Die systematische Ausbeutung der Familien in Deutschland (1)

Die systematische Ausbeutung der Familien in Deutschland (1)

Dieser Aufsatz legt dar, dass Familien mit zwei und mehr Kindern seit 1970 in den Steuer- und Sozialsystemen systematisch ausgebeutet werden, was mit einer systematischen Beschenkung lebenslang kinderloser Menschen einhergeht. Menschen, die im Laufe ihres Lebens ein Kind aufziehen, werden heute näherungsweise gerecht behandelt. Die staatliche Beschenkung Kinderloser auf Kosten der Familien mit zwei oder mehr Kindern stellt einen riesigen ökonomischen Anreiz dar, kinderlos zu bleiben oder nur 1 Kind aufzuziehen.

von Prof. Dr. Hermann ADRIAN, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
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Sie ist damit ohne jeden Zweifel die entscheidende Ursache des nun seit 35 Jahren anhaltenden Geburtendefizits. Bei einer Geburtenrate von im Mittel 1,4 Kindern pro Frau fehlt seit 1970 ein Drittel der für die Ersetzung der Elterngeneration benötigten Kinderzahl (FE=2,1 Kinder pro Frau) (2), etwa 400.000 Kinder pro Jahr. Seit 1970 fehlen somit 14 Millionen junge Menschen, 7 Millionen zwischen 0 und 18 Jahren und 7 Millionen zwischen 18 und 35 Jahren. Seit 1997 beschleunigt sich der Geburtenrückgang dramatisch von 812.172 in 1997 auf 672.724 in 2006, weil seither die kleinen, nach 1970 geborenen Jahrgänge immer stärker in das reproduktive Alterssegment (20 bis 40 Jahre) hineinwachsen. (3)

Noch gravierender als der Verlust der intra-generationalen Gerechtigkeit zwischen Menschen einer Generation mit verschiedener Kinderzahl ist jedoch der Verlust von Lebenschancen und Wohlstand für die nachfolgenden Generationen. Wir dürfen es nicht zulassen, dass unsere Kinder und Enkel durch unsere absurden Sozialsysteme gezwungen werden, den schon bald sehr zahlreichen kinderlosen Alten ein Alterseinkommen zu zahlen und ihre Gesundheits- und Pflegekosten zu finanzieren, da sie diesen Menschen moralisch zu nichts verpflichtet sind. Wenn jungen Menschen ein großer Teil ihres Einkommens ohne jede moralische Rechtfertigung genommen wird, so verlieren sie ihre individuelle Freiheit und Würde und werden zu modernen Arbeitssklaven für Kinderlose degradiert.

Die inter-generationale Gerechtigkeit ist spätestens dann endgültig zerstört. Kinderlose müssen gerechterweise aus den durch ihre Kinderlosigkeit ersparten Mitteln für ihr eigenes Alter selbst vorsorgen. Unser Staat ist heute zu einer Schein-Demokratie verkommen, weil alle Regierungen seit 1970, unterstützt durch die Mehrheit der älteren Wahlbevölkerung, den nach- wachsenden Generationen ungerechtfertigte, riesige Belastungen in formal völlig demokratischer Weise aufladen. Diejenigen, die diese Leistungen später erbringen sollen, unsere Kinder und Enkel, haben aber gar kein Wahlrecht und können sich deshalb nicht wehren.

Wir verhalten uns wie das antike Athen, wo die freien Bürger Demokratie gespielt haben, der Wohlstand aber auf der Ausbeutung von natürlich nicht wahlberechtigten Sklaven beruhte. Nur sind heute unsere Kinder und Enkel diese Sklaven. Die offenen Schulden betragen 2007 über 1,5 Billionen Euro (67% des Bruttoinlandsproduktes BIP), die impliziten Schulden aufgrund von ungerechtfertigten Anwartschaften der Kinderlosen aus den Sozialsystemen betragen ca 3 Billionen Euro (125% BIP), Unterfinanzierung der öffentlichen Infrastruktur des Staates seit 1980 in Höhe von durchschnittlich 2% BIP pro Jahr (zusammen ca 50% BIP) und schließlich Verkauf von öffentlichem Eigentum von Bund, Länder und Gemeinden ca 200 Milliarden Euro (8% BIP). Zusammen ergibt dies eine ungerechtfertigte Belastung der nachfolgenden Generation in Höhe von 250% BIP oder einen heutigen Wert von 6 Billionen Euro bzw. 200.000 Euro pro Erwerbstätigem im Jahr 2030.

(wird fortgesetzt)

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Anmerkungen

(2) Hier wird der Ausdruck Geburtenrate gebraucht. Genau genommen handelt es sich um die zusammengefasste Geburtenziffer oder die sogenannte Querschnitts-Fertilität. Sie ist die Summe der altersspezifischen Geburtenziffern, die angeben wie viele Kinder im Mittel pro Frau eines Geburtsjahrgangs in einem bestimmten Jahr geboren wurden. Davon zu unterscheiden ist prinzipiell die Längsschnitts-Fertilität, welche die mittlere Kinder zahl einer Alterskohorte von Frauen im Verlauf ihres gesamten Lebens angibt und sich auf das Geburtsjahr dieser Frauen bezieht. Wenn sich das Reproduktionsverhalten der Bevölkerung im Lauf der Zeit ändert, können sich Querschnitts und Längsschnitts-Fertilität voneinander unterscheiden, andernfalls sind sie identisch. Im Gegensatz zur Geburtenzahl oder der Allgemeinen Geburtenziffer (= Zahl der Lebendgeborenen pro1000 Einwohner und Jahr) wird die Querschnitts-Fertilität nicht von Änderungen im Altersaufbau beeinflusst.
(3) Frankreich und Großbritannien hatten 2006 bei nur 60 Millionen Einwohnern 820.000 (2,1 Kinder/Frau) bzw. 740.000 (1,8 Kinder/Frau) Geburten. Frankreich hat seit 2000, Großbritannien seit 2004 mehr Geburten als Deutschland. Die Geburtenzahlen dieser Länder werden in den nächsten Jahren weitgehend konstant bleiben, die Geburtenzahl Deutschlands wird um voraussichtlich 1,5%, im Mittel also um 10.000 pro Jahr sinken. Im Jahr 2030 werden Frankreich und Großbritannien im Altersegment der 20- bis 45-Jährigen größere Jahrgänge und damit leistungsfähigere Volkswirtschaften und wesentlich mehr Wohlstand haben als Deutschland.

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© Professor Dr. Hermann ADRIAN, Johannes Gutenberg-Universität Mainz