Erziehungsprinzip Verantwortung
Was wichtig für unsere Weiterentwicklung ist, hat Wert. Was meinem Leben Sinn gibt, hat Wert. Was das Zusammenleben von Menschen erleichtert, hat Wert. Demnach sind Werte der gereifte Extrakt guter oder schlechter Erfahrungen. Will eine Gesellschaft überleben, wird sie diesen Schatz hüten und die Substanz von dem, was unser Leben trägt, in Sorgfalt und Verantwortung von Generation zu Generation weitergegeben.
von Dr. Albert Wunsch
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Werte entstammen somit dem Leben und tragen es weiter. Viele Generationen haben durch Pflichtbewusstsein, Aufrichtigkeit, Fleiß, Hilfsbereitschaft, Toleranz, richtiges Benehmen und gegenseitige Achtung ihr Leben gut gemeistert. Sittlichkeit, das Beachten der Regeln eines guten sozialen Miteinanders, die Achtung der Schöpfung, Engagement für Schwache sind Ausdruck einer solchen Haltung. Ein möglichst breiter Werte-Kanon wird somit zum Orientierungs-Rahmen für ein verantwortliches Handeln und dient unserer Zukunftsabsicherung.
Gelebte Verantwortung ist die Konsequenz der menschlichen Freiheit. Basis und Ziel jeglichen verantwortlichen Handelns ist demnach ein möglichst großer Konsens an verbindlichen und verbindenden Werten. So entwickelt sich ein Regulativ des Umgangs mit mir selbst, den Mitmenschen, Sachgütern und der Natur, kurz mit der uns anvertrauten Schöpfung.
Nichts verliert aber so schnell an Wert wie dauernd Vorhandenes. Fehlende oder unzureichende Verantwortlichkeit ist somit Ausdruck von Überfluss oder zu leichter Erreichbarkeit von Wichtigem, weil Beides keine pflegliche Sorgfalt erforderlich zu machen scheint.
In sogenannten primitiven Kulturen wird ihr Fehlen sofort spürbar, weil eine Nichtbeachtung eindeutige Konsequenzen für die Betroffenen nach sich zögen. Hätte sich beispielweise der Neandertaler alltäglich faul aufs Bärenfell gelegt, wäre er entweder verhungert oder von wilden Tieren verspeist worden. Würde ein Beduine seinen knappen Wasser-Vorrat nicht sorgsam hüten, droht er zu verdursten. Überleben-Wollen hieß bzw. heißt immer noch: Umsichtig sein und aktiv Vorsorge treffen. Aber die Schattenseite von modernen Gesellschaften mit ihren - zum Teil ausufernden - sozialen Systemen ist, dass die Folgen unverantwortlichen Handelns meist nicht auf die Verursacher, sondern auf die Gemeinschaft zukommen, ob ungesunder Lebenswandel, Lern- und Leistungsverweigerung, Betrug, Vorteils-Erschleichung oder fahrlässige bzw. vorsätzliche Zerstörung von Sachgütern.
Ja, wir wissen es alle: Ohne Selbst- und Mitverantwortung ist kein gelingendes soziales Miteinander möglich. Unsere Leichtfertigkeit im Umgang mit der Natur wie auch mit Beziehungen und dem uns tragenden Sozialsystem belegt dieses Phänomen. Es ist zu beobachten, dass sich in unseren Tagen auch zu viele junge Zeitgenossen in der Inaktivität ergehen und der nächsten Fürsorgedosis im Hotel-Mama oder von Vater-Staat entgegen dösen. Solange jedoch diese Versorgungs-Pipeline nicht gekappt wird, kann auch keine Eigen- und Mitverantwortung wachsen.
So kommt der Erziehungs-Verantwortung in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung zu. geht es dabei doch um die Bedingungen, wie unser Gemeinwesen auf Zukunft hin leben wird. In der Umsetzung wird jedoch oft bei Eltern und anderen Erziehungskräften große Unsicherheit deutlich. Der folgende Text kann wichtige Zusammenhänge verdeutlichen,
Nun kam eine alte Frau und sprach, rede uns von der Verantwortung:
Und er antwortete also:
Immer, wenn dir eine Aufgabe übertragen wird, stehst du in der Verantwortung für ein gutes Gelingen. Bist du bereit, deine Kraft in diesen Dienst zu stellen, wird dein Werk gut. Trefflich wird dein Handeln sein und die Früchte deines Wirkens werden dich und die mit dir Lebenden erfreuen.
Wird dir eine Aufgabe übertragen und du übernimmst keine Verantwortung, weil Eigensucht oder Trägheit dich beherrschen, dann wirst du zur Magd des Misslingens. Ob Mensch, Tier oder Natur betroffen sind, düster wird die Zukunft sein.
Aber, brachte die Frau verzweifelt ein, ich habe doch Verantwortung gegenüber meinen Kindern und Kindes-Kindern übernommen, wie kann ich diese denn weitergeben, denn ich bin schon arg gebrechlich.
Die Verantwortung ist kein Tugendsack, welchen du den Deinen einfach überreichen kannst. Sie lässt sich nicht lehren, sondern ist eine tragende Erfahrung im Umgang mit Wichtigem und Schützenswertem. Somit ist die Verantwortung die Frucht eines langen Reifungsprozesses. Sie wächst, wenn Begehrtes geschützt oder Schädigendes vermieden werden soll. Wecke also in deinen Kindern und Kindes-Kindern den Durst des Lebens und lasse sie erfahren, wie sorgsam mit den quellenden Wassern umzugehen ist, damit diese nicht versiegen.
So kann ich nichts machen?
Schätze dich glücklich, dass mit deiner Mutterschaft auch die Verantwortung für die dir Anvertrauten wuchs, denn die Frau ist die Hüterin des Lebens. Wenn du in deinen Kindern die Sehnsucht nach gelingendem Leben wecken konntest und du ihnen dabei auch reichlich durch wohlwollendes Zutrauen begleitete Entbehrung zugemutet hast, schufst du einen guten Boden für das Wachsen eigenständiger Verantwortung. Denn das Vermeiden-Wollen von Leid und Not ist ein guter Lehrmeister auf dem Weg der Einsicht und Erkenntnis.
So kann Niemand einem Anderen durch Worte Verantwortung übertragen, wie auch die Liebe zwischen Menschen nicht durch Advokaten per Vertrag geregelt werden kann. Nur der Narr glaubt, Verantwortung weitergeben oder einfordern zu können.
Darum höre:
Wo Verantwortung lebendig ist, hat die Zukunft ein gutes Wachstum. Sie drückt sich aus im achtsamen Umgange mit dir selbst, den mit dir lebenden Menschen und der uns geschenkten Schöpfung. Denn die Verantwortung ist ein Kind der Freiheit, gezeugt aus der Verbindung von Liebe und Pflicht.
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Copyright: Dr. Albert Wunsch, 41470 Neuss, Im Hawisch 17
Anmerkung: Vielleicht werden einige Leserinnen denken, diesen Text von Kahlil Gibram noch nicht zu kennen. Stimmt, denn er wurde vom Verfasser in Anlehnung an seine Art der Gedankenführung bzw. prophetischen Rede für das Grundsatzreferat des 108. VkdL-Bundeskongress so verfasst.
Weiter Infos zum Verfasser unter: www.albert-wunsch.de
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