Geld in Bildung statt in Beton investieren
Das von der Bundesregierung verabschiedete Konjunkturprogramm II sieht auch erhebliche Investitionen in Bildung vor. Bei näherem Hinsehen entdeckt man aber, dass es dabei vor allem um bauliche Sanierungsmaßnahmen geht. So ist nur zu verständlich, dass sich in seltener Einmütigkeit fast alle großen Bildungsverbände warnend an die Bundesregierung gewandt haben, mit dem Geld aus dem Konjunkturprogramm II nicht nur bauliche Maßnahmen zu fördern, sondern vor allem in die Qualität von Bildung zu investieren.
von Horst Hennert
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Forderungen der Bildungsverbände
Bundeselternrat (BER), Deutscher Philologenverband (DPhV), Didacta Verband, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Verband Bildung und Erziehung (VBE) und VdS Bildungsmedien sind sich einig: „Ein Konjunkturprogramm im Bildungsbereich darf sich nicht darin erschöpfen, die Investitionen ausschließlich für Baumaßnahmen vorzusehen.“ Sie appellieren „an Bundesregierung und Bundesrat, bei den laufenden Beratungen zum Zukunftsinvestitionsgesetz dafür zu sorgen,
- dass die Förderung nicht auf die bauliche Sanierung von Bildungsinstitutionen beschränkt bleibt,
- dass auch die Modernisierung der Ausstattung und Einrichtung, der Lehr- und Lernmittel ermöglicht wird und
- dass die Investitionsentscheidungen nach Dringlichkeit in enger Abstimmung mit den Schulen selbst erfolgen.“
Diese berechtigten Forderungen sind vielleicht der kleinste gemeinsame Nenner, auf den sich diese verschiedenartigen Bildungsvereinigungen verständigen konnten. Man vermisst aber die für die Bildung wesentlichen Aspekte: Geld für kleinere Klassen, für eine bessere Lehrerbildung, für einen Ganztagsunterricht, der diesen Namen verdient.
Ganztagsangebote ohne professionelles Personal
So können die von vielen Bildungsexperten geforderten flächendeckenden Ganztagsschulen zum großen Teil nicht die an sie gestellten Erwartungen erfüllen, da das eingesetzte Personal oft nicht die erforderlichen Voraussetzungen mitbringt. Zu diesem Ergebnis kommt eine > Studie zum Ganztagsbedarf in Baden-Württemberg von der Forschungsstelle Jugend – Medien – Bildung in Ludwigsburg.
Die im Jahre 2008 mit 1485 Schulen des Landes durchgeführte Studie zeigt, dass zwar über 80% der weiterführenden Schulen eine Ganztagsbetreuung planen, dass aber über 50% der bereits jetzt laufenden Bildungsangebote von unprofessionellen Kräften angeboten werden, von Eltern oder Jobbern.
Wenn es wirklich sinnvoll sein soll, Kinder den ganzen Tag in der Schule zu halten, dann müssen dafür qualifizierte Lehrer zur Verfügung stehen, soll Schule mehr als nur eine „Verwahranstalt“ sein.
Und dafür fehlt das Geld - so wie in vielen anderen Breichen, die ganz unmittelbar mit der Bildung der Schüler zu tun haben. Jetzt wäre die Chance gegeben, an den richtigen Stellen zu investieren, die der Bildungsqualität unserer Schulen und damit in erster Linie den Schülern zugute kommen. Hoffen wir, dass sich diese Erkenntnis durchsetzt.
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