Benedikt XVI. wünscht sich neue „erzieherische Leidenschaft“

Benedikt XVI. wünscht sich neue „erzieherische Leidenschaft“

Angesichts eines offenkundigen Erziehungsnotstandes und der großen Tragweite für die nächste Generation würdigte Papst Benedikt XVI. die Entscheidung der italienischen Bischöfe, dem Thema „Erziehung“ die oberste Bedeutung in einem Zehn-Jahresprogramm der italienischen Kirche zu geben. Er erinnerte dabei an einige wichtige Erziehungsprinzipien.

von Horst Hennert
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„Glaubwürdige Orte der Erziehung“

Erziehung brauche, so der Papst, „glaubwürdige Orte“, an denen sie sich verwirklichen könne. An erster Stelle stehe die Familie, dann die Schule und die Pfarrei. An all diesen Orten sei die Qualität des Zeugnisses entscheidend. Denn das Beispiel guter Erzieher helfe den Jugendlichen, sich selbst zu verwirklichen, indem sie sich für den anderen öffnen. Dies werde aber nicht durch Formen antiautoritärer Erziehung, die ein Verzicht auf Erziehung seien, erreicht werden.

Eine weitere Wurzel des Erziehungsnotstandes sieht der Papst im Skeptizismus und Relativismus sowie in der Entgegensetzung von Natur und Offenbarung. Nur dort, wo der Mensch Natur wieder als Schöpfung Gottes begreifen lernt, kann er darin auch ein „Sprechen Gottes zu den Menschen“ entdecken.

Optimismus in der Erziehung

Trotz aller Schwierigkeiten, die die Erziehung schon immer mit sich gebracht habe, ermutigte der Papst dazu, diese schwierige Aufgabe mit Optimismus und „erzieherischer Leidenschaft“ anzugehen. Erziehen heißt für den Papst, die neuen Generationen zu bilden, damit sie in der Lage sind, in eine Beziehung mit der Welt zu treten, „gestärkt durch eine bedeutsame Erinnerung, ein gemeinsam geteiltes inneres Erbe, eine wahre Weisheit, die das transzendente Ziel des Lebens erkennt und dem Denken, den Affekten und den Urteilen Richtung verleiht".

Denn die Jugend trage einen Durst und ein Fragen nach Sinn und nach echten menschlichen Beziehungen im Herzen, und dürfe in den Herausforderungen des Lebens nicht allein gelassen werden.

Die Aufgabe der Kirche in der Erziehung

„Die Vermittlung des Glaubens ist ein unverzichtbarer Teil der ganzheitlichen Bildung der Person, da sich in Jesus Christus der Entwurf eines gelungenen Lebens verwirklicht", so der Papst. Daher müsse die Kirche den Menschen Gott als Freund des Menschen verkündigen, der in Christus an die Seite eines jeden Menschen getreten sei.

Die persönliche Begegnung mit Christus sei der Schlüssel, um die Bedeutung Gottes im alltäglichen Leben zu erkennen: „das Geheimnis, es in der brüderlichen Nächstenliebe herzugeben, die Bedingung, um immer wieder aufzustehen und sich auf eine ständige Umkehr hinzubewegen".

Der Wille zu einer neuen Zeit der Evangelisierung verberge nicht die Wunden, durch die die Gemeinschaft der Kirche aufgrund der Schwäche und der Sünde einiger ihrer Mitglieder gezeichnet sei. Dies dürfe jedoch nicht den unentgeltlichen und leidenschaftlichen Dienst vieler Gläubiger und der Priester in Vergessenheit geraten lassen. „Auf der einen Seite muss die Vergebung gelernt werden, auf der anderen die Notwendigkeit der Gerechtigkeit".

Vertrauen in die Jugend

Der Papst ermunterte die Bischöfe, ohne Zögern den Weg des Einsatzes für die Erziehung einzuschlagen. „Der Heilige Geist helfe euch, nie das Vertrauen in die Jugend zu verlieren, er dränge euch dazu, ihnen entgegenzugehen, er führe euch dazu, deren Lebensumfelder zu frequentieren, den Bereich der neuen Kommunikationstechnologien eingeschlossen, die die Kultur in jeder ihrer Ausdrucksformen durchdringen.“

Dabei gehe es nicht darum, „das Evangelium an die Welt anzugleichen, sondern aus dem Evangelium jene immerwährende Neuheit zu schöpfen, die es jeder Zeit gestattet, angemessene Formen zur Verkündigung des Wortes zu finden". Jungen Menschen solle das hohe und transzendente Ziel des Lebens vorgeschlagen werden: „auch als Berufung zum geweihten Leben und zum Priestertum“.

Zum Abschluss der italienischen Bischofsvollversammlung lud er die Bischöfe ein, sich mit einem Gebet an die Mutter Gottes zu wende, der er besonders alle ihre Erziehungsbemühungen anvertraue:

„Jungfräuliche Mutter Gottes und unsere Mutter, Deine Gegenwart lasse die Wüste unserer Einsamkeit neu erblühen und die Sonne über unserer Dunkelheit leuchten und bringe nach dem Sturm die Ruhe zurück, damit jeder Mensch das Heil des Herrn sehe, das den Namen und das Gesicht Jesu trägt, der sich in unseren Herzen widerspiegelt, da sie stets eins mit dem deinen sind.“