Ernährungsführerschein für Kinder

Ernährungsführerschein für Kinder

Obwohl es in unserem Land seit über 50 Jahren Ernährungsberatung gibt und die Ernährungswissenschaft über umfangreiches Wissen verfügt, nehmen Übergewicht und durch Ernährung geförderte Krankheiten weiter zu. Den Ratschlägen der Ernährungsberater wird offensichtlich kaum gefolgt. Nun haben sie sich etwas einfallen lassen, was zumindest in der Testphase gut angekommen ist: den „Ernährungsführerschein“ für Drittklässler.

Ernährungsberater werden immer wieder mit der Tatsache konfrontiert, dass Menschen großes Interesse an Ernährungsfragen haben, ihre Essgewohnheiten aber keines falls an ihre gewonnenen Erkenntnisse anpassen.

Wir essen lieber, als uns zu ernähren

Ernährung und Essen ist eben nicht dasselbe: Während Ernährung ein rational gesteuerter Vorgang ist- wir berechnen Kalorien, gliedern Fette auf, suchen Vitamine und Mineralstoffe zu erhalten - berührt uns das Essen ausschließlich auf der emotionalen Ebene: Geschmack, Ambiente, Sättigungsgefühl.

Und hier lassen wir uns nicht gerne reinreden, nicht einmal vom eigenen Verstand und Wissensspeicher über gesunde Ernährung. Immerhin rangiert das „Gute Essen“ nach Urlaub, Familie und Sex auf Platz vier der Lusthierarchie. Wir essen uns einfach lieber dick und krank in gemütlicher Gesellschaft, als uns streng nach Vorschrift gesund zu ernähren. Einen Erfolg hat die rein kognitive Ernährungsberatung wenigstens manchmal zu verzeichnen: nach Beratung essen wir ungesund mit schlechtem Gewissen.

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr...

Wir alle erinnern uns an Gerichte, die wir in unserer Kindheit zunächst in den Untiefen unserer Backentaschen aufbewahrt haben, um sie dann im geeigneten Moment auf den Teller zurück oder gleich an den Hund weiter zu geben. Trotzdem haben wir gelernt, das meiste wie unsere Eltern zu essen und manches davon ist unsere Lieblingsspeise geblieben. Wir schmecken darin sozusagen weiterhin das vertraute Ambiente unserer Ursprungsfamilie.

Abgesehen davon, dass die Süßpräferenz der Kinder als evolutionsbiologischer „Sicherheitsgeschmack“ genetisch vorprogrammiert zu sein scheint (Prof. Pudel, Uni Göttingen), imitieren Kinder über die emotionale Schiene das Essverhalten ihrer Eltern. Früher hieß dieses in der Regel: sie mögen lebenslang eine ausgewogene gesunde Kost.

Heute essen viele Kinder gar nicht mehr mit den Eltern zusammen, sondern gewöhnen sich an das fast food Ambiente ihrer Freunde. Ernährungsberatung schlägt hier keine Wurzeln.

Ernährungsbeeinflussung bei Kindern

Um Kindern den Zugang zu gesunder Ernährung zu verschaffen, ist Phantasie gefragt.
Spontan mögen sie meist lieber Schokolade als Obst. Die Lektorin für Gesundheitsaufklärung und Sporternährung Inge de Ridder ( Hochschule Antwerpen) empfiehlt hier zum Beispiel folgendes: die Kinder werden aufgefordert, mehrere Obstsorten zu kosten und dann wie beim Schulzeugnis zu benoten. So erklären sie selbst eine Sorte zu ihrem Lieblingsobst, das sie anschließend freiwillig immer wieder gerne essen. Auch selbst zubereiten in angenehmer Gesellschaft macht – entsprechend ausgewählt - Kindern Lust auf gesunde Speisen.

Der Ernährungsführerschein

Hier setzt auch ein Projekt an, das der Infodienst aid (www.aid.de) für Grundschulen entwickelt hat und ab November zur Verfügung stellt.

Zielgruppe ist die dritte Klasse; Lehrer erhalten auf Anfrage umfangreiches Informationsmaterial, ebenso Prüfungsbögen, Elternbriefe und die Führerscheindokumente. Auch externe Fachkräfte können angefordert werden; ihr Einsatz wird bis Ende 2008 vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz finanziell gefördert.

Die Küche kommt ins Klassenzimmer

Im Klassenzimmer wird nun gesund gekocht , gemeinsam gegessen und alles wieder blitzsauber verlassen. Die Schüler lernen auch, wie man sich selbst zum Kochen zurecht macht und richtig den Tisch deckt. So prägt sich ihnen bezüglich einiger konkreter gesunder Speisen (Salate, Obstquark , etc.) ein emotionales „kann ich auch und macht Spaß“ ein, so dass sie diese Gericht zu Hause immer wieder ausprobieren möchten. Kinder aus Testklassen haben das Programm begeistert angenommen und der „Führerschein“ mit acht Jahren prangt bereits stolz in ihrem Zimmer. Eltern von Drittklässlern sollten die entsprechenden Lehrer rechtzeitig auf diese Möglichkeit aufmerksam machen und sie eventuell bei der Durchführung unterstützen.