die jeden Winkel und Gedanken in unserem Leben besetzt und uns schließlich auffrisst, wenn keine Schutzmauern errichtet werden. Es ist dringend notwendig, Zeit und Kraft zur Organisation des eigenen Lebens und der Familie einzusetzen.

Zum zweiten ist eine Revision unserer Arbeitskonzepte dergestalt nötig, dass Hausarbeit wirklich als Arbeitsleistung gesehen und angemessen vergütet wird. In unserem kulturellen Umfeld werden „Nur-Hausfrauen“ häufig schief angesehen und herabgewürdigt, sogar von den eigenen Kindern, die von Zeitgeist und Gesellschaft zwangsläufig beeinflusst werden. Auch unbezahlte Arbeit ist Arbeit, selbst wenn man nicht angestellt ist. Würde Hausarbeit als ökonomische Größe gewertet, stiege das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Spanien um 33% ; würden Hausfrauen gar für ihre Leistungen marktgerecht entlohnt, stiege das BIP in Madrid alleine um 55%.

Es ist notwendig, soziale und ökonomische Maßnahmen zu fördern, die Hausarbeit als eine Berufsoption möglich machen. Behörden sollten mit Arbeitgebern zusammenarbeiten, um dieses Ziel zu erreichen, was im Interesse aller liegt, denn der Staat müsste sonst mehr Mittel für soziale Belange aufwenden, die er sich von den Steuerzahlern beschafft. Ich denke hier an Kindertagesstätten, Altenbetreuung und Jugendkriminalität sowie Drogenkarrieren als Folgen elterlicher Abwesenheit. Es gibt im Übrigen Belege dafür, dass der Zwang, außer Haus zu arbeiten, der auf Alleinerziehenden lastet, die Armut der Familie eher vergrößert.

Eine Möglichkeit, der Diskriminierung von Frauen, die zu Hause ihre Kinder versorgt haben, zu begegnen, wäre, die Erziehungszeiten als Arbeitszeiten anzuerkennen, nicht jedoch als Arbeitslosigkeit. Die Erziehungszeit sollte als das angesehen werden, was sie ist: eine positive Erfahrung, die sich ohne Verlust von Sozialleistungen auszahlen sollte, wenn die Mutter wieder eine Arbeit annehmen möchte. Trainings in Hausarbeit könnten helfen, die Akzeptanz als professionelle Arbeit im Lebenslauf zu berücksichtigen, Aufbaukurse nach Erziehungszeit erleichterten die Wiedereingliederung in den Beruf.

Mutterschafts- und Vaterschafts-Urlaub.

Männer und Frauen sind unterschiedliche Wesen. Die Wissenschaft stellt genetische Unterschiede zwischen Mann und Frau hinsichtlich ihrer Biologie, aber auch in Psychologie und Anthropologie fest. Wenn tatsächlich Synergien zwischen Männern und Frauen am Arbeitsplatz wünschenswert sind, müssen ihre Unterschiede und das Potential, das aus ihrer Gegensätzlichkeit herrührt, Berücksichtigung finden. Studien über die Produktivität von Manager-Teams zeigen, dass Unternehmen mit mehr als drei Frauen im Direktorium etwa 30% mehr Umsatz generieren, als vergleichbare Unternehmen, deren Direktorium nur aus Männern besteht.

Die Rolle des Mannes in der Familie ist, historisch betrachtet, die des Versorgers; nicht alle haben darüber hinaus auch eine Verantwortung als Gatte und Vater erkannt. Eine andere Rolle war die des Soldaten, in dieser Funktion müsste heute seine wichtigste Aufgabe die Verteidigung der Gesellschaft in ihrem innersten Kern bestehen: der Familie. Um diesen Kampf zu gewinnen, muss er seine Rolle in der Familie entdecken und wahrnehmen.

Vaterschafts-Urlaub bedeutet für den Mann eine gute Möglichkeit, das gemeinsame Heim zu entdecken, darin wirklich (nicht nur nachts) zu wohnen und es schätzen zu lernen, sodass Mann und Frau später besser entscheiden können, wer von ihnen was und wie tun sollte. Es ist eine großartige Gelegenheit für den Mann, mehr noch als für das Neugeborene; sich einbezogen zu fühlen und sich für die Familie einzusetzen.

