Daueralarm

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Thema: Bildung in Deutschland. Alarmstufe Rot oder Gelb? Der kürzlich veröffentlichte nationale Bildungsbericht, in dem zentrale Problemstellen des Bildungswesens benannt werden, belegt zwar, dass der Bildungsstand der Bevölkerung gestiegen und die Bildungsbeteiligung im internationalen Vergleich hoch ist, alarmierend ist hingegen die Situation der Hauptschüler; sie fallen auf dem Jobmarkt noch weiter zurück und haben ebenso wie die Jugendlichen ohne Abschluss kaum eine Chance. Die Wirtschaft hält, wie SpiegelOnline berichtete, jeden vierten (!) Jugendlichen für nicht ausbildungsfähig. Die Bundeskanzlerin hat einen Bildungsgipfel angekündigt.

von Mark Rinasky
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Alarmstufe Gelb

Inzwischen treten die ersten Politiker für die Abschaffung der Hauptschule ein, auch auf Seiten der Wirtschaft kommen Zweifel auf, ob die notwendige individuelle Förderung gerade der schwächeren und benachteiligten Schüler effektiv und effizient gestaltet werden kann, wenn sie nach früher Auslese ausschließlich unter sich bleiben. In diesem Zusammenhang fordert der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, eine Neuausrichtung des deutschen Bildungssystems: «Weg von der Selektion, hin zu Integration und Unterstützung.» Der Handwerksverband schlug ebenfalls Alarm, ihr Generalsekretär wies darauf hin, dass acht bis neun (!) Prozent der Jugendlichen die Schule ohne Abschluss verließen.

… Rot

Den Schwerpunkt des diesjährigen Bildungsberichtes, erarbeitet von einer unabhängigen Wissenschaftlergruppe unter Leitung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung, bildet das Thema: «Übergänge von Schule in Berufsausbildung und Beruf». Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass die Investitionen für den Bildungssektor mangelhaft sind und die Ausgaben für Bildung deutlich geringere Zuwächse verzeichnen als die Wirtschaftskraft. Damit liegt Deutschland unter dem OECD-Durchschnitt. Ferner besteht «erheblicher Ersatzbedarf an qualifiziertem pädagogischen Personal».

Mehr als 500.0000 Jugendliche besuchen nach der allgemeinbildenden Schule Übergangsmaßnahmen, die zu keinem anerkannten Ausbildungsberuf führen. «Von den Schülern ohne Hauptschulabschluss landen 79 % und von jenen mit Hauptschulabschluss 51 % in solchen Maßnahmen.» (> bildungsklick.de). Und 40 % von ihnen haben zweieinhalb Jahre nach Beendigung der Schule noch keine Ausbildungsstelle! «Dies ist kein Ruhmesblatt für die Bildungspolitik», betont der Präsident des Bayerischen Lehrerverbandes, Klaus Wenzel, «Wir machen junge Menschen zu sozialen Verlierern, wir gefährden den sozialen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft und wir vergeuden wertvolle menschliche Ressourcen.» Ein anderer Bildungsexperte sprach gar von einer «verlorenen Generation».

… Grün

Die Bundeskanzlerin hat nun den Ausbau des Bildungssektors gefordert – nach ihren Worten die politische Zentralaufgabe für die nächsten Jahre. «Wir müssen die Bildungsrepublik Deutschland werden.» Doch kaum hatte sie den nationalen Gipfel angekündigt, warf Bayerns Ministerpräsident der Bundesregierung «Einmischen in Ländersachen und fehlende Kompetenz beim Thema Bildung» vor (FocusOnline). Beckstein betonte zwar die Notwendigkeit eines gemeinsamen Agierens, forderte den Bund jedoch auf, sich auf die eigenen Kompetenzen zu konzentrieren: zum Beispiel auf die Sprachförderung von Migrantenkindern im Kindergarten; das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge müsse besser ausgestattet werden. Ferner erfülle der Bund seine Aufgaben in punkto Weiterbildung nicht, kritisierte der CSU-Politiker, «umfangreiche Programme für lebenslanges Lernen» müssten aufgestellt werden.

«Schwierige Übergänge»

… Unter dieser Headline kommentiert Heike Schmoll von der FAZ die Situation und weist darauf hin, dass «sich politische Handlungsanweisungen nicht unmittelbar aus der bildungsempirischen Beschreibung von Stärken und Schwierigkeiten gewinnen» lassen. «Woran liegt es», fragt die Autorin, «dass seit mindestens zehn Jahren bekannt ist, was dringend zu tun ist, und sich im Schul- und Hochschulalltag vieles dennoch nicht zum Besseren ändert?» Gleichzeitig kritisiert Schmoll die Allgemeinverbindlichkeit internationaler Zielvorstellungen bei der Bildungsberichterstattung: «Warum eigentlich ist möglichst frühe vorschulische Betreuung in jedem Fall gut? Warum wird jetzt die frühe Einschulung für alle zum allein selig machenden Weg des Schulbeginns? Wieso soll ein System mit mehr Hochschulabsolventen besser sein?» Es komme eher auf die Fächer an, denn ginge es nach den Erfordernissen des Arbeitsmarktes, bräuchte Deutschland «Techniker, Ingenieure, Naturwissenschaftler und Mathematiker, aber keine Geisteswissenschaftler». Vor allem aber fehlten Lehrer im naturwissenschaftlichen Bereich sowie qualifiziertes Betreuungspersonal für frühkindliche Förderung. Heike Schmoll sieht Fehler und Versäumnisse eher auf Länderebene und nicht beim Bund: «Denn es gelingt ihnen nicht, die lauthals beschworene gesamtdeutsche Verantwortung in der Kultusministerkonferenz wahrzunehmen oder gar gemeinsame Initiativen auf den Weg zu bringen.» Es bleibe bei Absichtserklärungen.

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Link: www.bildungsbericht.de