Auf der anderen Seite wäre es günstig, selbst für Arbeitgeber, wenn der Mutterschutz in den Ländern der EU ausgedehnt würde. Ein kurzer Mutterschutz macht es Firmen schwer, einen Ersatz zu finden und so wird meist die Arbeitslast auf die verbliebenen Kollegen aufgeteilt. Wird die Kollegin wieder schwanger, werden ihre Kollegen sich nicht unbedingt mit ihr darüber freuen, denn sie müssen wiederum ihre Aufgaben mit übernehmen.

Bleibt die Frau aber für ein Jahr beurlaubt, wie in vielen Ländern üblich, muss für sie ein Ersatz gefunden werden. Das erste Jahr ist äußerst wichtig für die Entwicklung des Kindes, es ist dann von seiner Mutter besonders abhängig und wiewohl Neurologen diesen Aspekt besonders betonen, muss natürlich jede Familie sich entsprechend ihrer Möglichkeiten selbst organisieren.

Frauen wurden auch früher häufig wegen ihres Geschlechts diskriminiert. Diese Ungerechtigkeit ist nicht zu tolerieren, doch unsere Untersuchungen bei IESE haben gezeigt, dass die schlimmsten Ungerechtigkeiten immer noch den Mutterschutz betreffen. Das bedeutet, dass Frauen einfach deshalb diskriminiert werden, weil sie Kinder haben oder Kinder bekommen können. Vielfach stand gut gemeinten Gesetzen, die Arbeitgeber verpflichteten, flexiblere Arbeitszeiten für Mütter anzubieten, nicht das nötige Budget zur Verfügung, die damit verbundenen Kosten abzudecken, und so konnten Mütter nicht davon profitieren.

Um solchen Problemen begegnen zu können, sollte ein Familienministerium sich mit allen Fragen beschäftigen, die Familienentwicklung positiv oder negativ beeinflussen können. Beispiele sind Öffentliches Transportwesen, Wohnungsmarkt, Einkaufsmöglichkeiten etc. Richtlinien in Politik und Arbeitsmarkt müssen Mutterschaft und Vaterschaft berücksichtigen. Wird dies nicht erreicht, sind diese Richtlinien einfach ungerecht. Im Interesse von Vätern, Kindern und Müttern, der Arbeitswelt und der Gesellschaft als Ganzes sollte die Gesetzgebung Frauen unterstützen, die bereit sind, Mutter zu werden. Die Barrieren auf dem Weg zur Mutterschaft müssen überwunden werden, um dem Mangel an Kindern zu begegnen.

Eine neue Unternehmenskultur

In diesem Kontext wird die dringende Notwendigkeit einer neuen Unternehmenskultur deutlich; einer solchen, die Aufgaben und Ziele setzt, anstatt den Mitarbeitern bestimmte Arbeitszeiten vorzuschreiben. Mit einem solchen Ansatz kann man einem der größten Probleme in unseren Ländern begegnen: endlose Arbeitstage, die die Produktivität nicht fördern, sondern im Gegenteil, noch größere Frustrationen erzeugen: es wimmelt von Workaholics, Burnout–Geschädigten, von Mitarbeitern, die physisch und emotional weggetreten und solchen, die illoyal und einsatzschwach sind. Man kann deshalb getrost von einer neuen Form der Umweltverschmutzung reden: nämlich der sozialen Umweltverschmutzung. Diese ist eine Kontamination besonderer Art, aus zwei Gründen: 1. Sie lässt sich selbst und die damit einhergehenden Gefahren kaum erkennen und 2. sie steckt die Leute an, die als Ecksteine innerhalb des gesellschaftlichen Ökosystems Ausgleich und Fortschritt bewirken sollen.

Wir sollten uns alle darum bemühen, dass Arbeitszeiten sinnvoller gestaltet werden, auch wenn dies einen Paradigmenwechsel bedeutet, vor dem sich Arbeitswelt, Politik und Medien fürchten. Nur so wird das Arbeitsumfeld versöhnlicher und familiengerecht.

Es gibt bereits verschiedene Ansätze, zu einer Änderung zu kommen. Auf der einen Seite haben Firmen immer häufiger das Problem, begabte Mitarbeiter zu finden. In einer Zeit, die soziale Kompetenzen so sehr wertschätzt, bedeutet explizite Wertschätzung für Familie auch eine Verbesserung der Reputation eines Unternehmens. Firmen, die hoffen, junge, gute Mitarbeiter im Betrieb zu halten, müssen eine gewisse Flexibilität zeigen, da die jüngere Generation anders als frühere, nicht der Arbeit verfallen will. Die wachsende Nachfrage nach Flexibilität wird Betriebe zwingen, ihre Arbeitsregeln anzupassen. Es gibt Zahlen, die belegen, wie sehr sich die nächste Generation von Mitarbeitern auf diese Anpassungen ausrichten. 80% unserer Master-Studenten in IESE suchen Stellen, die bessere Bedingungen zur Weiterbildung und für eine ausgeglichene Lebensgestaltung bieten und schauen nicht in erster Linie auf das angebotene Gehalt.

Die ethische Dimension ist nicht zu übersehen: Die internen Arbeitsregeln eines Unternehmens sollten Schulungen ebenso beinhalten, wie Hinweise zur Wertschätzung von Mitarbeitern als Menschen, denen auch ein Leben nach der Arbeit eines jeden Tages zugestanden wird, insbesondere das Leben in der Familie, wo er oder sie wichtige Funktionen als Vater, Mutter, Kinder etc. haben.

Die strategischen Aspekte sind ebenso wichtig: Mitarbeiter fühlen sich herausgefordert, das Beste zu leisten. Ein Mitarbeiter wird dann hervorragende Arbeit leisten, ist kreativ und zeigt Verantwortung bei der Durchführung eines Projekts, wenn er sich wie ein Mensch und nicht wie ein Teil des Inventars einer Firma behandelt fühlt. Wenn dem gemäße Personalführung mit größerer Flexibilität gekoppelt, in einem Unternehmen eingeführt werden, verringert sich die physische Abwesenheit (z. B. durch Krankmeldung) um bis zu 30%. Fehlstunden durch mentale Abwesenheit (innere Emigration) stellen auch eine hohe Kostenbelastung für ein Unternehmen dar, lassen sich aber kaum sicher quantifizieren.

Zur Unterstützung der Unternehmen, die solche noblen Pläne umsetzen wollen, hat das „Internationale Zentrum für Arbeit und Familie von IESE“ einen Index mit Kriterien für familienverantwortliche Betriebe erarbeitet. Dieses Werkzeug bietet Unternehmen Kriterien, festzustellen, im welchem Maß sie entweder versöhnend oder kontaminierend ihre internen und externen Ressourcen behandeln. Die Forschungsarbeit an dem Projekt hat zur Entwicklung eines Zertifikats mit der Auszeichnung „familienverantwortlicher Betrieb“ geführt, das vom spanischen Ministerium für Arbeit unterstützt wird. Die Regionalverwaltung von Madrid hat auf dieser Basis Richtlinien für die besten Methoden im Arbeitsleben herausgegeben.

Wir zweifeln nicht daran, dass die beste Strategie zur Veränderung in der Schaffung von Anreizen für Unternehmen besteht, Familienleben und Arbeitsplatz miteinander zu versöhnen, und nicht Firmen zu bestrafen, die diesen Weg nicht gehen wollen. Die Erfahrung lehrt uns, dass da, wo ein Gesetz ist, auch Schlupflöcher vorhanden sind. Ein wirklicher Paradigmenwechsel kann nur von innen kommen und muss auf der Überzeugung fußen, dass eine Versöhnung von Familienleben und Arbeitsplatz möglich und nötig ist.

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Dr. Nuria Chinchilla ist Professor für Personalfragen an der IESE Business School der Universität von Navarra. Dieser Beitrag ist adaptiert aus einem Vortrag, den Dr.Chinchilla vor dem FEMM Committee in Brüssel im September 2008, und vor der From House to Home conference der Home Renaissance Foundation in London im November 2008 hielt.